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Mobilität:Das Fahrrad, ein Gewinner der Pandemie

Radfahrer vor Frauenkirche

In den Pandemie nimmt die Beliebtheit des Fahrrads zu.

(Foto: dpa)

Die Verkaufszahlen haben 2020 selbst die optimistischsten Erwartungen um ein Vielfaches überstiegen. Dieses Jahr setzen Hersteller auf E-Lastenräder und Bikes mit tiefem Einstieg.

Von Thomas Becker

Allzu viele Gewinner gibt es nicht in dieser vermaledeiten Pandemie. Das Fahrrad zählt aber mit Sicherheit dazu, und das ist ja auch gut so. Schon im vergangenen Jahr hat die Branche Verkaufs- und Nutzungszahlen verzeichnet, die selbst die optimistischsten Erwartungen um ein Vielfaches überstiegen haben. Mitte 2020 meldeten nicht wenige Fahrradläden: "Ausverkauft."

Kein Wunder: Wenn man schon nicht kicken, schwimmen oder ins Fitnessstudio darf, war und ist das Rad bei nun wieder steigenden Temperaturen eine der angesagtesten Alternativen in Sachen Bewegung an der frischen Luft. Auch der Urlaub im eigenen Land fand zu wesentlich größeren Teilen mal wieder auf zwei Rädern statt. Und wer tatsächlich immer noch in irgendein Büro pendeln muss, steigt derzeit lieber aufs Rad als in ein vermeintlich wesentlich ansteckungsträchtigeres öffentliches Verkehrsmittel, zum Leidwesen der Münchner Verkehrsgesellschaft, die durch die Corona-Pandemie ein Defizit in dreistelliger Millionenhöhe eingefahren hat.

Bei Stadtplanern sorgte Corona bisher nur für ein kurzzeitiges Umdenken. Die in Lockdown Nummer eins flott eingerichteten und nur zu gerne genutzten Pop-up-Radwege in den Innenstädten mussten im vergangenen Winter kurzzeitig verschwinden, wurden dann kürzlich an ein paar Stellen wieder angebracht, allerdings nur als Provisorien. Warum eigentlich?

Radfahren boomt, und das nicht nur in deutschen Landen, was wiederum in ein Dilemma mündet: Ausgerechnet jetzt, wo so viele das Rad als Verkehrsmittel neu- oder wiederentdecken, kommt die Branche nicht mit der Produktion hinterher. Wer sich derzeit ein neues Fahrrad kaufen will, kann weder in einen Laden marschieren noch mal eben ein paar Modelle Probe fahren, und auch in vielen Online-Shops heißt es schon jetzt "nicht erhältlich" oder "Lieferzeit: bis zu sechs Monate". Was tun? Frühzeitig in die Recherche einsteigen, jetzt schon beraten lassen, zügig entscheiden, damit das Warten aufs Wunschrad nicht so lange dauert.

Noch ein Tipp: Räder ohne Motor sind gerade einfacher zu haben. Denn der Trend zum E-Bike ist ungebrochen. Im Jahr 2019 wurden in Deutschland mehr E-Bikes als Diesel-Pkw verkauft, 400 000 Räder jährlich werden geleast, und allein im ersten Halbjahr 2020 wurden mehr als eine Million E-Bikes verkauft. Eins der ebenfalls schwer im Trend liegenden Lastenräder kann man sich ohne Elektro-Antrieb kaum mehr vorstellen. Selbst der legendäre Motorradhersteller Harley-Davidson stellt mittlerweile E-Bikes her, aus Carbon, mit tiefem Durchstieg für geplagte Bandscheiben, ein sogenanntes SUV-Bike. Überhaupt taucht dieser tiefe Einstieg - früher ein klares Indiz für ein Damen-Rad - an ziemlich vielen neuen Räder auf. Warum auch sollte das Auf- und Absteigen vom Rad nicht bequem sein dürfen?

Und für den wohl auch in diesem Sommer wohl wieder angesagten Urlaub vor der Haustür lässt sich mit einem Rad samt Antrieb der Ausflugsradius doch um so einige lohnende Kilometer erweitern. Mitdenken sollte man dabei allerdings, dass die Mitmenschen auf ähnliche Ideen kommen könnten. Denn Frischluftdrang verspüren nicht nur Mountainbiker, sondern auch Jogger, Reiter, Wanderer, Spaziergänger und andere Outdoorer, mit denen man sich den Waldweg, das Flussufer oder die Seerunde teilen muss. Deshalb: Hotspots meiden, antizyklisch ins Grüne fahren und die Brotzeit nicht vergessen!

© SZ vom 24.02.2021/wean
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