Schwabing:Stadt will Hohenzollernkarree kaufen

Schwabing: 230 Wohnungen existieren derzeit im Hohenzollernkarree, ein Potenzial von etwa 115 zusätzlichen Wohnungen ist vorhanden.

230 Wohnungen existieren derzeit im Hohenzollernkarree, ein Potenzial von etwa 115 zusätzlichen Wohnungen ist vorhanden.

(Foto: Google Maps)

Der Wohnkomplex verfügt über 23 Häuser mit 230 Wohnungen, 115 weitere könnten entstehen. Es dürfte mit rund 200 Millionen Euro einer der teuersten Deals der Stadtgeschichte werden.

Von Ellen Draxel und Anna Hoben

Ein möglicher Kauf des Hohenzollernkarrees in Schwabing durch die Stadt wird offenbar konkreter. Die grün-rote Rathauskoalition hat am Freitag ihren Willen bekundet, dass die Stadt den Wohnkomplex mit 23 Häusern erwerben soll. Sie müsse nun "schnell handeln, um die abstrakte Gefahr eines Verkaufs an einen privaten Investor abzuwenden und für viele Schwabinger Mieterinnen und Mieter langfristig bezahlbare Wohnungen zu sichern", hieß es in einer Mitteilung. Außerdem sieht die Koalition die Möglichkeit, durch Nachverdichtung dort noch deutlich mehr Wohnungen zu schaffen.

Die SZ hatte im vergangenen Herbst darüber berichtet, dass das Hohenzollernkarree der Stadt zum Kauf angeboten worden sein soll. Die Eigentümer des Blocks mit derzeit 230 Wohnungen und einem Potenzial von etwa 115 zusätzlichen Wohnungen hatten nach SZ-Informationen Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) ein Übernahmeangebot unterbreitet. Sie sollen für das Karree zwischen Clemens-, Fallmerayer-, Herzog- und Erich-Kästner-Straße einen Kaufpreis im Bereich von 200 Millionen Euro in den Raum gestellt haben. Mittlerweile haben weitere Gespräche dazu stattgefunden, wie aus dem Rathaus zu hören ist.

Offenbar ist es dabei schon recht konkret geworden. Die Eigentümerin, die Max-Emanuel Immobilien GmbH, will dazu allerdings keine Auskunft erteilen und verweist an die Stadtverwaltung. Das für Immobilienankäufe zuständige Kommunalreferat ist bisher nicht in den Vorgang involviert. Eine Sprecherin teilt auf Anfrage aber mit, man setze sich "selbstverständlich gerne mit dem Eigentümer des Hohenzollernkarrees in Verbindung". Falls es tatsächlich zum Verkauf stehe und die Eigentümer bereit sind, mit der Stadt in Verhandlungen einzusteigen, werde das Referat den Ankauf ausverhandeln und gegebenenfalls dem Stadtrat zur Entscheidung vortragen.

Sollte die Stadt das Hohenzollernkarree kaufen, könnte dies der größte und teuerste Deal dieser Art werden. Einzig der Rückkauf von ehemals staatlichen GBW-Wohnungen vor einigen Jahren bewegte sich vom Gesamtpreis her in einer ähnlichen Größenordnung wie der jetzt angestrebte Deal. Damals bekam die Stadt allerdings knapp 1000 Wohnungen für etwa 200 Millionen Euro - mehr als viermal so viele wie das Hohenzollernkarree aktuell hat.

Der Wohnkomplex in Schwabing und vor allem die Schicksale der Mieterinnen und Mieter beschäftigen die Kommunalpolitik seit 2013. Damals verkaufte die Bayerische Beamten Lebensversicherung die Wohnanlage für 54,65 Millionen Euro an die Patrizia, die die Immobilie wiederum 2015 für 65 Millionen Euro an die heutige Eigentümerin Max-Emanuel Immobilien GmbH weiterreichte.

Der Mieterverein München lobte die Kaufpläne der Koalition

"Mit dem Hohenzollernkarree würden wir uns ein großes Stück unserer Stadt zurückkaufen", sagte SPD-Fraktionschef Christian Müller. Durch einen Verkauf an einen Investor und die folgende Verdrängung von Normalverdienern könnte ansonsten die gesamte Erhaltungssatzung kippen, fürchtet er. Seine Stadtratskollegin Sibylle Stöhr klingt, als sei der Verkauf schon besiegelt: "Mit dem Ankauf des Hohenzollernkarrees durch die Landeshauptstadt München setzt die grün-rote Rathausregierung einen wichtigen Teil des Koalitionsvertrages um und setzt gleichzeitig der Spekulation an dieser Stelle ein Ende", sagte sie.

Der Mieterverein München lobte die Ankündigung der Koalition. "Seit nunmehr zehn Jahren kämpfen wir für die Mieterinnen und Mieter des Hohenzollernkarrees und begrüßen es, dass die Stadt bezahlbaren Wohnraum retten und erhalten möchte", sagte Geschäftsführerin Angela Lutz-Plank. Der Mieterverein war vor zwei Jahren mit einer Musterfeststellungsklage gegen Mieterhöhungen wegen Modernisierungen bis vor den Bundesgerichtshof gezogen - und unterlegen.

Inzwischen ist auch klar, dass das Hohenzollernkarree keinen Denkmalschutz erhalten wird. Der Wohnkomplex, so argumentiert das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, besitze "aufgrund der starken Veränderungen und Überformungen der Gesamtanlage keine Denkmaleigenschaft".

Zudem seien die Straßenbilder um den Block herum sehr heterogen und ließen "weder eine Beziehung des Blocks zu dem ihn umgebenden Baubestand noch eine besondere Bedeutung erkennen", die eine Erweiterung des denkmalgeschützten Ensembles Nordschwabing rechtfertigen würden.

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