Oberschleißheim:Die Olympia-Regattastrecke wird saniert - ein bisschen

MÜNCHEN: Besuch der Sportbürgermeisterin Verena Dietl auf der Olympia Regatta-Anlage

Zumindest auf diesem Bild arbeiten Sport-Bürgermeisterin Verena Dietl (rechts) und Willi Bock vom Verein Rudergesellschaft gut zusammen.

(Foto: Leonhard Simon)

Dafür stehen neun Millionen Euro zu Verfügung, doch reicht das? Viele Teile der Anlage sind noch original von 1972. Der Freistaat muss helfen, fordert die Stadt.

Von Philipp Crone

Sie trifft hier auf dem Kiesparkplatz auf einen zähen Kontrahenten. Oft sind Politiker bei Besuchen vor Ort ja eingebettet in eine Traube von beflissen zustimmenden Begleitern. Am Donnerstag auf der Regattastrecke von Oberschleißheim ist das anders. Verena Dietl, Dritte Bürgermeisterin, SPD, zuständig für Sport, trifft auf Willi Bock, Funktionär, Verein Rudergesellschaft München 1972, zuständig für die Bedürfnisse der Wassersportler vor Ort. Ein Pressetermin, bei dem die beiden leicht unterschiedliche Ziele haben: Den Eindruck zu hinterlassen, dass München sich um die verfallende Anlage kümmert (Dietl), dem Gast aus dem Rathaus möglichst weitreichende Zusagen zu entlocken (Bock). Eines wird schon zu Beginn der Begehung klar: Beide beherrschen ihre Disziplinen. Was kann Bock Dietl also noch entlocken?

Bock legt mit ein paar Zahlen vor. Insgesamt zwölf Vereine nutzen die 82 Hektar große Anlage, darunter acht Wassersportvereine. Die Nutzung ist an diesem warmen Donnerstag auch gut zu sehen. Eine Gruppe Kinder rennt um Kajaks herum, die gleich zu Wasser gelassen werden, eine Dame vom Hochschulsport gibt Anweisungen an einen Ruderer, eine Dreiergruppe ergrauter Männer macht im Boot Pause auf dem Wasser, mehrere Zweierteams sind auf dem Weg zum anderen Ende, dem Start der Rennstrecke, 2300 Meter vom Ziel entfernt. "1100 Boote haben wir hier", sagt Bock und zeigt auf die Bootshallen, die für die Olympischen Spiele 1972 gebaut wurden, danach abgerissen werden sollten und bis heute genutzt werden.

Das ist das Grundproblem dieser wunderschönen Anlage: zu viel ist noch original 1972, bis hin zur Tribüne, die wie das gesamte Areal mittlerweile unter Denkmalschutz steht und unter anderem aus Brandschutzgründen überhaupt nicht mehr genutzt werden darf. Und nun stehen 2022 die European Championships an, bei denen hier auch gerudert wird.

Und es geht ums Geld - da ist Dietl am Zug. Die Stadt München ist für das Gelände verantwortlich, um dessen Sanierung schon seit vielen Jahren gestritten wird. Zuletzt hatte es im Herbst 2019 eine Entscheidung gegeben, die selbst Willi Bock zufrieden gemacht hätte. Für 61 Millionen Euro hätte die Anlage im ersten Bauabschnitt modernisiert werden sollen, für 40 Millionen im zweiten. Derzeit ist gerade einmal eine Toilette nutzbar und der gesamte erste Stock über den Bootshallen ist bereits seit fünf Jahren aus Brandschutzgründen gesperrt. 2020 kam Corona, die Sanierung wurde zunächst komplett gestrichen, ehe die Stadt nun aktuell neun Millionen Euro investieren will, um sie bei den Championships gut aussehen zu lassen und sie als Sport- und Ausflugsziel erhalten zu können. Dafür werden nun Stege, Toiletten und der fünf Kilometer lange Rundweg erneuert.

"An die Boote", ruft der Rudercoach den Kindern zu. An die Diskussion heißt es zwischen Bock und Dietl. Für Münchens Sport-Bürgermeisterin ist die Sache relativ klar: Man muss etwas tun, deshalb ist sie ja auch da. Die Stadt sei aber für den Breitensport zuständig, sagt Dietl, der Freistaat für den Leistungssport. Und damit die Anlage nutzbar bleibt, die nicht nur von Bootsportlern frequentiert wird, sondern auch von Ausflüglern, Triathleten oder Inline-Skatern, die auf dem um das Wasser herumführenden Weg fahren und laufen, zahlt die Stadt nun eben neun Millionen Euro.

Bock will mehr, er will Leistungssport, er braucht Büroräume und Unterkünfte für Trainingslager und internationale Wettkämpfe. Dagegen hat auch Dietl nichts, aber "allein kann die Stadt das nicht stemmen". Sie habe demnächst Gespräche mit Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und dem Oberschleißheimer Bürgermeister. "Alle müssen dazu beitragen", sagt Dietl - und meint zahlen.

Bock führt sie herum, lässt keinen Mangel aus. Dietl nickt und sagt: "Wir werden uns nicht wegducken." Am Ende steigen die beiden fürs Foto noch in ein Ruderboot. Das ist natürlich ein schönes Bild, alle in einem Boot. Die Frage ist nur, ob alle in die gleiche Richtung rudern.

Zur SZ-Startseite
Surfen Pauli Teaser

SZ PlusSport auf dem Fluss
:Als München zu surfen begann

Vor 50 Jahren erfand Arthur Pauli das Surfen in München. Heute ist die Eisbachwelle eine eigene Sehenswürdigkeit. Erinnerungen an einen Tag, der das Bild der Stadt verändert hat.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB