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Sendling-Westpark:Raum fürs Gebet, kein Platz zum Parken

Eine erste Skizze: So soll das Gebetshaus aussehen.

Eine erste Skizze: So soll das Gebetshaus aussehen. Visualisierung: Haack und Höpfner

  • Die islamisch-bosnische Gemeinde will in Sendling-Westpark ein religiöses Zentrum errichten.
  • Der Bezirksausschuss unterstützt das Projekt grundsätzlich, das allerdings für Unruhe im Viertel sorgt.
  • Einige Anwohner lehnen das geplante Vereinshaus mit Gebetsraum unter anderem aus Angst vor Lärm ab.

Die Bauherren sprechen von einem Vereinshaus mit Gebetsraum, die protestierenden Anwohner von einer Moschee: Ein Bauprojekt an der Edelsbergstraße, in unmittelbarer Nähe zur Lindauer Autobahn und zum Mittleren Ring, sorgt für Unruhe im Viertel. Am Dienstagabend waren etwa ein Dutzend Anwohner in die Sitzung des Bezirksausschusses Sendling-Westpark gekommen, um zu erläutern, weshalb sie das Projekt des Vereins "Hidaje" ablehnen, der dort ein Vereinshaus mit Gebetsraum für die muslimischen Bosnier errichten will.

Das dafür erforderliche Grundstück an der Edelsbergstraße/Ecke Säulingstraße hat der Verein bereits gekauft und den Münchner Architekten John Höpfner mit der Planung beauftragt, dessen Büro Erfahrung mit Sakralbauten hat. Der Neubau für die Neuapostolische Gemeinde Laim-Pasing nach den Plänen des Büros Haack und Höpfner wurde 2013 eröffnet.

Für die islamisch-bosnische Gemeinde hat Hoepfner den Baukörper als Kubus mit einer Kantenlänge von 14 Metern konfiguriert. Im Untergeschoss soll es ein Büro und einen Seminarraum geben, im Erdgeschoss sind das Foyer und ein weiterer, teilbarer Seminarraum vorgesehen. Der Gebetsraum mit Platz für etwa 80 Besucher, die zum Freitagsgebet erwartet werden, soll im Obergeschoss entstehen und von oben Licht durch eine Kuppel erhalten. Den BA-Mitgliedern hatte der Architekt das Vorhaben, für das eine Bauvoranfrage gestellt wurde, bereits in einer Sitzung des Unterausschusses Bau erläutert, bei der auch vier Anwohner sowie Vertreter des Vereins anwesend waren. Bereits zu diesem Zeitpunkt lag eine Liste mit 227 Unterschriften von Anwohnern vor, die das Vorhaben ablehnen.

Am Dienstagabend erläuterten die Bürgerinnen und Bürger aus der Rauheck-, Säuling-, Breitach- und Grüntenstraße nochmals, dass sie die geplante Einrichtung verhindern wollen, weil ansonsten die "ohnehin extreme Verkehrssituation" unzumutbar verschärft werde. Da geplant sei, auf eine Tiefgarage zu verzichten und nur drei Stellplätze vorzusehen, werde es in den umliegenden Straßen kein Durchkommen mehr geben, wenn die Gläubigen zum Freitagsgebet strömten.

Zweifel wurden auch daran geäußert, ob man die Betriebszeiten verbindlich festschreiben könne. Bereits jetzt sei dieses Wohnviertel in der Lärmkartierung als dunkelrot gekennzeichnet. Wenn es noch schlimmer werde, "können wir hier nicht mehr wohnen", sagte eine Anwohnerin. Da der geplante Bau eine Nutzfläche von 500 Quadratmetern habe, sei zu befürchten, dass dort viele Veranstaltungen stattfinden, was die Belastung durch den Verkehr erhöhen werde. Das räumten auch die BA-Mitglieder ein, die vor den Einwendungen der Bürger zu Beginn der Sitzung über das Projekt diskutierten.

Das Gelände, auf dem das Gemeindezentrum entstehen soll.

München, 18.12.2019 / Foto: Robert Haas Thema: Sendling / Westpark Freies Grundstück mit viel Baumbestand, gelegen zwischen den Adressen Edelsbergstraße 6 und Säulingstraße 42

(Foto: Robert Haas)

Der BA-Vorsitzende Günter Keller (SPD) sagte, "die Situation ist schon jetzt schwierig" und verlangte spezielle Lösungen. Die Anwohner würden vor allem bei den Heimspielen der Basketballer des FC Bayern im Audi-Dome vom Verkehr überflutet. Zudem solle die Kapazität der Sporthalle demnächst erhöht werden. Keller gab jedoch zu bedenken, dass Freitagmittag, zur Zeit des Freitagsgebets, keine Spiele stattfinden. Außerdem sei der Parkplatz an der Siegenburger Straße nur bei Spielen gebührenpflichtig.

Der CSU-Fraktionssprecher Alfred Nagel stellte den Antrag, das Vorhaben abzulehnen und stattdessen dort Wohnungsbau zu fordern, was besser zum Gartenstadtcharakter der Umgebung passen würde. Mit Blick auf die vielen Gewerbebauten entlang der Autobahn nannte es sein SPD-Pendant Walter Sturm "schräg, von Gartenstadt zu sprechen". Uwe Kramm (Grüne) lobte, dass der Architekt mit dem wertvollen Baumbestand auf dem Grundstück schonend umgehe.

Stefanie Krammer (SPD) sagte, sie sehe "das Projekt sehr positiv". Ähnlich äußerte sich Dieter Meyer (CSU): "Es wurde uns ein gutes Miteinander versprochen, das Vorhaben passt da rein." Als einziger seiner Fraktion stimmte er dafür, sodass sich der Bezirksausschuss mit 17 zu 7 Stimmen "grundsätzlich" für das Vorhaben aussprach. Allerdings mit Einschränkungen: Die Stadt möge prüfen, ob eine religiöse Einrichtung an dieser Stelle planungsrechtlich zulässig ist, gegebenenfalls ein umfassendes Verkehrs- und Parkkonzept erarbeiten und den Bezirksausschuss bei der Planung eng einbinden.

© SZ vom 19.12.2019/flud
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