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München:Büros statt 800 Wohnungen für Schwabing

Verwaltungsgebäude München, Parkstadt Schwabing

Bedeutende Büro-City: Die Türme der Highlight-Towers und der Komplex der Microsoft-Deutschlandzentrale in der Parkstadt Schwabing.

(Foto: Corinna Guthknecht)
  • Nach neun Jahren sind die Verhandlungen zwischen dem Planungsreferat und der Firma Argenta gescheitert.
  • Statt 800 Wohnungen will der Investor in der Parkstadt Schwabing nun Büros bauen.
  • Das Planungsreferat zeigte sich am Montag überrascht und enttäuscht über die Entscheidung.

Die Parkstadt Schwabing gilt in der öffentlichen Wahrnehmung kaum als Platz zum Wohnen. Über die Jahre ist auf dem 40 Hektar großen Gebiet eine moderne Büro-City mit 12 000 Arbeitsplätzen entstanden, mit Komplexen von Microsoft, Amazon, Osram. Doch im Areal zwischen dem Mittleren Ring und der Domagkstraße leben 2500 Menschen; seit neun Jahren laufen die Verhandlungen mit der Firma Argenta, Generalentwickler und größter Grundeigentümer des Gebiets, das Quartier weiterzuentwickeln. Nun sind die Verhandlungen gescheitert - statt 800 Wohnungen will die Argenta Büros bauen.

Das Planungsreferat zeigte sich am Montag überrascht und enttäuscht. Als "herben Verlust, der äußerst schmerzlich für uns ist", bezeichnete Stadtbaurätin Elisabeth Merk die Entscheidung in einer Mitteilung. Man bedauere diese Entscheidung sehr. Die Argenta wollte den Kurswechsel nur in einer knappen schriftlichen Erklärung bestätigen: Man gebe die Absicht auf, das bestehende Baurecht im Rahmen eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans zu ändern, heißt es. "Diese Flächen können somit nunmehr ohne zeitliche Verzögerung gemäß dem bestehenden Bebauungsplan bebaut werden. Es sind u. a. Gebäude mit Büroflächen für weitere Hightech-Unternehmen geplant."

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Büros statt Wohnungen, und zwar ohne zeitliche Verzögerung: So lautet nun die neue Strategie der Argenta für die verbliebenen Brachflächen in der Parkstadt Schwabing. Nach Auffassung des Planungsreferats folgt das Unternehmen dem Kalkül, mit Büros mehr Rendite zu machen. In einem Schreiben an das Planungsreferat, datiert vom 23. Juli 2019, das der SZ vorliegt, behauptet Argenta-Chef Helmut Röschinger allerdings das Gegenteil. Er spricht in dem vierseitigen Brief, vom "Verzicht auf eine erhebliche Bodenwertsteigerung unserer Grundstücke", da der Bodenrichtwert für Wohnbauflächen höher als für Kerngebietsflächen liege.

Röschinger gibt die langwierigen und nach seinen Worten immer noch nicht abgeschlossen Verhandlungen mit der städtischen Behörde als Hauptgrund an, das Verfahren zu stoppen. "Nach neun Jahren intensiver Tätigkeit, die angestrebte Konversion umzusetzen, und einem siebenstelligen Kostenaufwand hierfür haben wir uns angesichts des bisherigen Ablaufs und der sich hieraus ergebenden unsicheren Perspektive, den Verfahrensabschluss in zeitlich vertretbarem Rahmen zu erreichen, entschlossen, die Konversion gemäß VEP nicht weiter zu verfolgen." Die Rede ist von einem sogenannten Vorhaben- und Erschließungsplan (VEP) für ein Bebauungsplanverfahren.

Die Parkstadt Schwabing war einst ein reines Industriegebiet; seit Ende der Achtzigerjahre treibt die Argenta die Entwicklung zu einer Art Hightech-Kleinstadt voran. Nach der Jahrtausendwende gab es eine Gewerbeflaute, woraufhin die Argenta auf Wohnbebauung umschwenkte. Es entstand ein Hybrid aus Gewerbe- und Wohngebiet mit massiven Verkehrsproblemen. Denn die Firmenmitarbeiter sind mit ihren Autos drastisch in der Überzahl.