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Flugtaxis:"Man verlagert den Stau vom Boden in die Luft"

Flugtaxi - Prototyp des CityAirbus

Fliegen Flugtaxis bald schon überall? Airbus mischt jetzt jedenfalls mit im Rennen um den Personenverkehr der Zukunft.

(Foto: Airbus)

Eine "Weltpremiere" soll es sein, wenn an diesem Montag in Ingolstadt das Lufttaxi City-Airbus vorgestellt wird. Mobilitätsforscher Andreas Knie sieht darin eher eine Marketing-Aktion als die Lösung für Verkehrsprobleme.

Noch Anfang 2018 erntete Dorothee Bär (CSU) Häme für ein Interview im heute-journal, in dem sie davon sprach, dass Menschen schon bald mit Flugtaxis unterwegs sein werden. Diesen Montag stellt sie zusammen mit Verkehrsminister Andreas Scheuer in Ingolstadt den City-Airbus des Flugzeugherstellers Airbus vor. Und der ist: ein Flugtaxi. Oder soll es zumindest in ein paar Jahren werden. Für Mobilitätsforscher Andreas Knie sind Flugtaxis dagegen eher ein Nischenprodukt als das Verkehrsmittel von morgen.

SZ: Können Flugtaxis dazu beitragen, unsere Mobilitätsprobleme zu lösen?

Andreas Knie: Sicher nicht. Die Bepackungsdichte im Luftraum ist weit geringer als die am Boden. Und so ein Flugtaxi braucht wahnsinnig viel Energie, auch wenn sie elektrisch ist. So viele Flugtaxis können Sie gar nicht in die Luft bringen, dass es eine spürbare Entlastung für den Verkehr am Boden geben würde. Am Ende verlagert man den Stau vom Boden in die Luft, oder man schafft sogar noch ein zusätzliches Angebot, das zu noch mehr Verkehr führt.

Interview am Morgen

Diese Interview-Reihe widmet sich aktuellen Themen und erscheint von Montag bis Freitag spätestens um 7.30 Uhr auf SZ.de. Alle Interviews hier.

Also sind Flugtaxis totaler Quatsch?

Für bestimmte Bereiche wie zum Beispiel den Rettungsdienst oder Zustellungen ist das eine gute Alternative. Aber anders als es immer wieder verkauft wird, sind Flugtaxis sicher kein Massentransportmittel.

Was würde stattdessen helfen, unsere Verkehrsprobleme in den Griff zu bekommen?

Erst einmal müssen wir die Zahl der Autos auf ein Drittel reduzieren und auf Elektroantrieb umstellen. Dann müssen wir dafür sorgen, dass die Autos, die herumfahren, besser ausgelastet sind - zum Beispiel durch Ridesharing, das gemeinsame Nutzen von Fahrzeugen also. Und nicht zuletzt muss der öffentliche Nahverkehr auf ein völlig neues Level gebracht werden.

Für die Vorstellung des City-Airbus kommen mit Verkehrsminister Andreas Scheuer und Dorothee Bär, der Staatsministerin für Digitalisierung, gleich zwei Vertreter der Bundesregierung nach Ingolstadt. Das hört sich nach einem großen Wurf für die Mobilität von morgen an.

Das ist in erster Linie PR für das Land Bayern. Die meisten Drohnenentwickler sitzen in Bayern, und natürlich zeigt der Verkehrsminister durch so eine Show, wie viel Kompetenz es dort gibt. Und es ist hervorragend, um davon abzulenken, dass die Politik bei Themen wie Dieselfahrverbote oder Tempolimit nicht weiterkommt. Am Ende ist es einfach nur heimische Wirtschaftsförderung.

Aber ist das nicht auch ein Zeichen, dass wir in Deutschland endlich mal wieder bei einer Neuentwicklung vorne mit dabei sind? Etwas, was zum Beispiel bei Elektroautos verschlafen wurde?

Wir sind sicher bei der Drohnen-Entwicklung gut im Rennen, aber auch in den USA oder China gibt es viele Firmen, die daran arbeiten. Das ist soweit alles gut und das Thema sollte man sicher auch weiterverfolgen. Aber was in Ingolstadt passiert, ist vor allem Marketing. Und das sollte man auch so deklarieren. Da kann sich der Verkehrsminister endlich mal abseits des Dieselskandals präsentieren.

Also werden wir das erste Flugtaxi noch nicht so schnell am Himmel sehen?

Es wird sicher noch drei bis vier Jahre dauern, bis diese bemannten Drohnen zum Alltag gehören werden. Und dann eben auch nur für ganz spezielle Einsatzzwecke und nicht für Jedermann. Was in Ingolstadt vorgestellt wird, ist ja auch erstmal nur ein Prototyp.

Wollen Menschen überhaupt mit einem Flugtaxi von A nach B fliegen?

Es wird Leute geben, die das nutzen wollen. Aber weil es deutlich teurer sein wird als andere Verkehrsmittel, wird das vor allem etwas für die Reichen und Schönen sein, die heute mit dem Privatjet irgendwo hinfliegen. Die nehmen dann eben ein Flugtaxi.

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