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München Nord:Digitalisierte Güterwaggons und automatisierte Bremsproben

Digitaler Rangierbahnhof München-Nord

Pose am Güterzug: DB-Vorstand Sigrid Nikutta, Verkehrsminister Andreas Scheuer und Bundestagsabgeordneter Stephan Pilsinger (beide CSU).

(Foto: Florian Peljak)

Durch die Digitalisierung der Abläufe am Rangierbahnhof können künftig deutlich mehr Züge abgefertigt werden. Bis 2024 sollen die neuen Techniken so ausgereift sein, dass alles funktioniert.

Von Andreas Schubert

Wenn Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) für einen PR-Termin nach München reist, muss der Auftritt natürlich entsprechend medienwirksam erfolgen. Am Montag hat er zusammen mit der Deutschen Bahn (DB) den "Rangierbahnhof der Zukunft" vorgestellt. Dazu passend fuhr er zusammen mit Sigrid Nikutta, DB-Vorständin für Güterverkehr, zur Präsentation am Rangierbahnhof Nord eben mit einem Güterzug vor - beide gewandet in das orangefarbene Outfit eines DB-Arbeiters. Das Projekt, das sie vorstellten, ist für die Bahn zukunftsweisend. Es soll die Kapazität eines Güterbahnhofs künftig um bis zu 40 Prozent effektiver machen, und zwar durch die Digitalisierung der Abläufe, die nun erprobt wird und die künftig eine weitgehend automatisierte Zugabfertigung ermöglichen soll.

Der Standort München ist laut Nikutta "das Tor zu Österreich und Italien - und ein bisschen Tschechien". Hier werden täglich bis zu 1200 Güterwagen abgefertigt. Bislang sind dafür viele einzelne Arbeitsschritte durch die DB-Mitarbeiter erforderlich. Die Bremsen eines jeden einzelnen Wagens müssen von Hand überprüft werden, das Koppeln der Züge erfolgt von Hand. Auch der allgemeine Zustand der Wagen wird per Augenschein überprüft. Bei einem bis zu 750 Meter langem Zug müssen die Arbeiter dabei mehrmals den Zug ablaufen, bis alles erledigt ist. Das kostet Zeit.

Künftig soll eine vollautomatisierte sogenannte Abdrücklokomotive die Wagen auf den Abrollberg schieben, von dem sie dann von selbst nach unten rollen und über automatische Weichen dem richtigen Zug zugeordnet werden. Eine Kamerabrücke mit hoch auflösender Optik überprüft per Künstlicher Intelligenz den Zustand und die Beladung der Wagen. Bei der automatisierten Bremsprobe können die DB-Arbeiter alle Bremsen am Tablet prüfen, was nur noch zehn statt bislang 45 Minuten dauern soll. Wesentlicher Bestandteil des künftigen Systems sind die digitalen Kupplungen, von denen die DB nun verschiedene Systeme testet.

Insgesamt wird jeder einzelne Güterwaggon mit einer Stromversorgung ausgestattet und komplett digitalisiert. Laut Ralf Günter Kloß, Vorstand Produktion der DB Cargo, sollen die neuen Techniken bis 2024 so ausgereift sein, dass alles funktioniert. Bis 2029 dann sollen die digitalen Kupplungen flächendeckend Standard sein. Das wird noch einiges an PR erfordern, schließlich braucht es einen gemeinsamen Standard für die rund 500 000 Güterwagen in Europa. Denn rund 60 Prozent der DB-Waggons überschreiten mindestens eine Grenze.

Bis 2030 will DB Cargo 30 Millionen Lkw ersetzen und so zehn Millionen Tonnen CO₂ einsparen. Das Bundesverkehrsministerium fördert das Vorhaben mit mehr als 14,5 Millionen Euro im Bundesprogramm "Zukunft Schienengüterverkehr". DB Cargo investiert rund zwölf Millionen Euro.

© SZ vom 08.06.2021/syn
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