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Tierpark Hellabrunn:Rote Zahlen, grauer Nachwuchs

Löwen im Tierpark Hellabrunn in München

Das Geld für die neue Löwenanlage wird wie geplant auch dafür eingesetzt, sagt Zoo-Chef Rasem Baban.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der Tierpark präsentiert zwar gute Ergebnisse für 2019, doch die Corona-Krise bringt hohe Verluste. Der anstehende Nachwuchs bei den Elefanten geht dabei fast unter.

Von Philipp Crone

Der Schein trügt. Die Zahlen lesen sich zwar ziemlich gut, die Christine Strobl vorträgt, die Aufsichtsratsvorsitzende der Tierpark-AG. Aber es sind die Zahlen von 2019, weit vor Corona. Da konnte man süßen Tiernachwuchs präsentieren, die Bauprojekte anpreisen und sich zum Beispiel über 2,7 Millionen Besucher freuen. Nun geht vor lauter Minus durch die Corona-Krise und die deutliche Unzufriedenheit von Tierpark-Chef Rasem Baban und der scheidenden Aufsichtsratvorsitzenden Strobl mit den Vorgaben der Politik aber zum Beispiel die spannende Nachricht beinahe unter, dass im Herbst aller Voraussicht nach Nachwuchs bei den Elefanten zu erwarten ist.

Bevor Baban und Strobl zum Appell ausholen, gehen sie zunächst die Zahlen durch. Und die lesen sich eben gar nicht schlecht. 72 000 verkaufte Dauerkarten, dazu hat der Zoo nicht nur gebaut, um attraktiver zu werden, sondern auch verstärkt Führungen angeboten und Artenschutzprojekte unterstützt. Bei der Inventur kam die Zahl 714 raus, so viele Tierarten gibt es in Hellabrunn. Davon sind mit Fischen (251) und sonstigen Wirbellosen (240) die meisten vertreten. Die Zugänge, etwa bei den stark bedrohten Visaya-Pustelschweinen oder durch die demnächst anreisenden zwei Eisbärweibchen, die dann mit der übrig gebliebenen Giovanna zusammenleben sollen, sind einigermaßen prominent. Giovannas jüngster Nachwuchs Quintana hat den Zoo am Mittwoch verlassen und müsste laut Baban an diesem Donnerstagvormittag bereits in ihrem neuen Gehege in Frankreich angekommen sein. Nachwuchs gab es bemerkenswerterweise auch bei den Roten Pandas, die noch stärker bedroht sind als ihre so bekannten großen Panda-Kollegen in schwarz-weiß. Zuletzt gibt es auch bald ein Jungtier in elefantengrau. Laut Baban wird im Oktober oder November Temi ihren Nachwuchs zur Welt bringen.

Gebaut wird in Hellabrunn ebenfalls ohne Pause. Ob kleinere Projekte wie zum Beispiel Schlafkokons für die Orang-Utans oder ein sogenannter Beschäftigungsbaum für den Elefanten Gajendra, der mit einem massiven Fundament im Boden der Außenanlage verankert wurde. Oder die Kindereisenbahn, die auf vielerlei Nachfrage nun auch wieder einsatzbereit ist. Aber auch große Projekte stehen an, und da kommt man dann schnell auf Corona und die Folgen für den Zoo.

Zuletzt hatte Hellabrunn-Chef Baban Alarm geschlagen und die Gefahr skizziert, dass er seine Rücklagen im schlimmsten Fall nicht wie geplant für den Bau der neuen Löwenanlage einsetzen könnte, sondern für Corona-Ausfälle nutzen müsste. Davon gehen Strobl und er allerdings nicht aus, die Gespräche mit der Stadt, die Hauptanteilseignerin der Tierpark AG ist, seien sehr gut gewesen, sagt Baban. Also ist der Bau der Anlage, die 3,6 Millionen Euro kosten soll, eingeplant und soll Ende des Jahres beginnen.

Von der kommenden Woche an öffnet das kernsanierte Tierparkrestaurant wieder. Die Kosten der Renovierung liegen bei einer Million Euro. Zudem wird das Gebäude mit den kleinen Affenarten erneuert, die Außengehege sind beinahe fertig, innen wird das Gebäude so verändert, dass für die Tiere fast doppelt so viel Fläche zur Verfügung stehen soll wie bisher. Zudem, wie zuletzt in Hellabrunn üblich bei Neuerungen, gibt es auch hier eine neue Edukation. Das Thema ist der südamerikanische Regenwald, "eine Sache für alle Sinne". Und auch das Streichelgehege soll noch in diesem Jahr saniert werden. In der Corona-Pause wurden Wege erneuert, Bauarbeiten vorgezogen und gleichzeitig durchgeführt, so dass nun nach der Wiedereröffnung vieles anders ist. Aber noch immer schreibt der Zoo derzeit rote Zahlen, sagt Baban. Allein der Lockdown habe fünf Millionen Euro gekostet.

Im Moment ergibt sich täglich ein Minus von 20 000 Euro. Trotz der aktuell gut 4000 Besucher, die pro Tag kommen dürfen. Baban hofft auf eine Regelung mit nur noch fünf Quadratmetern pro Person von kommender Woche an. Schon von Freitag an öffnen bestimmte Häuser wie etwa die Großvoliere oder der Murnauer Stall, die gut durchlüftet sind. Die Hoffnung des Zoos: alle Häuser mit Maskenpflicht und Einbahnstraßenprinzip öffnen, dazu auf eine tägliche Zahl von 8700 Personen aufstocken zu dürfen. Baban sagt: "Dann kommen wir wohl auf eine schwarze Null."

© SZ vom 10.07.2020/syn
Tierpark Hellabrunn Büro Zoodirektor Rasem Baban

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Von Philipp Crone

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