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ÖPNV:So könnte die S-Bahn besser werden

Münchner S-Bahn

Zu den Unterstützern der Initiative zählen unter anderem die Aktion Münchner Fahrgäste, der Bund Naturschutz und die Umweltorganisation Green City.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Eine Initiative präsentiert Vorschläge, wie die S-Bahn pünktlicher und zuverlässiger werden kann. Denn die zweite Stammstrecke wird frühestens in acht Jahren für Entlastung sorgen können.

Von Andreas Schubert

Längere Züge, veränderte Takte, Züge auf dem Süd- und Nordring: Die S-Bahn soll besser werden. Und damit die Züge künftig pünktlicher und zuverlässiger kommen, haben sich nun verschiedene Organisationen zur "S-Bahn-Initiative Qualität" (SIQ) zusammengeschlossen und Vorschläge erarbeitet, die sich ihrer Einschätzung nach relativ schnell realisieren ließen.

Zu den Initiatoren und Unterstützern der SIQ gehören die Aktion Münchner Fahrgäste, der Bund Naturschutz, die Umweltorganisation Green City, das Münchner Forum, der "Verein der Bürgerinitiative Haidhausen S-Bahn-Ausbau" und der Verkehrsclub Deutschland (VCD). "Von der Wirksamkeit geplanter Neuinvestitionen für die S-Bahn ist München noch circa zehn Jahre entfernt. Die Fahrgäste wollen so lange nicht warten", heißt es in einer Stellungnahme der Initiative, nach deren Ermessen sich schon in drei Jahren ein "Qualitätsschub" erreichen ließe.

In der Tat wird die zweite Stammstrecke frühestens in acht Jahren fertig und kann dann für Entlastung sorgen. Früher soll dies nach Ansicht der SIQ durch eine optimierte Organisation ermöglicht werden - "nicht durch kostspielige Investitionen, wohl aber mit provisorischen Stationen", schreiben die Initiatoren.

In drei "Jahres-Paketen" schlägt die SIQ vor allem diese Verbesserungen vor: Eine veränderte Linienorganisation soll eine höhere Pünktlichkeit ermöglichen. Die Zahl der Züge auf der Stammstrecke solle von maximal 30 Zügen wieder auf 24 Züge pro Stunde und Richtung reduziert werden. Dadurch gebe es mehr Zeitpuffer bei Verspätungen. Mit einer Verlängerung bestehender Züge werde dabei die gleiche Platzzahl erreicht. Die S 7 West soll bis zur Beseitigung des Engpasses nur bis und ab Hauptbahnhof fahren, die S 1 West "Fahrzeitpuffer" erhalten. Auf der bestehenden Schienen-Infrastruktur könnten zusätzliche Querverbindungen eingeführt werden. Den derzeit nur vom Güterverkehr genutzten Nordring stellt sich die Initiative als neuen S-Bahn-Ast zwischen Ostbahnhof und Karlsfeld zur Stoßzeit vor. Provisorische Stationen könnten in Karlsfeld, Fasanerie Süd, Olympiapark Nord, am Frankfurter Ring und in Freimann entstehen.

Ähnliches wünscht sich die SIQ für den Südring, der heute bereits als Ausweichstrecke bei Stammstreckenstörungen dient. Hier könnten Regionalzüge im 20-Minuten-Takt fahren und an provisorischen Stationen an der Poccistraße und am Kolumbusplatz halten. Wolfram Liebscher, Vorsitzender des Münchner VCD, verweist darauf, dass sich Provisorien schnell bauen ließen, es solche schon öfter gegeben habe, etwa bei der Internationalen Gartenschau 1983, als am Südring ein vorübergehender S-Bahnhalt eingerichtet worden war. Zu den weiteren Vorschlägen zählen etwa eine Querroute zwischen Hauptbahnhof und Deisenhofen im 20-Minuten-Takt mit einem Halt an der Menterschwaige, Takterweiterungen im gesamten Netz, ein Zehn-Minuten-Takt für die Linienabschnitte von und nach Ottobrunn, Markt Schwaben, Buchenau, Dachau, Germering, Zorneding, Deisenhofen und Olching. Auf allen Linien solle zudem tagsüber der 20-Minuten-Takt bis an die Endpunkte ausgeweitet werden, nach Altomünster solle ein 30-Minuten-Takt gelten. Zudem sollten sämtliche Linien neu organisiert werden.

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die im Auftrag des Freistaats den Regional- und S-Bahnverkehr plant, finanziert und kontrolliert, erklärte auf Anfrage, sie werde sich die Vorschläge mit dem Verkehrsministerium anschauen. Wolfram Liebscher versicherte, es habe vorab Gespräche mit der BEG gegeben.

Stattdessen teilte die BEG eigene Pläne mit, welche die S-Bahn entlasten sollen. So weitet sie das Angebot der parallel verkehrenden Regionalzüge aus. Von Dezember 2020 an sind auf den Strecken im Oberland zusätzliche Züge mit höherer Kapazität unterwegs. An den Wochenenden führt die BEG einen weitgehenden Halbstunden-Rhythmus ein. Die kurzen Wendezeiten der Oberlandzüge am Hauptbahnhof, die immer wieder für Verspätungen bei der S-Bahn sorgen, sollen verlängert werden. Ebenfalls von Dezember an werden erstmals Züge der Regionalbahnlinie München - Landshut in Unterschleißheim halten und damit die S 1 in der Hauptverkehrszeit entlasten.

Ende 2021 führt die BEG dann eine neue Regionalbahnlinie von München nach Buchloe ein, die auch in Fürstenfeldbruck hält und so die S 4 entlastet. Ermöglicht werde dies durch den Einsatz "spurtstarker" elektrischer Triebwagen auf der dann elektrifizierten Strecke zwischen Geltendorf und Buchloe. "So entsteht der nötige Zeitgewinn für den zusätzlichen Halt in Fürstenfeldbruck", teilt die BEG mit. Im Rahmen der Neuausschreibung des Werdenfelsnetzes mit Betriebsstart Ende 2025 habe man zudem eine Fahrplanstudie in Auftrag gegeben, welche die Möglichkeiten für eine Verbesserung des Regionalverkehrs in Tutzing und Starnberg untersuchen soll.

Untätig war die Bahn übrigens bisher nicht. Im Rahmen des Programms "Zukunft S-Bahn München" arbeitete sie unter anderem an besseren Fahrgastinfos und hat die S1 bis zum Leuchtenbergring verlängert, zusätzliche Frühfahrten auf den Linien S 7 und S 8 eingeführt und bisherige Leerfahrten für die Fahrgäste geöffnet. Die Abstellanlage in Steinhausen wurde erweitert und mit einem neuen Stellwerk ausgestattet. Das alte anfällige Stellwerk am Ostbahnhof soll 2023 ersetzt werden.

© SZ vom 02.10.2020/syn

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