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Munich Mash:"Die Actionsportler gehören zu einer Gruppe, die es voll getroffen hat"

Munich Mash 2019

Ein Bild aus besseren Tagen: der Munich Mash 2019.

(Foto: Claus Schunk)

Zehntausende Actionsport-Fans wären an diesem Wochenende zum Munich Mash gepilgert. Doch wegen Corona soll das Großevent nun verschoben werden - um genau ein Jahr.

Von Ralf Tögel

Was an diesem Freitag gewesen wäre? Dominik Gührs überlegt kurz, dann sagt er: "Oh Mann, stimmt, Munich Mash! Ist das schade." An diesem Wochenende hätten sich die besten Actionsportler der Szene im Münchner Olympiapark eingefunden, um auf Fahrrädern durch die Lüfte zu segeln, sich mit Skateboards in einen Looping zu stürzen oder mit dem Wakeboard über riesige Schanzen zu springen. Gührs ist Wakeboard-Profi und Münchner: "Ich hätte so gerne wieder ein solches Event zu Hause gehabt, je mehr ich darüber nachdenke, umso trauriger werde ich." Doch die Pandemie hat auch den Extremsport nahezu lahmgelegt, "alle Events sind abgesagt", erzählt Gührs, "weltweit".

Der 30-Jährige ist dank seiner Klasse immerhin gut versorgt, er war Weltmeister und World-Cup-Sieger: "Die Unterstützung durch meine Sponsoren läuft zum Glück weiter, für mich ist es nicht so tragisch." Momentan konzentriere er sich auf kleinere Film- und Fotoprojekte, er war "letzte Woche für ein Shooting in Litauen". Kein Vergleich zum "einmaligen Set-up des Mash", sagt Gührs, erzählt vom mobilen Wasserskilift am unteren Olympiasee, der Kombination von Hindernissen und Schanzen. "Das gibt es nur beim Mash. Hier hat man immer eine coole Zeit mit den Athleten, die vielen Zuschauer, die tolle Stimmung, das war immer mega."

Auch Frank Seipp wird etwas wehmütig, wenn er an den Freitag denkt, an die spektakulären Bilder, die um die Welt gehen: vom doppelten Rückwärtssalto des Australiers Andy Buckworth auf seinem BMX-Rad auf der "Lake Line", die auf Pontons in den See modelliert war. Oder der Looping der Skateboarder, die in halsbrecherischem Tempo vom Rand des Olympiastadions über eine Schanze ins Ziel auf dem See flogen. Oder eben die Wakeboarder, wenn sie mit 40 Sachen auf die Schanze zurasten. Seipp ist mit Markus Schnetzer für die Mash-Organisation zuständig, und am meisten schwärmt er von "der Atmosphäre", die das Actionspektakel Jahr für Jahr in den Olympiapark gezaubert habe. "Dieses Sommerfeeling, das gerade in den Abendstunden im Park entstand, das findet man in Deutschland nicht oft. Und gerade in Kombination mit Actionsport fand ich das außergewöhnlich."

Alles vorbei - zumindest für ein Jahr. Die Olympiapark Gesellschaft München GmbH (OMG) musste "mehr als 100 Veranstaltungen absagen", sagt Pressechef Tobis Kohler. Die Events, die die OMG in Eigenregie durchführt - wie eben Mash, Sommernachtstraum oder Sommerfestival -, sind mit besonders viel Herzblut verbunden: "Das tut schon weh", sagt Kohler. Das gesamte Team habe sich Gedanken gemacht, organisiert, Gespräche geführt, vorbereitet, geplant - alles vergeblich. "Da fehlt dann das Erfolgserlebnis", erklärt Seipp, "das die Organisatoren spätestens dann bekommen, wenn 80 000 Menschen in den Park strömen". So viele kamen im vergangenen Jahr, trotz teils brütender Hitze. "Das ist wie bei einem Sportler, der trainiert und trainiert - und dann wird alles einfach abgesagt."

Die Pläne für dieses Jahr sollen nun 2021 zur Anwendung kommen

Dabei lief das Mash-Training besonders gut: Angesichts des dicht gedrängten Programms waren die Planungen abgeschlossen, es "wäre von April an in die Umsetzung gegangen", erklärt Kohler. Das Sportprogramm stand komplett, die Kursplanungen waren fertig, erklärt Seipp, das Feld der Aktiven "schon grob umrissen".

Und es war jetzt schon erlesen, obwohl es zu Überschneidungen mit den Sommerspielen in Tokio gekommen wäre, denn BMX und Skateboard hätten dort olympische Premiere gefeiert. Doch dann legte das Virus den Sport auf dem gesamten Erdball lahm. Immerhin gab es viel Verständnis von Seiten der Aktiven: "Es gab ja ein internationales Veranstaltungsverbot, da musst du nicht viel erklären", sagt Seipp, "die Actionsportler gehören zu einer Gruppe, die es voll getroffen hat."

Wenigstens könne man das Gros der Planungen und Vorarbeiten im nächsten Jahr "aus der Schublade holen", sagt Kohler, "die Arbeitszeit war also nicht ganz umsonst." Der Plan ist, Mash um genau ein Jahr zu schieben, 2021 sollen die Sportler Ende Juli wieder durch den Park fliegen. Doch Prognosen sind derzeit kaum belastbar, wie Kohler weiß: "Wir haben Veranstalter im Park, die schon dreimal verschoben haben." Einige Investitionen könnten nicht mehr rückgängig gemacht werden, dabei handle es sich vorwiegend um Stornokosten für Hotels oder vergebene Aufträge wie etwa für Werbemaßnahmen. Etwa zehn Prozent des Budgets, das auf etwa 1,1 Millionen Euro taxiert wird, seien verloren. Der Schaden halte sich also finanziell in Grenzen, sagt Kohler.

Wie es nun weitergeht? Kohler erinnert an die umfangreiche Organisation der European Championships auf dem Olympiagelände und in Teilen der Stadt, die nach jetzigem Stand planmäßig in zwei Jahren stattfinden werden. Auch die Rückabwicklungen der abgesagten Großevents ließen keine große Langeweile im Organisationsstab aufkommen. Immerhin ist geklärt, "dass Mash bis 2024 safe ist", sagt der OMG-Pressechef noch, so lange läuft der Vertrag mit der Stadt. Was mit der aktuell verschobenen Veranstaltung geschieht, steht dagegen noch nicht fest - sie könnte nachgeholt oder auch ersatzlos gestrichen werden.

Auch Frank Seipp will keine Prognosen wagen, denkbar sei auch ein Actionsportspektakel mit Corona-Einschränkungen im kommenden Jahr: "Dann müsste man ein Hygienekonzept erstellen, aber das ist alles schwer abzuschätzen." Doch was wäre das für ein Mash, dessen Mantra es ist, die weltbesten BMX-Fahrer, Wakeboarder oder Skateboarder hautnah erleben zu können. Dessen Motto es ist, gemeinsam Spaß zu haben, bei Mitmachaktionen, dem Lauschen der vielen Bands auf der Mash-Bühne oder dem Erleben szenetypischer Kunst im Cultural Village. Wo sonst steht ein Weltmeister mitten in der Menge, plaudert oder macht Selfies mit den Fans? Mash lebt von der Nähe aller Beteiligten. "Mein Gefühl sagt, dass es sich in jede Richtung entwickeln kann", sagt Frank Seipp.

Er selbst wird an diesem Freitag auf dem knapp 4000 Meter hohen Gipfel des Ortlers in Südtirol stehen - nicht der schlechteste Ort, um auf andere Gedanken zu kommen.

© SZ vom 31.07.2020/lfr
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