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Freizeit:Mit dem Münchner Bergbus in die Alpen

Lieber dahin, wo die anderen nicht sind: Der Bergsteigerbus soll Ziele im Chiemgau, im Allgäu oder - wie auf dem Bild - in den Ammergauer Alpen ansteuern.

(Foto: Stephan Rumpf)

Ohne Auto in die Natur? Von Pfingsten an bietet der Deutsche Alpenverein Wanderern eine umweltfreundlichere Möglichkeit - auch zu unbekannteren Zielen.

Von Andreas Schubert

Die Stadt München ist unter anderem wegen ihrer Nähe zu den Bergen beliebt. Doch schon seit Längerem werden die Ausflugsziele regelrecht überrannt, während der Corona-Pandemie hat sich das Problem noch einmal verschärft. Anwohner vor Ort klagen über überfüllte Parkplätze und Wildparker sowie lärmende und stinkende Autokolonnen. Während die Münchner versuchen, ihre Sehnsucht nach Erholung in freier Natur mit sauberer Bergluft zu stillen, stinkt der Verkehr den Einheimischen inzwischen gewaltig. Zum Beispiel am Spitzingsee, am Tegernsee oder am Herzogstand ist die Lage laut Schilderung des Deutschen Alpenvereins (DAV) besonders schlimm. Die Sektionen München und Oberland des DAV wollen dies nun ändern. Von Pfingsten an soll der "Münchner Bergbus" an den Wochenenden die Ausflügler zu ihren alpinen Zielen transportieren.

Der DAV wirbt schon lange für eine umweltfreundliche Anreise mit Bussen und Bahnen. Bei einer Umfrage unter DAV-Mitgliedern im Jahr 2014 kam heraus, dass die Naturliebhaber aus ganz Deutschland der Natur ganz schön zusetzen. Nur 17 Prozent gaben damals an, dass sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, mehr als 71 Prozent mit dem Auto. Ein durchschnittlicher Bergsportler unternimmt jährlich 18 Tagestouren, vier Mehrtagestouren sowie 1,4 Aufenthalte von mehr als sieben Tagen.

Weil viele auch von weiter her anreisen, legt das durchschnittliche DAV-Mitglied fast 5500 Kilometer im Jahr zurück und emittiert knapp 540 Kilo CO₂ pro Jahr - 82 Prozent dieser Emission entstammt der Anreise mit dem Auto, heißt es in der Umfrage. Laut Umweltbundesamt stoßen Insassen eines Autos im Schnitt 143 Gramm CO₂ pro Kilometer aus, Mitfahrer von Überlandbussen nur 29, also ein gutes Fünftel.

Viele Münchner nutzen zwar schon heute das Angebot an öffentlichem Verkehr und fahren zum Beispiel mit der Bayerischen Regiobahn ins Oberland. Doch abgelegenere Ziele werden nach wie vor bevorzugt mit dem eigenen Auto angesteuert, zudem scheuen derzeit viele volle Züge. Der Alpenverein München und Oberland will mit dem Münchner Bergbus dem eigenen Bekunden nach eine nachhaltigere und umweltfreundlichere Alternative zur Anreise mit dem eigenen Auto bieten.

Der Bus habe einige Vorteile und mache das Auto für viele Bergtouren überflüssig: In einer ersten, acht bis zehn Wochen dauernden, Pilotphase von Pfingsten an startet der Bus jeweils samstags und sonntags Richtung Berge. Er soll ausgewählte Tourenziele im Chiemgau, den Ammergauer Alpen und im Allgäu ansteuern, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer erreichbar sind. Dem Schienenverkehr soll der Bergbus laut DAV aber keine Konkurrenz machen. Ziele zu altbekannten Hotspots sollen vermieden werden, um nicht noch mehr Besucherdruck auf diese Orte aufzubauen. So werden nicht nur die Straßen sondern auch klassische Ausflugsziele selbst entlastet.

Die Busse starten früh am Morgen - und Langschläfer-tauglich

An der genauen Planung feilt der Alpenverein laut Matthias Ballweg, dem Vorsitzenden der DAV-Sektion Oberland, noch. Die Bergsteigerbusse sollen am Candidplatz und in Pasing starten, also an gut erreichbaren Orten. "Wir wollen natürlich, dass die Leute mit dem öffentlichen Nahverkehr zu uns kommen", sagt Ballweg.

Die Busse sollen die Passagiere dann direkt und ohne Zwischenstopps in die Berge bringen. Um mitzufahren, muss man kein DAV-Mitglied sein. Und weil es unter den Bergsportlern mal mehr und mal weniger ambitionierte gibt, starten die ersten Fahrten bereits früh am Morgen, damit die Wanderer auch ausgedehnte Touren unternehmen können, ohne dabei unter Zeitdruck zu stehen. Für alle, die gerne etwas länger schlafen, stehen Busse zu späterer Stunde zur Verfügung. Die Fahrzeuge sollen zudem Platz für Fahrräder, Kletterausrüstung, Kraxen oder Kinderwägen bieten, welche die Fahrgäste allerdings vorab anmelden müssen.

Die Tickets sollen einfach und spontan online zu kaufen sein. Wie viel sie kosten werden, steht laut Ballweg noch nicht fest. Die Preise sollen aber nicht zu hoch sein, damit der Bus auf jeden Fall eine attraktive Alternative zur Anreise mit dem Auto bietet. Und geht es nach dem DAV, sollen die Tickets auch für den öffentlichen Nahverkehr gelten, dazu liefen bereits Gespräche mit der Münchner Verkehrsgesellschaft, sagt Ballweg. Die Pilotphase des Münchner Bergbusses finanziert der Alpenverein zunächst selbst. "Langfristig werden wir aber Zuschüsse brauchen", so Ballweg.

© SZ vom 24.02.2021/van/infu
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Matthias Ballweg von der DAV Sektion Oberland, 2019

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