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Oberpfaffenhofen:Dem Flugtaxi ein Stück näher

Elektro-Flugtaxi Lilium testet 300 km/h

Mehr als hundert Mal ist der Prototyp eines Flugtaxis bereits vom Sonderflughafen Oberpfaffenhofen aus gestartet und hat dabei unter anderem auch ein Feld im Südwesten Münchens überquert.

(Foto: dpa)

Von 2025 an will die Firma Lilium Hunderte Jets pro Jahr produzieren. Einen bemannten Flug hat es allerdings bisher noch nicht gegeben.

In sieben Minuten von München zum Flughafen, in weniger als einer halben Stunde zu den Salzburger Festspielen und in einer Stunde nach Frankfurt auf die Messe - was derzeit noch völlig illusorisch klingt, könnte 2025 Realität sein. Der Elektro-Flugtaxi-Hersteller Lilium hat die erste Testphase seines Elektrojets erfolgreich abgeschlossen und will nun weiter expandieren. Ein erstes Werk zur Produktion des Flugtaxis ist bereits gebaut, ein zweites soll auf dem Firmengelände am Sonderflughafen Oberpfaffenhofen bei Weßling folgen. Bis zum Start des regulären Flugbetriebs in sechs Jahren sollen dort insgesamt bis zu 500 neue Stellen geschaffen werden.

Es ist erst wenige Monate her, genau am 4. Mai kurz nach acht Uhr morgens, als ein Prototyp des Lilium-Jets zum ersten Mal in Oberpfaffenhofen abhebt. 40 Sekunden dauert dieser Jungfernflug nur, das futuristische und an einen Science-Fiction-Film erinnernde Fluggerät steigt an diesem Tag auch nur wenige Meter senkrecht nach oben. Beobachter von außerhalb sind nicht bei dem Ereignis zugelassen, ein aufwendig inszenierter Imagefilm auf der Homepage gibt der Weltöffentlichkeit Zeugnis von diesem ersten Flugversuch. So hat es das Unternehmen auch diesmal gehalten: Mehr als hundert Flüge habe es mit seinem Jet seit Mai absolviert. Mehr als hundert Stundenkilometer schnell sei er geflogen und habe seither zunehmend komplexere Manöver wie den Übergang vom Senkrechtstart in den horizontalen Flug und diverse Kurven absolviert. Belegt wird dies wieder durch einen Film, der auf der Homepage des Unternehmens abzurufen ist.

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Immerhin ist von einem Lilium-Sprecher auch zu erfahren, dass sich der Jet mittlerweile bis zu zehn Minuten in der Luft aufgehalten hat. Bei seinen Testflügen ist er ausgestattet mit aufwendiger und auch schwerer Messtechnik: "Das entspricht locker dem Gewicht von fünf Menschen, für die der Jet ausgerichtet ist", sagt der Sprecher. Denn auf bemannte Flüge hat das Unternehmen bisher verzichtet, aus Sicherheitsgründen und auch, weil sich der Jet perfekt vom Boden aus steuern lasse. Menschen sollen damit erst in einigen Jahren fliegen, "wenn es für das Zertifizierungsverfahren im Hinblick auf 2025 nötig wird", sagt der Sprecher.

Bis dahin will das Start-up, das erst 2015 von Daniel Wiegand, Sebastian Born, Patrick Nathen und Matthias Meiner gegründet worden war und seither mehr als 100 Millionen Dollar von internationalen Investoren eingesammelt hat, weiter wachsen. Eine erste Werkhalle mit einer Grundfläche von 3000 Quadratmetern zur Produktion der Jets steht bereits, eine zweite, weitaus größere für die Herstellung von mehreren hundert Flugzeugen im Jahr soll folgen. Aus den derzeit etwa 300 Mitarbeitern sollen bis 2025 um die 800 werden. Sein Führungsteam hat Lilium bereits erweitert - um Yves Yemsi, der zuvor bei Airbus für die Qualitätssicherung des Airbus 350 verantwortlich war.

Nun will Lilium eine zweite Testphase für sein Flugtaxi starten, das von 36 vollelektrischen Jetmotoren angetrieben wird: Dabei soll dessen Flugverhalten bei höheren Geschwindigkeiten, also bis zu 300 Stundenkilometer, erprobt werden. Lilium gibt sich zuversichtlich, dass ihr Flugzeug damit auch 2025 noch das schnellste vollelektrische, senkrecht startende und landende der Welt sein wird. Und auch längere Strecken zurücklegen kann als die Entwicklungen anderer Wettbewerber - wie zum Beispiel Volocopter, den Daimler und Intel finanzieren.

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