Oberschleißheim:Runder Tisch für die Regatta-Anlage

Oberschleißheim: Die Tribüne ist derzeit aus Sicherheitsgründen gesperrt. Der Zielturm ist stark baufällig und wird vor allem für Regatten benötigt.

Die Tribüne ist derzeit aus Sicherheitsgründen gesperrt. Der Zielturm ist stark baufällig und wird vor allem für Regatten benötigt.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Stadt München plant offenbar für den Herbst Verhandlungen über eine mögliche Rettung der zu den Olympischen Spielen 1972 erbauten Sportstätte. Investiert werden müssten 60 Millionen Euro.

Von Bernhard Lohr, Oberschleißheim

Es ist nass und kühl. Feiner Sprühregen erfüllt die Luft. Doch Sportler hält so etwas nicht auf. Ein Jogger rennt mit Hund an der Westseite des Regattasees entlang. Ein Kanu mit Jugendlichen legt an einem Steg an. Und vier gut trainierte Männer packen ihre beiden fünf Meter langen Boote und tragen sie ins Bootshaus. Während die Ü-80-Gruppe der Rudergesellschaft München 1972 ihr Gerät verstaut, verhandeln vor dem Bootshaus Politiker und Behördenvertreter über die Rettung der heruntergekommenen Anlage, die zu den Olympischen Spielen vor bald 50 Jahren erbaut wurde. Und es zeigt sich: Es gibt nach vielen Rückschlägen wieder Hoffnung. Ein runder Tisch ist geplant.

Die Gruppe, die am Donnerstagvormittag unter dem Vordach des Bootshauses steht, ist zu einem Spaziergang zusammengekommen, den die denkmalpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, Sabine Weigand, organisiert hat. Der Oberschleißheimer Grünen-Landtagsabgeordnete Markus Büchler ist dabei und Bürgermeister Markus Böck (CSU); bei nutzen seit Monaten jede Gelegenheit, die Sanierung der Regattaanlage zu fordern. Wie am Donnerstag verlautet, ist von Seiten der Stadt München im Herbst ein runder Tisch geplant. Wer teilnehmen wird, ist noch nicht bekannt.

Büchler sagt, die Idee zu den Olympischen Spielen sei nicht aus Oberschleißheim, München oder Garching gekommen. Der Freistaat und der Bund dürften sich nicht wegducken. Sabine Weigand bringt einen Sonderfonds Regatta-Anlage für den Denkmalschutz ins Gespräch. Sie ruft die Bewerbung der Olympischen Stätten in München von 1972 um eine Aufnahme ins Unesco-Weltkulturerbe in Erinnerung. Der Freistaat habe dafür soeben Weichen gestellt. Es wäre "unverantwortlich", dann so zu tun, als gäbe es nur das Olympiagelände in München. Auch die Regatta-Anlage gehöre zum olympischen Erbe. Klar ist jedenfalls allen: Das Projekt, bei dem bestenfalls 60 Millionen Euro fließen, müsse eine Gemeinschaftsaufgabe sein. Das ist neu. Denn als solche ist der Erhalt der einzigartigen Sportstätte jahrzehntelang nicht verstanden worden.

Willi Bock, Vorsitzender der Rudergesellschaft 1972, sagt, die Regattaanlage liege im "politischen Niemandsland". Keiner habe sich zuständig gefühlt. Sie gehört der Stadt München, seit sich 1992 der Bund mit zehn Millionen Mark freikaufte und sich 2011 auch der Freistaat aus der Verantwortung verabschiedete. Das 83 Hektar große Gelände erstreckt teils auf Oberschleißheimer und auf Münchner Flur. Bock deutet Richtung Wasser: "Ab dem 1000-Meter-Turm ist das Feldmoching."

Die Stadt München war also zuletzt alleine mit den baulichen Problemen befasst. Und da lief laut Bock einiges schief. Als 2018 das Gelände in die Denkmalschutzliste aufgenommen wurde, waren Planungen der Stadt plötzlich obsolet, die einen großen Umbau und auch den Abriss von Gebäuden vorsahen. Es folgten Planungen durch das Büro Behnisch Architekten und ein Beschluss des Stadtrats, die Regattaanlage für 60 Millionen Euro zu sanieren. Seitdem das alles wegen der Corona-Krise gekippt wurde, hat für Leute wie Willi Bock der Kampf neu begonnen und es haben sich Allianzen gebildet. Thomas Hermann, Gebietsreferent des Landesamtes für Denkmalpflege, sagt, auf dem Gelände sei "der Geist von 1972" noch zu spüren. Fraglos sei das ein Denkmal. Hermann wirbt für die Behnisch-Pläne, weil sie nicht nur eine Sanierung mit vertretbarem Aufwand vorsähen, sondern für praktisch alle Gebäude eine Nutzung. In der einst knapp 10 000 Zuschauer fassenden Tribüne, in der sich auf zwei Ebenen große Räume befinden, wäre ein Schullandheim denkbar.

Oberschleißheim: Willi Bock schildert den Abgeordneten Markus Büchler und Sabine Weigand die Lage; sowie den Gemeinderäten Casimir Katz und Christoph Münster, Bürgermeister Markus Böck und dem Münchner Stadtrat Florian Schönemann. (von links)

Willi Bock schildert den Abgeordneten Markus Büchler und Sabine Weigand die Lage; sowie den Gemeinderäten Casimir Katz und Christoph Münster, Bürgermeister Markus Böck und dem Münchner Stadtrat Florian Schönemann. (von links)

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Auf dem Areal ist schon viel passiert. Florian Krey, zuständiger Verwaltungsleiter bei der Olympiapark GmbH, spricht vom breit vertretenen Freizeitsport. Triathleten, Radfahrer, Inline-Skater, Schwimmer und viele mehr seien dort bei schönem Wetter unterwegs. "Am Wochenende findet ein Kinder-Hindernislauf statt." Willi Bock verweist auf die Spitzensportler wie Ruder-Weltmeister Oliver Zeidler und andere mehr, die in Oberschleißheim trainieren. Bürgermeister Böck sagt, an Konzepten und ausgearbeiteten Plänen mangle es nicht. Die Frage sei, wer die Sanierung bezahle. Und da hofft er auf die Gespräche im Herbst: "Das ist ein Problem, das man an solch einem runden Tisch klären könnte."

© SZ vom 16.07.2021/hilb
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