bedeckt München

Greenpeace-Protest in München:Schweinerei

Tierschützer von Greenpeace protestieren am Samstag in Haidhausen gegen das Billigfleisch der Supermarktketten.

(Foto: Catherina Hess)

Verkleidete Greenpeace-Aktivisten demonstrieren gegen Billigfleisch in Supermärkten

Von Bernd Kastner

"BILLIGER!" Es ist, als wolle das rote Preisschild an der Kühltruhe die Kunden anschreien. Die Packung Bayerischer Leberkäse gibt es um 25 Prozent günstiger. Ein anderes Etikett verkündet eine "Aktion": Auch die "Gourmet-Putenkeule" ist extra günstig, ist im Laden zu lesen. Draußen, vor dem Discounter, stehen stumm und still vier Schweine und protestieren. Keine echten Tiere natürlich, das will Greenpeace ihnen nicht auch noch antun, sondern Aktivisten der Umweltschutzorganisation, doppelt maskiert: Corona-Maske plus Schweinekopf samt Barcode-Clip. "Zeig Billigfleisch die rote Karte", fordert Greenpeace. Am Samstag stehen die Aktivisten vor drei Discountern in Haidhausen, als Teil einer bundesweiten Kampagne.

Eine Recherche von Greenpeace zu den Fleisch-Eigenmarken der großen Supermarktketten Aldi Nord und Süd, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto, Penny und Rewe habe ergeben, dass rund 90 Prozent des angebotenen Fleisches von Schweinen, Rindern und Hühnern stamme, "die unter qualvollen und häufig gesetzeswidrigen Bedingungen gehalten wurden". In Haidhausen weisen die Aktivisten die Passanten auf die Kennzeichnung der Produkte hin: Auf vielen Verpackungen ist die Haltungsform genannt, von eins bis vier. Eins und zwei sind für Greenpeace tierschutzwidrig. Okay seien drei und vier. "Der Handel ist mit seiner Einkaufspolitik maßgeblich dafür verantwortlich, dass Mensch, Tier und Klima massiv durch die industrielle Fleischproduktion geschädigt werden", sagt Ralf Comes von Greenpeace München. Die Ketten sollten Billigfleisch zügig aus dem Sortiment nehmen und Landwirte fair bezahlen. "Nur dann können Tiere artgerecht gehalten werden."

Comes geht auch rein in den Discounter, zum Chef. Der ist freundlich, sagt aber, dass er nicht der richtige Ansprechpartner sei. Er schicke die Infomappe an die Zentrale. Von dort kommt vermutlich auch der Preis fürs Rindersuppenfleisch vom Jungbullen: 500 Gramm für 3,97 Euro. Tierschutz? Haltungsform 1, sagt der Aufkleber auf der Kühltruhe.

© SZ vom 19.10.2020
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema