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Verteilung kostenloser FFP2-Masken:"Ein beispielloser Kraftakt"

Coronavirus - FFP2-Masken

In Bayern sind jetzt FFP2-Masken in Bussen, Bahnen und Geschäften Pflicht.

(Foto: dpa)

Die Stadt muss innerhalb einer Woche Hunderttausende FFP2-Masken an Bedürftige verteilen. Aus dem Sozialreferat kommt deshalb scharfe Kritik am Freistaat.

Von Sven Loerzer

Seit Montag sind FFP2-Masken in Bussen, Bahnen und Geschäften Pflicht. Doch es wird wohl noch etwas dauern, bis bei den Bedürftigen die vom Freistaat versprochenen fünf kostenlosen Masken ankommen. Mehr als 500 000 Masken muss das Münchner Sozialreferat nun in Windeseile verteilen, denn nur diese Woche soll von Sanktionen bei Verstößen noch abgesehen werden. "Für unsere Verwaltung ist die Verteilung ein beispielloser Kraftakt", erklärte Sozialreferentin Dorothee Schiwy und kritisierte, dass der Freistaat seine Zusage "kurzfristig und unabgesprochen auf dem Rücken der Kommune getroffen" habe. Nur durch den außerordentlichen Einsatz vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sei zu gewährleisten, dass Zehntausende bedürftiger Münchnerinnen und Münchner kurzfristig mit den Masken versorgt werden.

Da die Masken vom Freistaat nach Angaben des Sozialreferats erst an diesem Dienstag abgeholt werden oder von Mittwoch an geliefert werden könnten, sicherte sich das Sozialreferat im Vorgriff darauf bereits am Montag aus dem von der Münchner Branddirektion verwalteten Vorrat 400 000 Masken - insgesamt 54 Paletten. Ein externer Logistikdienstleister übernahm das Kommisionieren und Verteilen. Insgesamt 130 000 Masken sollen am Dienstagvormittag zusammen mit dem Standardanschreiben des Freistaats und den nötigen großen Briefumschlägen in die zwölf Sozialbürgerhäuser gebracht werden. Dort beginnen die Mitarbeiter dann mit dem Verpacken der Masken in die Umschläge und dem Adressieren an die Bezieherinnen und Bezieher von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, sowie von Hilfe zum Lebensunterhalt. Die fertigen Sendungen sollen dann vom städtischen Fahrdienst in 1200 Postkisten in das Paketzentrum gebracht werden. Bis Ende der Woche sollen die FFP2-Masken dann bei den Menschen eintreffen.

"Alle Münchner Bürgerinnen und Bürger, die Leistungen des Jobcenter München beziehen, erhalten zeitnah & mit der Post kostenfreie Masken zugesendet", twitterte das Jobcenter und bat zu beachten: "Eine Maskenausgabe in den Dienststellen des Jobcenter ist nicht vorgesehen." Wegen des enormen logistischen Aufwands für den Versand von 260 000 Masken an mehr als 40 000 Hartz-IV-Haushalte hat sich das Jobcenter dafür entschieden, die FFP2-Masken durch einen externen Dienstleister verschicken zu lassen. Ein sozialer Betrieb sei dafür ausgewählt worden. Im Interesse des Gesundheitsschutzes für die Kundschaft habe man unbedingt vermeiden wollen, dass die Masken persönlich abgeholt werden müssen.

Rund 120 000 Masken sollen an pflegende Angehörige verteilt werden. Die Ausgabe erfolgt über die Sozialbürgerhäuser und die Alten- und Servicezentren. Angehörige müssen dazu das Schreiben der Pflegekasse mit der Feststellung des Pflegegrades als Nachweis der Bezugsberechtigung mitbringen. Der städtische Fahrdienst bringt außerdem Masken in die Einrichtungen für Obdachlose, in Jugendhilfe-Häuser und Asylbewerberunterkünfte, wo die Verteilung über die Einrichtungsleitungen erfolgt. Kostenlose FFP2-Masken gibt seit Montag auch die Münchner Aids-Hilfe an ihre Klienten und ihr Personal aus.

Bei Sozialverbänden wie dem VdK war die FFP2-Maskenpflicht wegen der damit verbundenen Kosten für Bedürftige auf massive Kritik gestoßen, woraufhin Ministerpräsident Markus Söder die kostenlose Verteilung von 2,5 Millionen Masken ankündigte. Ulrike Mascher, Vorsitzende des VdK Bayern sieht in hochwertigen Masken zwar durchaus die richtige Maßnahme. Einzelpreise in Höhe von bis zu sechs Euro könnten aber Menschen mit kleinen Renten, Grundsicherung oder niedrigen Einkommen nicht tragen.

© SZ vom 19.01.2021/syn/van
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