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Hellabrunn:Der Münchner Tierpark braucht Geld

Das jüngst auf die Welt gekommene Elefantenbaby Otto würde normalerweise viele Besucher in den Zoo locken. Doch die müssen derzeit leider draußen bleiben.

(Foto: Marc Müller/Hellabrunn)

Zoo-Chef Rasem Baban fehlen Einnahmen. Er möchte mehr Eintritt verlangen, darf aber nicht. Auch sonst läuft es derzeit nicht rund - und das liegt nicht nur an der Corona-Krise.

Von Philipp Crone und Heiner Effern

Viel schlechter könnte es für den Tierpark derzeit nicht laufen. Und das liegt nicht nur an den Folgen des aktuellen Teil-Lockdowns. Da sind die laut Tierparkchef Rasem Baban "fast vier Millionen Euro", die dem Zoo durch die zweimonatige Schließung durch den Lockdown im Frühjahr fehlen. Dem folgen nun die zweite Corona-bedingte Auszeit und damit das Pech, einen seltenen und auffällig munteren Nachwuchs bei den Elefanten präsentieren zu können, ohne dass man vom eigentlich erwarteten Besucherandrang profitiert. Und dann kommen auch noch zwei Kommunikationspannen dazu, die den Tierpark und seinen Direktor auf den ersten Blick schlecht aussehen lassen.

Am 11. November tagte der Aufsichtsrat der Tierpark-AG, die zum allergrößten Teil der Stadt München gehört. Dort stellte Baban eine Preiserhöhung vor, die er umsetzen wollte. Offiziell will davon niemand mehr etwas wissen, nach Informationen der SZ sollten Erwachsene 17 statt 15 Euro bezahlen, Kinder sieben statt sechs Euro. Die Jahreskarte für Erwachsene sollte von 49 auf 59 Euro steigen, genauso die sogenannte Jahreskarte für kleine Familien (ein Elternteil plus Kinder bis 14 Jahre). Für die normale Jahreskarte sollten 118 statt 98 Euro fällig werden. Doch der Vorschlag fiel durch.

Das könne man in der momentanen Lage den Besuchern nicht plausibel machen, hieß es intern. Offiziell erklärte Aufsichtsratschefin und Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) nur: "Die Eintrittspreise für den Tierpark bleiben stabil. In der jetzigen Krisenzeit dürfen wir die Münchnerinnen und Münchner nicht zusätzlich belasten." Bei Tierparkchef Baban hörte sich das Dementi unglücklich an, da sein Plan zuvor bereits an die Öffentlichkeit durchgesickert war: "Die in der Presse diskutierten Eintrittspreisanpassungen sind für uns aktuell kein Thema."

Dabei gab es zuletzt nur wenige und moderate Preiserhöhungen. Die Tageskarte für Erwachsene wurde im Jahr 2012 von 11 auf 12 Euro erhöht, 2014 auf 14 und im Frühjahr 2017 auf die aktuellen 15 Euro. Im Vergleich zu den anderen Zoos in deutschen Großstädten ist München dabei eher günstig. Im Tierpark Hagenbeck in Hamburg kostet eine Erwachsenenkarte 22 Euro, eine für Kinder 17, während diese in München aktuell noch 6 Euro kostet. In Köln zahlt ein Erwachsener 19,50 Euro und ein Kind 9 Euro. Und die Jahreskarten liegen in Köln bei 85, in Hamburg bei 110 und in Berlin bei 55 Euro. Aus Aufsichtsratskreisen hieß es dann auch, Baban habe bei der Sitzung eine moderate und nachvollziehbare Preiserhöhung vorgeschlagen. Nur halt zur falschen Zeit. Der Tierparkchef will auch eine gute Woche danach nichts zu dem Thema sagen. "Kein Kommentar."

Bleibt als Geldquelle der Verkauf von Werbeartikeln, doch auch hier gab es eine Kommunikationspanne. Hellabrunn hatte Mitte Oktober den neuen Jahreskalender für 2021 angekündigt, der exklusiv in den Zoo-Shops zum Preis von 10 Euro erhältlich sei. Drei Wochen später, nach der nächsten Schließung des Zoos und seiner Shops, hieß es dann, dass man mit Hugendubel einen Partner gefunden habe, über den der Tierparkkalender "exklusiv" erhältlich sei. Allerdings nun nicht mehr für 10, sondern für 12,50 Euro. Das sei "eine schöne Lösung", denn 2,50 Euro kämen dem Tierpark als Spende zugute. "So haben alle etwas davon", sagte dazu Dennis Späth, Leiter der Unternehmenskommunikation in Hellabrunn. Klang nobel, doch Baban sagt: "Hugendubel macht das natürlich nicht zum Nulltarif." Der Gewinn, den der Zoo bei einem Preis von zehn Euro pro Kalender gemacht hätte, den bekomme nun eben Hugendubel. Und damit für den Zoo etwas dabei rausspringt, gibt es die sogenannte Spende. Klingt auf Nachfrage nachvollziehbar, sieht aber krumm aus, wenn man zweimal nacheinander seinen Kalender anpreist und den Preis kurzerhand um 2,50 Euro erhöht.

Die neue Löwenanlage baut der Zoo wie geplant

Die Planungen für das kommende Jahr stehen trotz der schwierigen Bedingungen. Die Bauarbeiten für die Löwenanlage, die 3,6 Millionen Euro kosten wird, beginnen noch in diesem Jahr. Es ist ohnehin das einzige große Bauprojekt für 2021 gewesen, es soll planmäßig im ersten Quartal 2022 fertig werden. Andere, kleinere Maßnahmen wie etwa nicht ganz so wichtige Reparaturen stelle man nun zurück. Baban rechnet noch bis Mitte kommenden Jahres mit Einschränkungen, er geht auch nicht von einer Öffnung im Dezember aus.

So lange wird der Tierpark die Kosten von täglich 50 000 Euro für den Unterhalt des Zoos ohne dagegen stehende Einnahmen finanzieren müssen, wobei die Kosten etwa durch einen größeren Energiebedarf noch höher lägen, sagt der Tierparkchef. Von der Politik kam aber schon früh die Zusage, den Zoo finanziell zu stützen. Aufsichtsratschefin Dietl sagte zuletzt mehrmals, man werde den Zoo nicht bankrottgehen lassen.

© SZ vom 23.11.2020/kast/van
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