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Kultur in München:Die Isar braucht ein eigenes Museum

So könnte nach den Vorstellungen von Clemens Bachmann das Isarmuseum aussehen.

(Foto: Clemens Bachmann Architekten/Bearbeitung: CBA)
  • Der Münchner Architekt Clemens Bachmann verfolgt seit elf Jahren auf eigene Kosten sein Lieblingsprojekt: Planspiele für ein Isarmuseum.
  • Das Gebäude könnte am Kabelsteg gebaut werden und soll dabei keinen Erholungsraum zerstören.

Braucht München ein Isarmuseum? Der Münchner Architekt Clemens Bachmann ist überzeugt davon. Der Fluss sei elementarer Bestandteil der Stadt, sagt er. "Die Isar ist ein urmünchnerisches Thema." Sie habe München von jeher stark beeinflusst, es zu dem gemacht, was es ist, der Stadt Leben und wirtschaftlichen Einfluss gebracht. Holz und Kalk wurden auf der Isar transportiert, später Südfrüchte, Gewürze, Baumwolle und Seide. Auf dem Höhepunkt der Flößerei im 19. Jahrhundert sollen in München 8000 Flöße pro Jahr angelandet sein. Heute sei der Fluss Lebensader, Rückzugs- und Erholungsgebiet, Kreativitätsraum.

Seit elf Jahren arbeitet Bachmann immer mal wieder an einem Entwurf für ein kleines Isarmuseum, meist nachts und in seiner Freizeit, anfangs mit einem Kollegen, jetzt alleine. Einen Auftrag gibt es - zumindest bislang - nicht. Es treibe ihn um, sagt Bachmann. Er hat sein Lieblingsprojekt noch nicht mal den städtischen Gremien vorgestellt, sieht sich als "Impulsgeber" aus der Bürgerschaft heraus.

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Bachmann ist die Idee des Isarmuseums beim Anblick des Stadtwerkegebäudes am Wehr auf der Südseite der Praterinsel in den Kopf gekommen, wo er jahrelang auf dem Weg zu seinem Büro vorbeiradelte. Kabelsteg heißt die kleine Brücke, an der das Bauwerk steht, nur für Fußgänger gedacht, zwischen Maximilians- und Ludwigsbrücke. Der Bau berge Technik für die Wasserstandsregulierung, vermutet Bachmann. Und er stehe an einer Stelle, wo die Isar bei Hochwasser wie "Klein Niagara" wirke, wo die Gischt hochkomme, ein Ort, wo man "mitten im Geschehen" sei. Und dann kommt der Architekt in ihm durch: Aus baulicher Sicht schreie der längliche, rechteckige Gebäudeblock förmlich danach, dass er nach oben hin einen Abschluss bekommt, urteilt Bachmann.

Zudem liege der Wehrbau fast mittig im Stadtraum, ergänzt er, München wiederum nicht ganz, jedoch relativ mittig am Flusslauf. Und dann liege das Gebäude auf einer Linie zwischen zwei bestehenden Museen an der Isar. "Der Platz ist nahezu ideal, da sich das neue Gebäude in eine Art Museumsachse zwischen dem Deutschen Museum und dem Alpinen Museum einfügen würde." Und auch inhaltlich könnten sich die drei Museen verzahnen: Das Deutsche Museum bestimme die großen Themen Energie, Wasserkraft bis hin zu Schiffsbau, Verkehr und Wasserwegebau, das Alpine Museum stelle Flora, Fauna und Volkskunde des Alpengebietes dar, da könne ein Isarmuseum spezielle Themen für die Isar aufgreifen.

Clemens Bachmanns Büro liegt ebenfalls an der Isar, gute vier Kilometer flussaufwärts am Flaucher. Er ist einer der Kreativen auf dem Gelände der Münchner Stadtwerke an der Hans-Preißinger-Straße, HP8 genannt, wo der Gasteig demnächst für fünf Jahre unterkommen soll - so lange, bis der geplante Umbau des Kulturzentrums an der Rosenheimer Straße fertig ist. Dass ein Großteil der derzeitigen Mieter trotzdem bleiben kann, verdanken die Künstler und Kreativen zunächst ihm. Denn Bachmann, damals ebenfalls von der Kündigung bedroht, versuchte noch kurz bevor Fakten geschaffen wurden, eine Lösung zu finden - auch das war wieder eine Nachtaktion aus eigenem Antrieb, in der Skizzen und Modelle angefertigt wurden. Die Lösung sollte dem Gasteig wie den Altmietern gemeinsam Platz bieten auf dem HP8-Gelände.

Isarmuseum

"Der Ausstellungsgegenstand fließt einem vor der Nase vorbei." So stellt es sich der Architekt vor.

(Foto: Clemens Bachmann Architekten/Bearbeitung: CBA)

Sein Grobentwurf und die Idee, allen eine Heimat zu geben, gefiel auch Gasteig-Chef Max Wagner, der dort zwar dringend Platz für die Institutionen Philharmonie, Stadtbibliothek, Volkshochschule und Musikhochschule mit Tausenden Besuchern und Mitarbeitern benötigte, dem allerdings auch nichts daran lag, Altmieter zu vertreiben. Den Wettbewerb für den Interims-Gasteig konnte Bachmann dann zwar nicht für sich entscheiden, doch er gewann die Ausschreibung für die Kinder- und Jugendbibliothek, die - schließlich musste der Gasteig ja nun auf Platz auf dem HP8-Gelände verzichten - während der Bauarbeiten im Motorama am Rosenheimer Platz untergebracht werden soll.

Zwei Modelle eines Isar-Museums hat Clemens Bachmann bislang skizziert. Ursprünglich ging er von einem eingeschossigen Aufbau aus, die Form erinnert an eine Streichholzschachtel. Derzeit arbeitet er an einem Gebäude mit mehr Volumen, zweigeschossig, ähnlich einer aufgesetzten Krone. Die bestehende Infrastruktur will Bachmann ausnutzen: Strom und Haustechnik sollen aus dem Sockel kommen, aus dem Stadtwerkebau. Ein Treppenhaus soll "wie ein Finger" nach unten geführt werden, wohl der einzige direkte "Berührungspunkt" mit dem Boden. Für das Gebäude werde kein Naturraum versiegelt, kein Erholungsraum zerstört, sagt Bachmann. Das heißt auch: kein Kommerz. Ein Café soll es deshalb nicht geben.

Der Architekt stellt sich vor, dass die Materialien der Isar sich in und am Bau wiederfinden, zum Beispiel Isarkiesel. Die Ausstellung sollte "in den Außenraum getragen" werden, so solle an der Wand der aktuelle Wasserstand abzulesen sein. Im Innern "canyonartige Wände" und viel Lichteinfall, große Fenster, die eine weite Aussicht ermöglichen. Auf einen Blick sehe man die natürliche Isar, den Isarkanal, die Kiesbänke. Wie ein Schaufenster. "Der Ausstellungsgegenstand fließt einem vor der Nase vorbei."

Natürlich soll der Fluss genauso im Innern eine Plattform bekommen: die Isar im Wandel der Zeit, als Rückzugs- und Erholungsgebiet, Flora und Fauna, die Flößer, die Künstler am Ufer. Für ein echtes Museum sei der Raum zu klein, findet Bachmann, auch habe der Begriff Museum "so was Historisches, Abgeschlossenes". "Ich sehe die Einrichtung mehr als einen Raum, der sich immer wieder in seiner inhaltlichen Bespielung ändert." Vielleicht sei deshalb der Begriff "Isarraum" besser als das Wort "Isarmuseum". An Exponaten und Isarthemen mangele es jedenfalls nicht, das sehe man schon an den interessanten Büchern und Filmen über das Leben am "letzten wilden Fluss". Bachmann: "Es braucht nur noch einen Ort, wo ihre Geschichten erzählt werden."

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