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Nymphenburger Park:Die Mördermuschel

Eine verhängnisvolle Begegnung: Der Frosch geriet aus Versehen an eine Öffnung, die Muschel schloss ihn reflexartig ein.

(Foto: Kathrin Glaw/oh)

Ein Forscher findet ein seltenes Exemplar im Schlosspark, das sich an einem Frosch verschluckt hat - obwohl es eigentlich pflanzenfressend ist.

Gruseliger Fund beim Sonntagsspaziergang: Als Frank Glaw, Spezialist für Amphibien und Reptilien an der Zoologischen Staatssammlung München (ZSM), dieser Tage mit seiner Frau durch den Schlosspark schlenderte, entdeckte er unter der Uferböschung eines der künstlich angelegten Bäche die Hinterbeine eines toten Frosches. Erst bei genauerem Hinschauen erkannte der Biologe, dass Kopf und Vorderkörper des halbwüchsigen Grasfrosches in einer fest verschlossenen Teichmuschel steckten.

"Wahrscheinlich ein tragischer Unfall, sowohl für den Frosch wie für die Muschel", sagt Glaw. "Vermutlich war der Frosch aus Versehen in die Höhlung der Teichmuschel geschwommen. Die Muschel fühlte sich durch den Eindringling bedroht, begann sich zu schließen und klemmte den unglücklichen Lurch fest zwischen ihren Schalenhälften ein."

Die Teichmuscheln der Gattung Anodonta seien keineswegs Fleischfresser, betont Glaw. Sie ernähren sich von Plankton, das sie durch ihre Kiemen aus dem Wasser filtern. Aber sie verfügen wie alle Muscheln über sehr kräftige Schließmuskeln. So kam es, dass der Frosch von den Schalenrändern fast entzweigeschnitten wurde. Der unfreiwillige Fang wurde aber auch der Muschel selbst zum Verhängnis. Sie war schon tot, als Frank Glaw den seltenen Fund aus dem Wasser barg. "Warum sie den Frosch nicht wieder freigab, ist unklar", sagt der Zoologe.

Ihn erinnert das Muschel-Frosch-Drama im Nymphenburger Park aber an die Mythen über die Riesenmuschel, die in den tropischen Korallenriffen lebt. Auch diese bis zu 140 cm große Muschel ernährt sich von Plankton, soll aber auch schon Arme oder Beine unvorsichtiger Taucher und Perlensucher eingeklemmt haben. "Derartige Geschichten haben der Riesenmuschel den ungerechtfertigten Namen ,Mördermuschel' eingebracht", sagt Glaw. Tatsächlich handele es sich bei den wenigen dokumentierten Vorfällen dieser Art um tragische Unfälle und keineswegs um eine böse Absicht der Muschel. Menschen hingegen verarbeiteten Riesenmuscheln zu Delikatessen, so dass diese mittlerweile vom Aussterben bedroht sind.

© SZ vom 04.04.2020 / hh/lfr

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