Benefiz-Lesung:Worte finden für das Unfassbare

Benefiz-Lesung: Slata Roschal hat zusammen mit Alexander Estis Lesungen in mehreren Städten initiiert.

Slata Roschal hat zusammen mit Alexander Estis Lesungen in mehreren Städten initiiert.

(Foto: Florian Peljak)

Die Schriftsteller Slata Roschal und Alexander Estis haben eine große Solidaritätslesung für die Menschen in Israel und gegen Antisemitismus im Münchner Volkstheater organisiert.

Von Antje Weber

Wie reagieren auf das Unfassbare? "Der Schrecken des terroristischen Überfalls der Hamas auf Israel lässt sich kaum in Worte fassen", umreißt es die Ankündigung des Benefiz-Abends "Das gelobte Land". Etliche Schriftstellerinnen und Schriftsteller werden es am 20. Dezember im Volkstheater dennoch versuchen - und damit nicht nur dem Schweigen entgegenwirken, das dem deutschen Literaturbetrieb nach dem 7. Oktober vorgeworfen wurde, sondern auch dem grassierenden Antisemitismus ihre Solidarität entgegensetzen.

Die Münchner Autorin Slata Roschal hat den Abend initiiert und kuratiert, zusammen mit ihrem in der Schweiz lebenden Kollegen Alexander Estis. Sie haben gleich mehrere Benefiz-Lesungen in Deutschland organisiert, auch in Hannover, Hamburg und Frankfurt. Der Abend in München sei ihr besonders wichtig, hat Roschal für das Literaturarchiv Monacensia formuliert, "weil ich hier lebe, diese Stadt mir literarisch so viel bedeutet, und ich mir bei einem Blick auf die Straßenschilder, Stolpersteine und bayerische Wahlergebnisse denke - wo, wenn nicht hier".

Wo, wenn nicht hier, und wo, wenn nicht zum Beispiel im Volkstheater? Es sind etliche Münchner und Nicht-Münchner Autorinnen und Autoren der jüngeren Generation, die hier wie Roschal "die Solidarität gegenüber israelischen Einwohnern und jüdischen Mitbürgern" ausdrücken und zeigen wollen, "wie wichtig, selbstverständlich und vielseitig jüdische Stimmen und Themen in der jungen deutschen Literatur sind".

Im Volkstheater treten neben Roschal auch die Autoren Dana von Suffrin und Fridolin Schley aus München auf, außerdem Iryna Fingerova, Boris Schumatsky, Lena Streisand und der Geiger und Komponist Alexander Polinskiy. Und natürlich Mit-Initiator Alexander Estis, der kürzlich in einem SZ-Gastbeitrag über Antisemitismus schrieb: "Da man nicht vorgedacht hat, hilft jetzt nur noch nachdenken. Wenn man nachdenkt, kann man auch jetzt noch einiges verstehen." Auch dafür ist dieser Abend gedacht.

"Das gelobte Land. Stimmen deutsch-jüdischer Literatur zum 7. Oktober 2023", Mittwoch, 20. Dez., 19 Uhr, Volkstheater, Tumblinger Str. 29. Eintritt frei, Anmeldung erbeten unter kasse@muenchner-volkstheater.de. Spenden gehen an die Opferhilfe der Israelitischen Kultusgemeinde München.

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