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Fernwärme:Viele Baustellen bis 2033

In der Pariser Straße haben die Vorarbeiten für die Sanierung des Fernwärmenetzes bereits begonnen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Damit München klimaneutral wird, rüsten die Stadtwerke das Fernwärmenetz auf Heizwasserbetrieb um. Vor allem im Münchner Osten sind dafür zahlreiche Bauarbeiten nötig, einige beginnen auch schon jetzt.

Von Andreas Schubert

Die Stadt München soll bis 2035 klimaneutral werden. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, arbeiten die Stadtwerke München (SWM) buchstäblich mit Hochdruck daran, die Energie- und Wärmeversorgung der Münchner umzustellen. So soll in den nächsten Jahren das Fernwärmenetz komplett auf Heizwasserbetrieb umgerüstet werden. Die Wärme dafür wollen die SWM überwiegend aus der Tiefengeothermie gewinnen. Das bedeutet allerdings, dass vor allem im Osten der Stadt, wo aktuell noch heißer Dampf durch die Leitungen strömt, eben diese Leitungen an den Betrieb mit heißem Wasser angepasst werden müssen. Und das wiederum bedeutet: viele Baustellen über mehrere Jahre.

Fernwärme gib es in München schon seit 1908, seither ist das Netz auf 900 Kilometer angewachsen, nach Angaben der SWM ist es eines der größten in Europa. Schon in den Neunzigerjahren haben die SWM begonnen, das Fernwärmenetz auf Heizwasser umzustellen. Die letzten Dampfnetzgebiete umfassen allerdings immer noch rund 90 Kilometer und werden bald nach und nach umgestellt. Einfach so Wasser statt Dampf durch die Rohre zu pumpen, ist dabei aus technischen Grünen nicht möglich. Denn die Geothermie liefert bis zu 120 Grad heißes Wasser. Dieses kann nach Angaben der SWM nicht in das bestehende Dampfnetz eingebunden werden, das auf rund 200 Grad Betriebstemperatur ausgelegt ist. Die Rohre müssen aufgrund der niedrigeren Temperatur und des höheren Drucks verstärkt werden, stellenweise müssen die SWM auch Leitungen austauschen.

Die Umstellung beginnt 2022 und dauert in mehreren Abschnitten voraussichtlich bis 2033. Außer den Leitungen müssen auch die Übergabestationen in den Gebäuden für den Betrieb mit Wasser ausgetauscht werden. Bei der Umrüstung der Leitungen in den Stadtvierteln werden die unter Straßen und Gehwegen verlegten Rohre ertüchtigt und verstärkt.

Schon jetzt wird im Stadtosten gegraben. Vorbereitende Arbeiten laufen unter anderem in Teilen von Ramersdorf, wo 2022 auf Heizwasser umgestellt wird, Berg am Laim (Umrüstung ebenso 2022 vorgesehen) und Haidhausen (2023 bis 2026). Betroffen ist auch die Au (2027 bis 2028). Von 2029 bis 2033 wird dann auch in Schwabing und der Maxvorstadt gearbeitet.

Bei den derzeitigen vorbereitenden Arbeiten werden teils Stahlbetondecken von Schächten geöffnet, dort Armaturen getauscht und im Anschluss der Stahlbetondeckel erneuert. An anderen Stellen sind größere Grabungen, etwa für neue Leitungen oder Ringschlüsse, notwendig. Bei Arbeiten an Hausanschlüssen müssen auch Gehwege geöffnet werden. Anwohner müssen damit leben, dass vor ihrer Haustür zum Teil mehrere Wochen bis Monate Baugruben klaffen. Damit die Belastung für die Münchner nicht zu groß wird, sollen nicht alle Arbeiten in einem Gebiet gleichzeitig erledigt werden. Die Baustellenkoordination der Stadt sorgt dafür, dass SWM-Baustellen mit anderen Bauvorhaben, etwa Straßenbauarbeiten des Baureferats oder private größere Baustellen, abgestimmt sind.

Zur Gewinnung der Fernwärme wird in Geothermieanlagen heißes Thermalwasser an die Oberfläche gepumpt und zum Heizen oder - bei höheren Thermalwassertemperaturen - auch zur Stromerzeugung genutzt. Dem heißen Thermalwasser wird nur ein Teil der Wärme entzogen, es wird ansonsten unverändert direkt in den Untergrund zurückgeleitet. Die SWM betreiben mehrere Geothermieanlagen in und um München: in Sauerlach, Riem, Freiham, Dürrnhaar und Kirchstockach. Zur Heizsaison 2021/2022 soll dann am Heizkraftwerk Süd in Sendling Deutschlands größte Geothermieanlage ans Netz gehen.

Die Wärmewende sei ein "entscheidender Schritt hin zur ökologischen Energiezukunft Münchens", sagt Helge-Uve Braun, der Technische Geschäftsführer der SWM. "Leider bringt sie zunächst Beeinträchtigungen mit sich." Dass Wege schmäler werden und Parkplätze wegfallen, sei lästig, räumt er ein. Es diene aber einer guten Sache. "Wir wollen weg von fossilen, endlichen Rohstoffen, hin zu einer CO₂-neutralen Fernwärmeversorgung." Diese sei ein maßgeblicher Baustein für mehr Klimaschutz und saubere Luft. München gehört laut Braun damit zu den Vorreitern in Deutschland und Europa.

© SZ vom 16.11.2020/baso

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