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Drive-in sperrt zu:Corona-Teststation auf der Theresienwiese muss schließen

Die Corona-Teststation auf der Theresienwiese

In der Drive-in-Teststation auf der Theresienwiese wurden Abstriche durchs Autofenster gemacht.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns zieht ihre Ärzte überraschend und kurzfristig ab. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) zeigt sich "entsetzt".

Von Sabine Buchwald und Heiner Effern

Die Corona-Teststation auf der Theresienwiese wird an diesem Samstag völlig überraschend geschlossen. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) hatte zuvor angekündigt, keine Ärzte mehr zu schicken. Alleine will die Stadt die Teststation aber auch nicht tragen und sperrt sie deshalb zu. Das ohnehin nicht immer reibungsfreie Verhältnis der beiden Partner scheint nun endgültig zerrüttet zu sein. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) zeigte sich in einer Mitteilung "entsetzt" über das Verhalten der KVB. Diese schoss scharf zurück. "Weil die Stadt München die Kosten für die Sonderstruktur einer Drive-in-Testung auf der Theresienwiese nicht mehr finanzieren will, wird die Schuld dafür der KVB in die Schuhe geschoben", erklärte deren Vorstand schriftlich.

Mitte März war die Station auf der Theresienwiese in Betrieb gegangen. Während der Hochphase der Pandemie wurden bis zu 900 Personen pro Tag getestet. Die Stadt bezahlte den Betrieb, die Aicher-Ambulanz stellte medizinisches Personal zur Verfügung und die KVB schickte Ärzte, die die Abstriche übernahmen. Es durften nur Patienten mit Symptomen und Voranmeldung kommen. Die Abstriche und die Auswertung wurden laut Stadt über die Krankenkassen abgerechnet. Nun ist jedoch der medizinische Betrieb an der Theresienwiese abrupt gestoppt. Die niedrigen Fallzahlen machten eine solche Drive-in-Station nicht mehr notwendig, erklärte die KVB. Zuletzt seien sie einstellig gewesen. "Fakt ist, dass es in den letzten Wochen praktisch so wenige Anfragen über die Rufnummer 116 117 gab, dass sich der Betrieb einer solchen Sonderstruktur wirtschaftlich nicht mehr gelohnt hat." Die Stadt sagt, sie hätte die Teststation trotzdem mit der KVB weiter betrieben.

Besonders sauer ist man dort, dass die KVB sich so abrupt zurückzieht. Völlig unvermittelt, ohne ein Gespräch, sei am 1. Juli die schriftliche Nachricht eingegangen, dass von sofort an keine Ärzte mehr kämen. "Ausgerechnet jetzt und ohne Ankündigung", ärgert sich OB Reiter, "und das noch dazu zu einem Zeitpunkt, da der bayerische Ministerpräsident ,Tests für alle' ermöglichen will". Die KVB habe nicht einmal die Termine abgearbeitet, die sie bis Freitag selbst vergeben habe. Um diese Tests werde sich die Stadt kümmern.

Die KVB weist die Darstellung der Kommune vehement zurück. Man sei auch "entsetzt", ließ der Vorstand ausrichten, und zwar über die Informationspolitik der Stadt. Die bisherige "gute Zusammenarbeit" werde durch die Vorwürfe der Stadt "massiv beeinträchtigt". Zudem verweist die KVB darauf, dass Menschen, die sich testen lassen wollten, in eine der 1150 Hausarztpraxen gehen könnten. Wer Symptome hat, kann weiter die Bereitschaftsnummer 116 117 anrufen. Auch Hausbesuche für Tests würden weiter vom Bereitschaftsdienst absolviert. Eine Station wie auf der Theresienwiese sei nur für Krisenzeiten gedacht und habe sich nun erledigt.

Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs sieht das völlig anders. "In unserem Kampf gegen die Pandemie ist der unkomplizierte, niederschwellige Zugang zu einem Testverfahren in einer Drive-in-Station, in der die möglicherweise infizierten Personen im Auto sitzen bleiben und daher die Ansteckungsgefahr anderer minimal ist, immens wichtig", erklärte sie. Auch für die niedergelassenen Ärzte wiege der Wegfall der Testmöglichkeit schwer. Diese könnten nun nicht mehr "unkompliziert nicht-behandlungsbedürftige Patienten zur Abstrichentnahme auf die Theresienwiese schicken". Die Stadt ärgert sich, dass ein gut funktionierendes Angebot wegfällt. "Wie passt das zusammen? Testungen sind der beste Weg, die Pandemie einzudämmen", sagt Reiter. Im Falle eines rapiden Anstiegs an Menschen mit Symptomen kann die Stadt die Station jedoch binnen 24 Stunden wieder aktivieren.

© SZ vom 03.07.2020/syn
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