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Nahverkehr:"Für einen Streiktag lief es gut"

Viele Busse sind in München am Freitag in den Depots geblieben - von den Fahrerinnen und Fahrern war etwa jeder zweite in den Ausstand getreten.

(Foto: Gino Dambrowski)

Etwa die Hälfte aller Busfahrer in München hat am Freitag die Arbeit niedergelegt. Das Chaos ist diesmal aber ausgeblieben - sehr zur Erleichterung der MVG.

Von Lea Arbinger, Heiner Effern und Sophia Kaiser

Das große Chaos, wie es vergangene Woche im öffentlichen Nahverkehr ausgebrochen war, blieb diesmal aus. Nur die Busfahrer streikten am Freitag von 3.30 Uhr in der Nacht bis zwölf Uhr mittags - und längst nicht alle von ihnen legten die Arbeit auch wirklich nieder: 270 von insgesamt rund 550 Linienbussen waren trotz des von der Gewerkschaft Verdi ausgerufenen Warnstreiks in der Stadt unterwegs, teilt die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) mit. Ein "ordentliches Angebot", findet ein Sprecher der MVG. "Für einen Streiktag lief es gut." Zu verdanken sei das vor allem den privaten Kooperationspartnern, die knapp die Hälfte aller Linienbusse stellen.

"Für die Fahrgäste war der Streik trotzdem sehr ärgerlich", bedauert der MVG-Sprecher. Auf rund 20 Linien sei mehr als die Hälfte aller Fahrten ausgefallen. Auf gut 50 Linien konnte hingegen mehr als die Hälfte des Fahrplans eingehalten werden - und auf 37 Linien sogar mehr als 75 Prozent. "An diesen Bushaltestellen hat es sich gelohnt, auf den Bus zu warten."

Dass das große Chaos dieses Mal ausblieb, war zum Beispiel an den Busbahnhöfen Ostbahnhof und Trudering zu beobachten. Unaufgeregt und ruhig geht es dort am Freitagmorgen zu. Die wartenden Fahrgäste verteilen sich irgendwann alle wie gewohnt auf die Busse, die dann eben doch fahren. Sogar die laut MVG stärker eingeschränkte Linie 100 erreicht den Ostbahnhof minutengenau laut Anzeigetafel. Die meisten Fahrgäste sind offenbar über den Streik informiert. Zwei Siebtklässlerinnen berichten, dass sie ihren Schulweg extra angepasst haben: "Unser Bus kommt eigentlich erst in 20 Minuten", erklärt eines der Mädchen. "Wir nehmen heute aber einen anderen und laufen noch ein Stück."

Die Meinungen zum erneuten Warnstreik sind an diesem Morgen gespalten. "Ich verstehe ja, dass sie mit dem Streik etwas ändern wollen", sagt eine Pendlerin auf dem Weg zur Arbeit. "Aber zwei Wochen hintereinander ist es schon nervig." Am Bahnhof Trudering berichtet eine Berufsschülerin beim Umsteigen, für sie sei der Streik vergangene Woche mit den ausgefallenen U-Bahnen deutlich schlimmer gewesen. Ausweichmöglichkeiten gebe es dieses Mal ja genügend, wobei auch das sonnige Wetter den Umstieg aufs Fahrrad zu einer nicht ganz so schlechten Option mache.

Offiziell beendet war der Warnstreik zwar um zwölf Uhr, aber bis die Busse, die während des Streiks im MVG-Betriebshof stillstanden, wieder an ihren eigentlichen Platz auf den Münchner Straßen zurück sind, dauert es. Aber auch das sei besser gelaufen als gedacht: "Um 14 Uhr waren bereits knapp 90 Prozent aller Busse wieder normal unterwegs", sagt der MVG-Sprecher. Er selbst ziehe insgesamt eine positive Bilanz.

Wenn es nach Verdi-Gewerkschafter Franz Schütz geht, müssen Fahrgäste in den kommenden Wochen damit rechnen, dass sie noch öfter eine Alternative zum öffentlichen Nahverkehr benötigen. "Es kann sein, dass wir noch den ganzen Herbst brauchen", sagt er am Freitagmorgen auf der improvisierten Bühne vor dem Busbahnhof im Westend ins Mikrofon. Es gehe um das Gewerbe insgesamt, um mehr Lohn, um bessere Arbeitsbedingungen. Auch Fahrer privater Busunternehmen, die für die MVG Linien bedienen, würden deswegen mitstreiken, "manche zum ersten Mal in ihrem Leben".

Wenn die öffentlichen Arbeitgeber, wie auch die Stadt München, betonen würden, dass wegen der Corona-Pandemie kein Geld mehr da sei, dürfe man das nicht einfach hinnehmen, meint Schütz. Das würden Arbeitgeber "fast immer sagen". Die etwa 50 Streikenden am Betriebshof müssen zwischendurch immer wieder ihren Platz vor der Schranke freimachen, weil nicht wenige Busse trotz des Ausstands ein- und ausfahren, einige auch unter Buh-Rufen. Der Zusammenhalt sei besonders wichtig, sagt Verdi-Mann Schütz. Wir müssen zeigen, dass wir gemeinsam stark sind."

© SZ.de/vewo/lot/kast
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