Stadtgestaltung Architekten sollen nacharbeiten

Die S-Bahn braucht mehr Personal und somit auch mehr Büroraum, der an der Orleansstraße entstehen soll. Entwurf: Yevhen Kozak, ABH-Architekturbüro Heese GmbH

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An der Orleansstraße entsteht ein fünfstöckiges Haus für die S-Bahn München, doch die Pläne stoßen auf Kritik

Von Sebastian Krass

Wenn in ein einigen Jahren - offizielles Ziel ist 2026 - die zweite Stammstrecke in Betrieb geht, dann braucht die S-Bahn München mehr Leute und mehr Platz. Da trifft es sich gut, dass direkt neben der schon bestehenden Zentrale am Ostbahnhof entlang der Gleise eine kaum bebaute Fläche liegt. Mittelfristig soll auf dem Areal bis hinten zum Haidenauplatz ein neues Quartier mit etwa 450 Wohnungen und ebenso viel Fläche für Gewerbe entstehen. Aber zunächst wird direkt neben dem bestehenden Altbau ein neues Bürogebäude entstehen. Die S-Bahn will sich dort einmieten und neben der Verwaltung auch Schulungsflächen für Lokführer und eine vergrößerte Leitstelle unterbringen, die den Einsatz von Zügen und Personal steuert - die allerdings nicht zu verwechseln ist mit der großen Leitstelle der Bahn an der Donnersbergerbrücke.

Wegen der prominenten Lage war das Vorhaben, für das eine Baugenehmigung beantragt ist, kürzlich Thema in der Stadtgestaltungskommission, die Verwaltung und Stadtrat bei bedeutenden Bauprojekten berät. In der Diskussion bekam das Münchner Architekturbüros Heese, von dem der Entwurf stammt, ein paar Anregungen zur Überarbeitung mit auf den Weg. Eine dürfte den Bauherrn vom Immobilienunternehmen GVG gefallen: Die Überarbeitung des Dachgeschosses würde zu mehr vermietbarer Fläche führen.

Es geht bei dem Projekt um das Grundstück mit der Adresse Orleansstraße 56, direkt neben dem markanten Gebäude, in dem eine Postfiliale, ein Lebensmitteldiscounter, ein Bürgerbüro und Teile des Sozialreferats der Stadt München untergebracht sind. Das noch auf dem Baugrundstück stehende unscheinbare Technikgebäude der Bahn soll abgerissen werden. Auch ein Teil des Parkplatzes soll überbaut werden. Neu entstehen soll dafür ein 21 Meter hoher Bau mit fünf Geschossen. Das ist etwas höher als das Nachbargebäude, aber aus Sicht der Stadt vertretbar, weil die Bebauung Richtung Haidenauplatz, für die ein Bebauungsplan vorbereitet wird, sechs bis acht Geschosse hoch werden soll.

Bei der Gestaltung der Fassade wolle man sich am Nachbargebäude orientieren, erklärte Architekt Lutz Heese bei der Vorstellung seiner Pläne in der Kommission. "Wir würden gern den Sockel fortführen und bei Muschelkalk bleiben. Wir haben einen Steinbruch bei Kelheim gefunden, der schönen Muschelkalk herstellt." Im Erdgeschoss sollen Cafeteria und Kantine unterkommen. Auch die drei Geschosse darüber, die für Büros vorgesehen sind, sollen außen mit Kalk verkleidet werden, allerdings in einer anderen Struktur und Farbe. Die Fenster gehen über die ganze Geschosshöhe, als Sonnenschutz sind Schiebeelemente, so genannte Screens, vorgesehen.

Doch die stießen auf Kritik. "Ich frage mich, ob man da nicht eine zurückhaltendere Lösung findet, damit die Natursteinfassade besser zur Geltung kommt", sagte die Architektin Birgit Rapp, die als neues, noch designiertes Mitglied zum ersten Mal in der Stadtgestaltungskommission dabei war. Ihr Kollege Matthias Sauerbruch störte sich an der Anordnung der Fenster, "die zwischen einer klassischen Lochfassade und einer aufgelösten Struktur oszilliert, ohne dass es zu einem Entschluss kommt. Die kleinen Fenster im Sockel kommen mir vor wie ein Strichcode." Er wünschte sich ein Gebäude, das "einfacher" gestaltet sei. Stadtbaurätin Elisabeth Merk kritisierte den Rücksprung des Dachgeschosses, in dem Sitzungsräume vorgesehen sind, sie wünschte sich eine durchgehende Höhe.

Letztlich einigte sich die Kommission, dass man die Verwendung hochwertiger Materialien bei der Fassade begrüße, dass aber die Schiebeelemente zu überdenken seien und dass das Obergeschoss besser nicht zurückgesetzt werden soll. Nun werden die Architekten den Entwurf zügig überarbeiten, um bald eine Baugenehmigung zu bekommen. Lutz Heese betonte, dass man "gegen die Uhr" arbeite. Derzeit hat die S-Bahn München 1200 Mitarbeiter. Dieser Stamm werde "in den nächsten Jahren sukzessive erhöht", wie eine Sprecherin erklärt. Der Einzug ins neue Gebäude sei "voraussichtlich für Ende 2021 geplant".