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Homosexualität:Pride Week im Tierpark Hellabrunn

Bei Giraffen ist gleichgeschlechtliches sexuelles Verhalten die Regel.

(Foto: Stephan Rumpf)

Homosexualität ist im Tierreich ganz normal. Das zeigen abendliche Sonderführungen im Münchner Zoo anlässlich des Christopher Street Days.

Flamingos, Elefanten, Pinguine, Bisons, Schlangen und auch die Könige der Tiere, die Löwen - sie alle tun es, mal mit einem Männchen, mal mit einem Weibchen. Gleichgeschlechtlicher Sex ist bei Tieren weit verbreitet und ganz normal. Vögel zeigen ihre Neigung zum gleichen Geschlecht schon bei der Balz, weibliche Schimpansen präsentieren sich gegenseitig ihre Geschlechtsöffnungen, männliche Wale reiben ihre Penisse aneinander.

Auch Löwen haben Sex mit Partnern des gleichen Geschlechts.

(Foto: Stephan Rumpf)

Auch im Tierpark Hellabrunn hat die Biologin Franziska Baur gleichgeschlechtliches Verhalten schon bei manchen Tieren beobachtet. In dieser Woche gibt sie eine der drei Sonderführungen mit dem Thema "Homosexualität im Tierreich", die der Tierpark anlässlich der Pride Week und des Christopher Street Days anbietet.

"Ich würde Tiere aber niemals als schwul oder lesbisch bezeichnen", sagt die Mitarbeiterin des Tierparks. Denn diese Begriffe seien vom Menschen geprägt und damit oft auch kulturell, religiös oder mit Vorurteilen behaftet. "Meistens sind Tiere bisexuell", sagt die 32-Jährige. Auch Pinguine, die gemeinhin als monogam gelten, wechseln nicht nur ihre Sexualpartner, sondern auch zwischen Homo- und Heterosexualität. Bei 1500 Tierarten wurde ein solches Verhalten bereits beobachtet. "500 davon sind wissenschaftlich belegt", weiß Biologin Baur. Und dabei geht es durch das gesamte Tierreich - vom Fisch bis zum Murmeltier.

Biologin Franziska Baur möchte den Besuchern im Tierpark zeigen, dass Homosexualität etwas sehr natürliches ist.

(Foto: Stephan Rumpf)

Denn auch für Tiere dreht es sich beim Geschlechtsverkehr laut Baur häufig nicht allein um die Fortpflanzung. Das sehe man zum Beispiel an den Flamingos. "In einem Zoo in England wurde beobachtet, wie zwei Flamingomännchen Eier klauten und sie gemeinsam brüteten." Auch aus biologischer Sicht spricht nichts dagegen, denn bei der Vogelart sind auch die Männchen in der Lage dazu, ihrem Nachwuchs die sogenannte Kropfmilch zu geben.

"Männliche Schlangen geben sich manchmal als Weibchen aus", führt Baur ein weiteres Beispiel an. Jedoch nicht unbedingt, um sich Paarungen zu erschleichen, sondern manchmal auch einfach nur, um ein bisschen Wärme und Nähe zu einem Artgenossen zu bekommen.

Vater-Mutter-Kind? So strikt geht das bei den Flamingos auch nicht zu.

(Foto: Stephan Rumpf)

"Es ist aber auch bewiesen, dass einige Tiergruppen Orgasmen haben." Sie persönlich sei der Meinung, dass es ihnen eben einfach Spaß mache. "Man muss da die Fortpflanzung vom Sex trennen, wie beim Menschen auch." Andere Theorien besagen, beim gleichgeschlechtlichen Verhalten der Tiere gehe es darum, die Rangordnung zu klären oder Spannungen abzubauen.

Bei Giraffen beispielsweise finden bis zu 90 Prozent der Paarungsakte gleichgeschlechtlich statt, viele davon außerhalb der Paarungszeit. "Da sagen manche Wissenschaftler es diene als Ersatz oder Übung für die Paarung", sagt Baur. Die Gründe dafür seien aber meist nur Spekulationen, fehle es noch immer an Langzeitstudien.

Für sie seien die Auslöser für das gleichgeschlechtliche Verhalten auch gar nicht so wichtig. Die Biologin möchte mit den Führungen viel mehr zeigen, dass Homosexualität tief in der Natur verankert ist. "Generell sollte das Thema Sex enttabuisiert werden." Seit zehn Jahren führt Baur regelmäßig Menschen durch den Tierpark. Spricht sie über die Geschlechtsteile oder das Sexualverhalten der Tiere, schauen sie die Besucher jedes Mal erschrocken an. "Die Moral und Scham was das Thema betrifft, ist vom Menschen gemacht."

Mithilfe der Biologie und anhand der Tiere könne sie zeigen, dass auch gleichgeschlechtlicher Sexualverkehr ganz normal ist. Bei den Anemonenfischen, bei denen ein Weibchen mit mehreren Männchen zusammen lebt, ist sogar eine Art Transgender zu beobachten. Stirbt das Weibchen, ist das Männchen innerhalb von einer Woche in der Lage, sein Geschlecht zu wechseln.

Erste Beobachtungen zum gleichgeschlechtlichen Verhalten bei Tieren wurden laut Baur schon im Jahr 1910 gemacht. Da ging es um Pinguine, die sich mit allem möglichen paarten." Ganze sechs Seiten waren es, die der Forscher jedoch aus seinem Bericht herausreißen musste, entsprachen sie doch nicht den Moralvorstellungen dieser Zeit. Umso schöner findet Baur es, dass mit den Sonderführungen im Tierpark das Thema auf eine besondere Weise aufgegriffen und vielleicht auch ein Stück weit enttabuisiert wird.

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