Bauen in München:Höher als 100 Meter?

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2004 gab es einen Bürgerentscheid über über die Frage, ob Hochhäuser über 100 Meter gebaut werden. Die Bürger entschieden sich dagegen. Das war zwar nur ein Jahr lang rechtlich bindend, hat aber politisch bisher alle höher gehenden Träume verhindert.

(Foto: imago/Oliver Bodmer)

Der neue Stadtrat wird sich mit Türmen jenseits der 100-Meter-Marke beschäftigen müssen. An der Friedheimer Brücke sind zwei 155 Meter hohe Häuser in Planung. Neuer Widerstand zeichnet sich ab.

Von Sebastian Krass

Für die einen stehen Silhouetten wie von Frankfurt oder gar London für großstädtischen Anspruch, von dem München sich zumindest ein bisschen inspirieren lassen könnte. Für die anderen sind es Schreckensvisionen, vor denen München um alles in der Welt zu bewahren ist. Die Diskussion darüber, wie München es mit Hochhäusern halten soll oder wie hoch sie ragen dürfen, weckt in der Stadt traditionell Emotionen. Und sie wird den nächsten Stadtrat deutlich mehr beschäftigen, als es zuletzt der Fall war. Das politische Klima ändert sich, es zeichnen sich Mehrheiten für neue Gebäude deutlich jenseits der 100 Meter ab, und Investoren haben Witterung aufgenommen, viele versuchen, hinter den Kulissen für ihre Vorhaben zu werben. Und es zeichnet sich auch neuer Widerstand ab. Zwei konkrete Diskussionsthemen sind schon absehbar: der geplante erste Hochhaus-Rahmenplan für München und die Absicht eines Investors, zwei 155 Meter hohe Türme an der Friedenheimer Brücke zu errichten.

Die Vorarbeit für einen Rahmenplan ist gemacht: Ende 2019 stellte das Büro 03 Architekten seine im Auftrag des Stadtrats erstellte Hochhaus-Studie vor. Im Frühjahr wird das Gremium über die nächsten Schritte befinden. Die Studie habe sich "stadtweit mit möglichen Bereichen für Hochhäuser, sowie Anforderungen an den Planungsprozess und Qualitätskriterien" befasst, erklärt das Planungsreferat. Nun müssen sich Experten damit beschäftigen, wie hoch die Bauten werden sollen, wo sie hinpassen und wie sie genutzt werden. Vor allem der Münchner Osten, vom Vogelweideplatz aus stadtauswärts entlang der A94, kommt dafür in Frage. Oder auch entlang der Bahngleise nach Westen - wo die 155-Meter-Türme geplant sind.

Dort wird sich der neue Stadtrat mit einem Bebauungsplan - also der Schaffung neuen Baurechts - für die denkmalgeschützte Paketposthalle und die umliegenden Flächen befassen. Es geht um ein Areal, das in etwa so groß ist wie 14 Fußballfelder, und auf dem der Münchner Projektentwickler Ralf Büschl ein Zentrum mit Wohnungen, Läden und Kultureinrichtungen in den und um die zwei höchsten Häusern der Stadt schaffen will. Der bisher vorliegende Masterplan des Architekturbüros Herzog de Meuron stieß bei CSU, SPD, Grünen und FDP auf Begeisterung.

Die Grünen wollen die Bürger abstimmmen lassen

Dennoch ist die politische Lage in der Hochhausfrage unübersichtlich. "Wir haben in der Stadtratsfraktion einen einstimmigen Beschluss, dass wir die Pläne unterstützen", sagt etwa CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl. Es gibt auch eine entgegengesetzte Strömung bei den Christsozialen: Robert Brannekämper, Landtagsabgeordneter aus Bogenhausen, macht seit Jahren Stimmung gegen Hochhäuser. Die Grünen wiederum sind zwar für die Pläne an der Paketposthalle, wollen aber, dass der neue Stadtrat mit einem Ratsbegehren die Bürger darüber abstimmen lässt, ob sie Hochhäuser über 100 Meter zulassen. 2004 gab es schon einmal einen Bürgerentscheid, der das ablehnte. Er war zwar nur ein Jahr rechtlich bindend, hat aber politisch bisher alle höher gehenden Träume verhindert. Auch deshalb soll der Rahmenplan eine neue Grundlage schaffen.

Mit der Idee für das Ratsbegehren finden die Grünen Zustimmung von Hochhausgegnern wie der Linken und der ÖDP, die sich bestärkt fühlen dürften von einer in dieser Woche veröffentlichten Umfrage der Abendzeitung, derzufolge 55 Prozent der Münchner gegen Bauten mit mehr als 100 Meter Höhe sind. Die ÖDP hat signalisiert, mit Bürgerinitiativen gemeinsame Sache für eine Neuauflage des Bürgerbegehrens zu machen.

© SZ vom 11.01.2020/tah
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