Münchner Flughafen:Warten, sitzen, singen

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Münchner Flughafen: Lange Schlangen bilden sich zum Ferienauftakt am Münchner Flughafen, doch die Stimmung ist entspannt.

Lange Schlangen bilden sich zum Ferienauftakt am Münchner Flughafen, doch die Stimmung ist entspannt.

(Foto: Marco Einfeldt)

Am ersten bayerischen Ferienwochenende bilden sich lange Schlangen an den Check-in-Schaltern des Münchner Flughafens. Doch die Reisenden bleiben entspannt - auch wegen der guten Organisation.

Von Melanie Strobl

Leise Gitarrenklänge ertönen im Terminal 2 des Münchner Flughafens. Eine junge Frau mit langen braunen Haaren sitzt im Schneidersitz auf dem hellgrauen Fliesenboden und spielt Gitarre. Um sie herum sitzen noch weitere junge Erwachsene und singen mit ihr. Die Reisegruppe gehört zum oberfränkischen Dekanat Naila - mit insgesamt 22 Mitgliedern wartet die Kirchengemeinde heute auf ihren Flug nach Indien, wo sie zwei Wochen ein Kinderheim besuchen werden. "Wir sind erstaunt, dass relativ wenig los ist", sagt Tim Goblirsch. Weil sie von Oberfranken nach München mussten, seien sie schon um vier Uhr früh losgefahren, sagt der 17-Jährige. Seit 7.30 Uhr steht die Kirchengemeinde am Flughafen, ihr Flug nach Indien geht allerdings erst um 12.25 Uhr. "Wir haben erwartet, dass gerade zu Ferienbeginn viel los sein wird", sagt Jakob Menger. Gemeinsam mit Goblirsch steht er neben seinen Kolleginnen und Kollegen, die am Boden sitzen. Um die Zeit bis zum Abflug zu überbrücken, singen sie. Obwohl sie schon länger warten, scheinen alle gut gelaunt zu sein.

Münchner Flughafen: Die Kirchengruppe vom Dekanat Naila vertreibt sich mit Singen die Wartezeit.

Die Kirchengruppe vom Dekanat Naila vertreibt sich mit Singen die Wartezeit.

(Foto: Marco Einfeldt)

Auch sonst ist die Lage am Flughafen München am ersten bayerischen Ferienwochenende entspannt. Das große Flughafen-Chaos, über das in den vergangenen Monaten häufiger berichtet wurde, ist an diesem Samstag nicht zu beobachten. Zwar bilden sich immer wieder längere Schlangen an manchen Check-in-Schaltern, doch das sei normal, wenn es zu einem höheren Verkehrsaufkommen kommt, sagt Pressesprecher Edgar Engert. Nach seinen Angaben sind für Samstag insgesamt 820 Flüge am Münchner Airport geplant, für Sonntag 811. Fragt man die wartenden Passagiere in der Schlange nach ihrer Stimmung, sind auch hier alle gut gelaunt. Das mag zum einen daran liegen, dass die Freude auf den Urlaub überwiegt, zum anderen aber auch an guter Organisation. So hat der Münchner Flughafen zum Ferienauftakt beispielsweise sein Personal verstärkt, um Gästen mehr Hilfestellung zu geben. Eine Urlauberin ist davon am Sonntag regelrecht begeistert: "Noch nicht mal fünf Minuten Wartezeit bei der Sicherheitskontrolle. Alles top organisiert."

Münchner Flughafen: Gabriele Koch von der Aichner Ambulanz Union verteilt Gummibärchen und Getränke an wartende Fluggäste.

Gabriele Koch von der Aichner Ambulanz Union verteilt Gummibärchen und Getränke an wartende Fluggäste.

(Foto: Marco Einfeldt)

Eine, die schon am Samstag zum zusätzlich eingesetzten Personal zählt, ist Gabriele Koch von der Aicher Ambulanz Union. Sie trägt ein weißes T-Shirt mit dem Logo des Münchner Airports und schiebt einen Wagen mit kleinen Kartonschachteln vor sich her. In manchen Schachteln liegen Gummibärchentüten aufeinandergestapelt, in anderen Getränke. Seit 5.45 Uhr sei sie im Dienst, sagt Koch, und verteilt ihre Goodies oder hilft Passagieren bei Fragen nach dem Weg zum Gate. Vor sieben Uhr seien die Schlangen vor allem im Terminal 2 sehr lange gewesen, erzählt Koch: "Manche haben sich über sich selbst geärgert, weil sie so früh da waren."

Viele Flugreisende kommen sehr früh zum Flughafen

Früher als gewöhnlich am Flughafen zu sein - dafür haben sich am Samstag mehrere Fluggäste in München entschieden. Lisa Eikmeier und Noah Rockstroh, ein junges Paar aus München, erzählen, dass sie eine Stunde früher als üblich vor Ort sind. "Weil an den Flughäfen im Moment so viel los ist und wir sichergehen wollten", sagt Eikmeier. Für das Paar geht es heute nach Fuerteventura - den Online-Check-in haben sie bereits gemacht. An einem anderen Gate steht Sabrina Zoller mit vier Freunden und wartet auf den Check-in für ihren Flug nach Hurghada. "Im Reisebüro haben sie uns gesagt, wir sollen vier Stunden vorher da sein", sagt die 32-Jährige. Sie stünden seit etwa einer Stunde in der Schlange, erzählt Zoller - bisher sei die Stimmung der Freunde noch super. Im Terminal 2 steht Fatou Mata mit mehreren Koffern neben ihrem Mann und ihrer Tochter. Für die drei heißt es heute: Auf Wiedersehen Deutschland! Sie wandern nach Gambia aus, erzählt Mata. Weil ihre Tochter mit dabei ist, durften sie zum Family-Check-in-Bereich. "Das hat alles super geklappt", so Mata. Auch ihnen sei im Reisebüro geraten worden, drei bis dreieinhalb Stunden eher am Flughafen zu sein.

Münchner Flughafen: Für Sabrina Zoller (2.v.r.) und ihre Freunde geht es nach Hurghada.

Für Sabrina Zoller (2.v.r.) und ihre Freunde geht es nach Hurghada.

(Foto: Marco Einfeldt)
Münchner Flughafen: Fatou Mata wandert gemeinsam mit ihrem Mann und ihrer Tochter nach Gambia aus.

Fatou Mata wandert gemeinsam mit ihrem Mann und ihrer Tochter nach Gambia aus.

(Foto: Marco Einfeldt)

Während der bayerischen Sommerferien rechnet der Münchner Flughafen mit etwa 40 000 Flügen - doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. Dass einige Passagiere viel zu früh am Airport sind, das habe auch Pressesprecher Engert gesehen. "Wir empfehlen unseren Gästen, mindestens zweieinhalb Stunden vor Abflug da zu sein", erzählt er am Telefon. Insgesamt sei er mit der heutigen Situation am Flughafen sehr zufrieden. Vor allem das zusätzliche Personal komme gut bei den Passagieren an, sagt er. "Viele sind wegen der Berichte der letzten Wochen über die Situation an den Flughäfen verunsichert. Deshalb wollten wir unseren Gästen für den Ferienauftakt mehr Orientierung geben", so Engert.

Passagiere machen sich Sorgen, dass ihre Koffer verloren gehen

Dass die Nachrichten der vergangenen Wochen über liegengebliebene Koffer am Flughafen nicht spurlos an den Reisenden vorbeigehen, merkt man auch an diesem Tag. Anke Kuhlmann und Markus Baldy starten heute in ihre dreiwöchige Kolumbienreise und tragen große Reiserucksäcke auf ihren Schultern. "Falls wir auf die Rucksäcke warten müssten, haben wir sicherheitshalber ein paar Sachen für zwei Nächte ins Handgepäck gepackt", sagt Kuhlmann. Zum Beispiel eine Jeans, Unterwäsche und Zahnbürste. Ein anderes Paar aus München geht sogar so weit, dass sie nur mit Handgepäck fliegen. Ursprünglich wollten die beiden für ihren einwöchigen Aufenthalt in Nizza größere Koffer mitnehmen. Doch aus Unsicherheit, ob das Gepäck auch wirklich ankommt, habe sich das Paar für die kleinere Version entschieden.

Im Laufe des Vormittags lichten sich die Gänge des Münchner Flughafens immer mehr. An einigen Check-in-Schaltern, wo vorher noch Reisende warten mussten, sind mittlerweile alle abgefertigt oder es stehen bereits neue Passagiere an. Bei den Sicherheitskontrollen staut es sich kaum. Hin und wieder sieht man Menschen, die suchend durch die Gegend schauen oder hektisch zum Gate laufen - doch das bleibt an diesem ersten Ferienwochenende eher die Ausnahme. Die meisten Flugreisenden kommen früh zum Airport - manche, so wie die Kirchengemeinde aus Naila, sogar zu früh. Sie möchten sichergehen, dass der Start in den Urlaub reibungslos verläuft. Und das scheint zumindest am Samstag der Fall zu sein. Bis zum Abflug heißt es für Jakob Menger und seine Reisegruppe also weiterhin: Warten, sitzen und singen.

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