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Rettungsschirm:MVG erhält Corona-Hilfe in dreistelliger Millionenhöhe

Coronavirus - München

Schutz vor Ansteckung: Mit Flatterband und einem Schild ist in einem Bus der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) der Bereich des Fahrers abgesperrt.

(Foto: dpa)

Durch die Hilfe des Bundes werden 90 Prozent der Verluste der Münchner Verkehrsgesellschaft erstattet. Dennoch müssen viele Investitionen "gestreckt" werden.

Von Andreas Schubert

Die Corona-Krise beschert der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) hohe Verluste. Bis zum 20. September nahm die MVG 105 Millionen Euro weniger ein, als vor der Krise erwartet worden war. Weil sich die Fahrgastzahlen bis Jahresende wohl nur langsam erholen werden, rechnet die MVG für 2020 mit Einnahmeverlusten von 145 bis 175 Millionen Euro. Allerdings ist bei dieser Rechnung der aktuelle Teil-Lockdown noch gar nicht berücksichtigt. Nun soll die MVG aus dem ÖPNV-Rettungsschirm des Bundes 90 Prozent der Verluste erstattet bekommen, also nach aktuellem Stand zwischen 130 und 155 Millionen Euro. Bereits im September hat die MVG eine Abschlagszahlung von 58,6 Millionen Euro erhalten.

Die Verluste bei den Ticketverkäufen sind unter anderem durch die Einbrüche im Tourismus und bei den Geschäftsreisen entstanden, auch die zunehmende Tendenz zum Home-Office und die allgemeine Zurückhaltung bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel aus Angst vor Ansteckung spielt eine erhebliche Rolle. Weil der ÖPNV-Rettungsschirm nicht alle Verluste auffängt, wird der MVG am Ende des Jahres wohl ein zweistelliger Millionenbetrag fehlen. Und auch nächstes Jahr wird sich die Entwicklung nach Einschätzung der Verkehrsbetriebe wohl nicht auf das Niveau von vor Corona erholen.

Einige Projekte der MVG werden sich deshalb verschieben. Das macht sich unter anderem bei der Modernisierung der U-Bahn bemerkbar. So werden die vorhandenen alten U-Bahnzüge vom Typ B einige Jahre länger betrieben werden als ursprünglich geplant, wohl bis Anfang der 2030er-Jahre. Die Beschaffung einer ganz neuen U-Bahn-Generation wird zudem laut MVG "gestreckt", das heißt, ein Teil der Züge wird später bestellt als vor Corona geplant. Auch bei Sanierungen und Erneuerungen soll der Umfang reduziert werden, das trifft zum Beispiel auf die U-Bahnhöfe zu.

Beim Fahrplan seien bis auf Weiteres keine größeren Erweiterungen vorgesehen. "Zumal ja auch keine neuen Fahrgastrekorde erwartet werden", wie MVG-Sprecher Matthias Korte mitteilt. "Im Gegenteil: Die Nachfrage stagniert derzeit bei rund 70 Prozent und dürfte sich infolge des November-Lockdowns tendenziell rückläufig entwickeln." Dauerhafte Abstriche am bereits vorhandenen Angebot seien aber derzeit nicht angedacht, so Korte. "Gleichwohl behalten wir die Entwicklung der Corona-Auswirkungen und insbesondere die Fahrgastzahlen genau im Blick." Für die dauerhafte Aufrechterhaltung eines umfangreichen ÖPNV-Angebots bei wegbrechenden Einnahmen müsste auch 2021 eine Finanzierung gefunden werden. Die SPD forderte am Montag per Pressemitteilung, dass es weitere finanzielle Hilfen geben müsse.

In den vergangenen Jahren ist der Anteil des öffentlichen Nahverkehrs am Gesamtverkehr gestiegen. Laut der bisher letzten Studie "Mobilität in Deutschland", die 2017 erschienen ist, ist der Anteil des ÖPNV am sogenannten Modal Split auf 24 Prozent gestiegen, der motorisierte Individualverkehr (MIV) lag ebenso bei 24 Prozent, was einen Rückgang bedeutete. Um die Verkehrswende voranzutreiben, ist die Politik weiterhin bestrebt, das ÖPNV-Angebot stärker auszubauen. Das wird sich nun verzögern. Bereits begonnene Projekte wie der Bau der neuen Leitstelle und des neuen Busbetriebshofs in Moosach würden selbstverständlich zu Ende gebaut, betont Korte.

© SZ vom 03.11.2020/sim
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