Lesung:Fiktionale Fakten

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Lesung: Für seinen neuen Roman hat Takis Würger in Amerika recherchiert.

Für seinen neuen Roman hat Takis Würger in Amerika recherchiert.

(Foto: Peter Rigaud)

Takis Würger stellt seinen neuen Roman "Unschuld" vor.

Von Josef Grübl

Für seinen auf realen Begebenheiten basierenden Roman "Stella" musste er 2019 viel Prügel einstecken. Der Journalist Takis Würger erzählte darin die wahre Geschichte einer jungen Frau, nahm sich dabei aber sehr viel literarische Freiheiten heraus: Es ging um die Jüdin Stella Goldschlag, die im Berlin des Zweiten Weltkriegs untergetauchte Juden verriet und sie damit ihren Verfolgern auslieferte. Bei seinem neuen Roman "Unschuld" (erschienen im Penguin Verlag) ging Würger anders vor: Die Geschichte über einen zum Tode verurteilten Amerikaner ist fiktional, beschreibt aber die US-Gesellschaft von heute. Es ist der Blick eines Journalisten, der von Medikamentenmissbrauch berichtet, von Wohlstandsverwahrlosung und Waffenkult. Er schaut auf das Leben von Superreichen, die in schlossähnlichen Anwesen residieren und auf das der verarmten Mittelschicht, die es in Trailerparks verschlagen hat.

Takis Würger lebte aus Recherchegründen eine Zeit lang im US-Ostküstenort Rosendale - einer ehemaligen Bergarbeiterstadt, aus der der Naturzement für den Sockel der Freiheitsstatue stammt. Dort spielt auch seine Geschichte, im Mittelpunkt steht wieder eine junge Frau: Molly Carver ist die Tochter des Mannes aus der Todeszelle, sie ist von dessen Unschuld überzeugt und unternimmt alles, um die Vollstreckung des Urteils abzuwenden. Dabei steht sie sich immer wieder selbst im Weg, aufgrund ihres Charakters, ihrer Herkunft, ihres Wesens. Trotzdem schafft sie es, sich inkognito als Hausmädchen bei jener Familie einzuschleichen, deren Sohn ihr Vater angeblich ermordet hat.

"Unschuld" ist kein Krimi, beruft sich im Nachwort aber auf Kriminalitätsstatistiken, der Autor arbeitet mit starken Gegensätzen und treibt seine Geschichte mit vielen Wendungen stetig voran. So werden heute Filme und Serien erzählt, der Roman bietet sich durchaus zur Verfilmung an. Derzeit ist Takis Würger auf Lesetour, am Dienstag, 29. November, macht er in München halt.

Unschuld, Lesung Takis Würger, Di., 29. Nov., 19.30 Uhr, Buchhandlung "Buch und Töne", Weißenburger Str. 14, München

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