Sendling-Westpark:Entlastung für die Stadt

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München: Verkehr Giesing, Tegernseer Landstrasse

Der Mittlere Ring - hier die Tegernseer Landstraße - würde durch den Autobahn-Südring entlastet - viel Verkehr würde aber bleiben.

(Foto: Stefanie Preuin)

Die Forderung nach einem Autobahn-Ringschluss zwischen Würm- und Isartal taucht in der politischen Debatte alle paar Jahre auf. Im Bezirksausschuss verspricht man sich davon eine Entlastung um 20 000 Fahrzeuge pro Tag.

Von Berthold Neff

Vor mittlerweile zehn Jahren wurde der Autobahn-Südring eingemottet, doch nun feiert er fröhliche Urständ. Die Rathaus-CSU stellte, um ihrer damaligen OB-Kandidatin Kristina Frank Auftrieb im Wahlkampf zu geben, im März 2019 den Antrag, die Planungen für den Ringschluss im Münchner Süden wieder aufzunehmen. In Sendling-Westpark sprang man ihr zumindest in Sachen Autobahn zur Seite. CSU und SPD stellten ein paar Monate später im Bezirksausschuss (BA) einen ähnlich lautenden Antrag. Am Dienstagabend wurde diese Forderung von CSU, SPD und FDP bekräftigt, der Ruf nach dem Ringschluss ging allerdings nur mit einer relativ knappen Mehrheit durch, 13 zu zehn Stimmen. Wäre die Grünen-Fraktion vollzählig gewesen (bei der Abstimmung fehlten vier Mitglieder), wären SPD und CSU mit ihrem Ja zum Südring wohl durchgefallen.

Auf die Tagesordnung war das Projekt gekommen, weil das Planungsreferat derzeit eine Beschlussvorlage vorbereitet, ausgehend von dem CSU-Antrag aus dem Frühjahr 2019, und dazu Stellungnahmen aus den Stadtbezirken einholt. Im Stadtrat, in dem Grüne und SPD/Volt nun im Bündnis agieren, ist man klar gegen das Vorhaben, und auch die Stadtverwaltung lehnt es ab. Es habe sich kein neuer Sachstand ergeben, "um von der bisherigen ablehnenden Haltung der Landeshauptstadt München gegenüber dem Bau des A99-Südrings abzuweichen". Genau dies aber, dass die Stadt ihre ablehnende Haltung aufgibt, wollte die CSU-Fraktion im BA Sendling-Westpark erreichen. Dass der Leidensdruck groß ist im Viertel, machte der CSU-Fraktionssprecher Alfred Nagel klar. Der Bau des Südrings hätte zur Folge, dass täglich etwa 20 000 Autos weniger auf der Lindauer und der Garmischer Autobahn im Stadtgebiet unterwegs wären. Die SPD hatte bereits im vorigen Jahr daran erinnert, dass in Sendling-Westpark gleich zwei Bundesautobahnen endeten und dass eine direkte Verbindung zur Salzburger Autobahn A 8 nur über den Mittleren Ring möglich sei. Der Ringschluss im Süden "wäre daher eine notwendige und entlastende Maßnahme". Die SPD wies allerdings zugleich darauf hin, dass man beim Bau dieser Trasse "Eingriffe in die Waldfläche kategorisch" ablehne. Man solle die Strecke daher im Tunnel führen.

All diese Argumente ändern jedoch kaum etwas daran, dass die Staatsregierung das Projekt 2010, kurz nach Vorliegen der Machbarkeitsstudie, aufgegeben hat und kein Interesse zeigt, es erneut anzustoßen. Der heutige Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte sich damals schon gegen das Vorhaben ausgesprochen, zu den Befürwortern zählten damals vor allem die Münchner CSU und eine "Nordallianz" genannte Reihe von Kommunen im Norden Münchens. Die Gemeinden im Süden, vor allem auch im Würmtal, sprachen sich vehement gegen den Südring aus.

Das Planungsreferat argumentiert, es sei historisch bewiesen, "dass der Ausbau der Infrastruktur für motorisierten Individualverkehr langfristig mehr solchen Verkehr erzeugt". Deshalb sei es wichtiger, umweltfreundliche Mobilitätsformen zu stärken. Staus, die man mit dem Bau des Autobahnrings München-Süd zu verringern hoffe, "würden sich weiterhin bilden, wenn auch auf einer räumlich und zeitlich kürzeren Strecke". Im Übrigen werde der allmähliche Umstieg weg vom Brennstoffmotor zur Elektromobilität die Luft entlang der Strecke im Stadtgebiet entscheidend verbessern.

Zwei von 25 Bezirksausschüssen haben sich bisher für den Südring ausgesprochen, außer Sendling-Westpark auch jener für Aubing-Lochhausen-Langwied. Nein tönte es Anfang November 2019 aus dem 19. Stadtbezirk Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln sowie aus dem 17. Stadtbezirk Obergiesing-Fasangarten. Untergiesing-Harlaching zeigte sich zwiespältig. Die Bürgerversammlung forderte im Herbst 2018, den Ring zu vollenden, lehnte ihn aber ein Jahr später unter dem Ruf "Kein Autobahnsüdring durch den Perlacher Forst" wieder ab.

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