Münchner Floristen:"Man braucht doch gerade jetzt Blumen"

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Münchner Floristen: Blüten in Hülle und Fülle - in der Straßenauslage eines Supermarktes. Spezialgeschäfte wie Blumen Adler an der Nymphenburger Straße, haben es dagegen schwerer.

Blüten in Hülle und Fülle - in der Straßenauslage eines Supermarktes. Spezialgeschäfte wie Blumen Adler an der Nymphenburger Straße, haben es dagegen schwerer.

(Foto: Yoav Kedem)

Viele Floristen ärgern sich darüber, dass Supermärkte und Obsthändler Blumen verkaufen dürfen. Und dann soll der harte Lockdown auch noch ausgerechnet bis zum 14. Februar gehen, dem Valentinstag. Wie es der Münchner Blumen-Branche geht.

Von Philipp Crone

Man merkt, der Hunger ist da", sagt Manfred Etzel. Der 63-jährige Florist von der Münchner "Werkstätte für Floristik" spricht davon, dass viele Münchner derzeit Blumen daheim aufstellen wollen. Die Nachfrage werde aber meistens von Supermärkten bedient. Zum einen bieten viele Blumengeschäfte den möglichen Click-&-Collect-Service gar nicht erst an, zum anderen gehen die Kunden nicht mehr eigens zum Blumengeschäft, wenn sie nun in Supermärkten ein großes Angebot präsentiert bekommen, beobachtet Etzel. "Ich war heute morgen im Großmarkt", sagt er am vergangenen Donnerstag, "und habe 300 Tulpen gekauft, ein Drittel von dem, was ich sonst kaufe." Neben ihm habe ein Obsthändler 3000 Tulpen geordert.

Blumengeschäfte sind geschlossen oder arbeiten nur auf Bestellung und zum Abholen, Supermärkte erweitern hingegen das Angebot. Und dann rückt auch noch der Valentinstag näher; am kommenden Sonntag, 14. Februar, ist es so weit. Dann steht das eigentliche Umsatz-Highlight an. Tulpen, Töpfe, Trends: Wie geht es der Münchner Blumen-Branche?

Beim Blumengroßmarkt ist derzeit zum ersten Mal die Nachfrage gesunken, sagt Marktleiterin Veronika Drexler: "Supermärkte bieten ja oft Billigimporte an, so etwas haben wir hier nicht." Trotzdem zählen auch manche Supermärkte zu ihren Kunden, etwa solche, die ein kleines Blumengeschäft integriert haben. "Im ersten Lockdown war die Nachfrage etwa gleich, da war aber auch gerade die Beet- und Balkonpflanzensaison", sagt Veronika Drexler. Und Topfware könne eben auch ein Obsthändler oder ein Supermarkt problemlos verkaufen. "Bei Schnittblumen ist das anders. Wobei ja viele junge Männer den Unterschied zwischen einem Bund und einem Strauß nicht kennen", sagt die 26-Jährige und lacht. Die würden einen Bund Tulpen glatt für einen Blumenstrauß halten. "Aber ein Strauß, das ist Handwerk, da werden die Enden angeschnitten, Blätter entfernt, grün dazwischen gesetzt, die Blumen zusammenkomponiert."

So arbeitet die Floristin Elisabeth Kneucker vom Blumengeschäft Adler in der Nymphenburger Straße seit Jahrzehnten, sie führt das Geschäft in dritter Generation. Die Nachfrage sei schon noch da derzeit, sagt die 71-Jährige. "Man braucht doch gerade jetzt Blumen." Vor allem kämen Stammkunden, die bestellte Sträuße an der Ladentür abholen würden. Elisabeth Kneucker sagt: "Wer immer Blumen kauft, kauft auch jetzt." Die Frage ist nur: Wo?

Roland Maierhofer, Geschäftsführer des bayerischen Floristenverbands, sagt: "Wir erleben gerade eine Marktverschiebung." Und am 14. Februar steht der höchste Floristenfeiertag an, der Valentinstag. "Der Einzelhandel baut das Sortiment massiv auf", sagt der 45-Jährige. "Manche Märkte stellen Floristen und Blumenbinder ein." Gerade habe er ein Bild von einem Markt in Starnberg bekommen, die mit einem Plakat für eine Blumenaktion mit Floristin werben würden. "Dabei macht die Branche derzeit nur maximal 20 Prozent vom normalen Umsatz."

Laut Bayerischer Infektionsschutzmaßnahmenverordnung dürften Lebensmittelgeschäfte ihr Sortiment aber nicht erweitern. "Steht in Paragraf zwölf", weiß Maierhofer. Früher habe es in Supermärkten fünf Blumensorten gegeben, heute gebe es ein Angebot von richtig gebundenen Sträußen. "Es ist nicht erlaubt, aber sie machen es": Maierhofer rechnet damit, dass die Marktverschiebung zu den Lebensmittelgeschäften "nachhaltig" sein wird.

Florist Manfred Etzel spricht von "großem Ärger" in der Branche. Selbst beim Großhändler würden nun Leute eingestellt, um schon fertige Sträuße anbieten zu können. "Und beim Edeka wird dann morgens eine Tonne Topfpflanzen abgeladen." Und nicht nur Supermärkte haben derzeit großen Zuwachs beim Blumenabsatz. So berichtet es zum Beispiel Sabine Krebs vom Koffischop in der Fraunhoferstraße, schon immer Gemüsehändler, Blumengeschäft und Café in einem.

Keine Lockerungen bis einschließlich 14. Februar, das hat die Bayerische Staatsregierung vergangene Woche noch einmal bekräftigt. Für Floristen muss das fast perfide klingen. Der Bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger zumindest hält es allerdings für "verantwortbar", dass Blumenläden am 14. Februar öffnen. Vielleicht gibt es ja dann wirklich noch eine Ausnahmeregelung für den Tag.

Etzel von der Werkstätte für Floristik sieht das Thema trotz allem gelassen. Er erzählt lieber von der aktuellen Mode, "die Eukalyptuspflanzen". Seit Meghan Markle bei ihrer Hochzeit mit Prinz Harry einen solchen Strauß getragen habe, sei die graugrüne duftende Pflanze vor allem bei jungen Frauen in. Auch Veronika Drexler vom Blumengroßmarkt sagt, dass Eukalyptus gerade gefragt sei. "Allerdings ist das ja nur Beiwerk." Und zudem würden die ätherischen Öle die Haltbarkeit der anderen Blumen verringern. "Wer Rosen mit Eukalyptusblättern kombiniert, wird nicht lange Freude daran haben." Dafür gebe es nun einen weiteren Trend, neben der aktuellen Tulpen-, Ranunkel- und Hyazinthen-Saison: Olivenzweige. Die enthalten zwar auch Öle, diese aber beeinträchtigen nicht die Lebensdauer der Blüten.

"Eine Blume hat doch immer etwas Unschuldiges, Naives, die lacht einen an. Das braucht man doch gerade jetzt", sagt Manfred Etzel von der Floristenwerkstätte. Und da habe der Supermarkt dann doch zumeist nur die einfachen Mitnahmesträuße. "Das ganze Spektrum von ausgefallenen Pflanzen bis zur ausgefeilten handwerklich hergestellten Blumengebinden können Lidl und Co doch gar nicht bedienen", sagt Manfred Etzel. Sobald sie wieder öffnen dürften, glaubt er, würden die Leute dann auch schon wieder zu ihnen kommen.

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