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Verkehrswende:Ein grüner Gürtel für die Altstadt

Der Bund Naturschutz startet eine Veranstaltungsreihe zur Mobilität - und hat selbst große Pläne für das Thema

Von Andreas Schubert

Kaum war vergangenes Jahr bekannt, dass 2021 die Internationale Automobilausstellung IAA in München stattfinden soll, kündigten Klimaschützer unter anderem auf Twitter Proteste gegen die Messe an. Da half es auch nichts, dass der Verband der Automobilindustrie die Messe nun "IAA Mobility" nennt und auf öffentlichen Plätzen auch alternative Mobilitätsformen präsentieren will. Automesse bleibt Automesse, sagen die IAA-Gegner. 2019, als die Messe letztmals in Frankfurt stattfand, hatte eine Gruppe Aktivisten unter anderem den Eingang blockiert.

Die IAA soll,sofern sie nicht pandemiebedingt abgesagt wird, vom 7. bis 12. September stattfinden. Der Münchner Bund Naturschutz (BN) will sich an möglichen Protesten aber nicht beteiligen, wie dessen stellvertretender Vorsitzende Martin Hänsel sagt. Stattdessen plant der BN über das Jahr verteilt eine Reihe von Veranstaltungen, die sich mit dem Thema nachhaltige Mobilität beschäftigen. Ein Teil davon ist eine digitale Vortragsreihe mit dem Titel "Verkehrswende erlebbar machen". Los geht es am kommenden Dienstag, 19 Uhr, mit einem Online-Vortrag über autofreie Stadtgestaltung, eine Anmeldung ist über die Homepage bn-muenchen.de möglich. In dem Vortrag geht es unter anderem um das Projekt "Westendkiez", das der BN zusammen mit der Münchner Initiative für Nachhaltigkeit plant. Ziel des Vorhabens ist ein temporäres autoreduziertes Quartier im Westend vom Frühjahr 2022 an. Als Vorbild könnte eine autofrei geplante Siedlung in Köln dienen.

Man wolle mit dem Thema Verkehrswende nicht bis zum Herbst warten, sagt Hänsel. "Die Menschen sollen auch Zeit haben, sich damit auseinanderzusetzen." Weiter geht die Reihe dann am 8. März um 19 Uhr mit einem Vortrag über die Mobilitätswende in den Städten Utrecht und Anderlecht, am 18. März, 19 Uhr, beschäftigt sich der BN mit dem Thema "Straßenraum neu gedacht". Außer den Online-Veranstaltungen hat der BN noch ein paar weitere Ideen, die Hänsel noch nicht konkretisieren will, da unter anderem die Finanzierung eines Projekts noch nicht gesichert ist. Auch die Politiker im Rathaus wollen die Verkehrswende während der IAA zum großen Thema machen. So will die grün-rote Koalition die Sonnenstraße vorübergehend zum Boulevard für Fußgänger und Radler machen und im Gärtnerplatzviertel einen verkehrsberuhigten "Superblock" einrichten. Auf der Theresienhöhe soll zudem ein Mobilitätskongress stattfinden.

Martin Hänsel wünscht sich, dass solche Ideen auch dauerhaft umgesetzt werden. Er verweist darauf, dass die Sonnenstraße ja tatsächlich mal ein grünes Band am Rande der Altstadt war, das etwa vom Sendlinger-Tor-Platz über den Stachus bis zur Brienner Straße reichte. Hänsel hält dies auch heute wieder für möglich. "Wir müssen uns nur trauen, vom Auto wegzudenken", sagt er. "Dann bekämen wir einen Münchner Central Park." Der könnte eine Erholungsfläche mitten im Zentrum sein und für Stadtbewohner eine Alternative zur Isar.

© SZ vom 19.02.2021/van
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