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Gelöbnis im Hofgarten:Kameraden, stillgeblasen!

Beförderungsappell der Bundeswehr im Hofgarten in München, 2012

Im Münchner Hofgarten marschierte die Bundeswehr zuletzt vor sieben Jahren auf. Damals zu einem Beförderungsappell junger Offiziere, auch damals schon mit Blasmusik.

(Foto: Robert Haas)

Die Bundeswehr will in der Mitte der Gesellschaft stehen. Ihre Pläne für eine öffentliche Vereidigung im November zeigen, wie sehr sie das tut. Nur tutet sie zu laut.

Es war kein Liebesbrief, aber der Empfänger war offenkundig gleich Feuer und Flamme. Im Juli bekam Markus Söder Post von der neuen Bundesverteidigungsministerin: Ob er nicht ein öffentliches Gelöbnis von Bundeswehr-Rekruten veranstalten wolle, fragte Annegret Kramp-Karrenbauer. Söder ließ sich nicht lange bitten - nicht nur, weil er als CSU-Chef nahezu alles begrüßen muss, was die CDU-Chefin gutheißt. In diesem Fall ist er ("ich selbst hab damals im Transportbataillon 270 in Nürnberg gedient") sogar von der Sache überzeugt, soweit man so etwas bei Söder zweifelsfrei sagen kann.

Seitdem wird in der Staatskanzlei geplant, und am 18. November werden nun 150 junge Soldatinnen und Soldaten des Sanitätslehrregiments aus dem niederbayerischen Feldkirchen ihr Gelöbnis im Hofgarten ablegen. Quasi direkt unter Söders Büro. Um halb vier gibt es erst einen Gottesdienst in der Theatinerkirche, dann ein bisschen was zu essen. Das Gelöbnis beginnt um sechs Uhr abends, wenn es dunkel ist, anschließend lädt Söder zu einem Empfang. Er spricht von einem "Bekenntnis zur Bundeswehr" und einem Zeichen dafür, dass die Soldaten "in der Mitte der Gesellschaft" stehen.

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Wie sehr sie das tun, legen die Gelöbnispläne in der Tat offen. In dieser Gesellschaft ringt das Gemeinwohl unaufhörlich mit dem individuellen Ruhebedürfnis - sei es nun bei der Genehmigung von Freischankflächen oder der Verlagerung einer Polizeihubschrauberstaffel. Deshalb wird auch das Gelöbnis einen besonderen Abschluss finden: mit einer Abendserenade des Gebirgsmusikkorps, von genau 20.45 Uhr bis 21.15 Uhr, so die Auskunft des Landeskommandos Bayern der Bundeswehr.

Die Uhrzeit ist wichtig, denn nebenan im Herkulessaal der Residenz spielt an diesem Abend das Barocktrompeten-Ensemble Berlin, das nicht gestört werden soll. Mithin darf die Serenade nur in dessen Konzertpause geblasen werden. Als Franz Josef Strauß noch Verteidigungsminister war, da hätte man einfach das Konzert abgesagt, heute ordnet sich die Bundeswehr brav unter. Ganz zivil, ganz als Teil der Gesellschaft. Und der wichtigste all ihrer Befehle bekommt eine ganz neue Bedeutung: Stillgestanden!