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"Weihnachten aus der Tüte":Ein Festmahl zum Mitnehmen

Organisiert das Weihnachtsessen in der Au, das in diesem Jahr ein bisschen anders ablaufen muss: Günes Seyfarth

(Foto: Hauke Seyfarth)

Eine liebgewonnene Tradition fällt aus: Statt des gemeinsamen "Weihnachtsessens in der Au" organisiert Günes Seyfarth heuer die Aktion "Weihnachten aus der Tüte".

Von Patrik Stäbler

An Weihnachten wird heuer alles anders, auch für die drei Kinder von Günes Seyfarth. Denn die elf, neun und sieben Jahre alten Buben erhalten ihre Geschenke schon am 24. Dezember, und nicht an einem der folgenden Feiertage. Dabei war der Heiligabend bei der Familie Seyfarth stets für das "Weihnachtsessen in der Au" reserviert, das die 40-jährige Mutter 2015 aus der Taufe gehoben hat.

Zuletzt feierten dabei bis zu 250 Menschen an Heiligabend in der Pfarrei Mariahilf - mit Geschenken, Gesprächen, Liedern und einem üppigen Festessen, das gut 50 Helferinnen und Helfer aus gespendeten Lebensmitteln zubereitet hatten. "Da sind ganz unterschiedliche Leute zusammengekommen", sagt Günes Seyfarth, die bei der Initiative Foodsharing München mitwirkt. "Familien, Gruppen und Alleinstehende, arm und reich, jung und alt."

In diesen Corona-Zeiten jedoch sei relativ früh klar gewesen, dass das "Weihnachtsessen in der Au" nicht in der gewohnten Form stattfinden kann. Daher habe man eine kontaktfreie Alternative namens "Weihnachten aus der Tüte" entwickelt, sagt Günes Seyfarth. Die Idee: Die vielen Freiwilligen, die sonst das Essen einsammeln und Tische decken, verpacken Weihnachtstüten mit einer selbstgeschriebenen Karte, Lebensmitteln und einem Geschenk. Diese Tüten werden an Heiligabend ausgeliefert, an alle, die sich im Vorfeld angemeldet haben. Zwar suche man den Kontakt zu sozialen Einrichtungen, um die Aktion zu bewerben, sagt Seyfarth. Jedoch seien die Geschenktüten nicht ausschließlich für Menschen in sozialen Schwierigkeiten gedacht - so, wie auch beim "Weihnachtsessen in der Au" stets alle willkommen waren. "Jedes Jahr war magisch für sich", sagt sie. "An Heiligabend sind alle gleich. Das ist ein ganz besonderes Wirgefühl, das man da spürt."

Dieses Gefühl will das Weihnachtsessen-Team nun also in die Tüte packen und ausliefern. Schon jetzt hätten sich 260 Personen für die Geschenke angemeldet, sagt Günes Seyfarth. Das Ziel seien insgesamt 1000 Tüten. Überdies bieten die Helferinnen und Helfer einen Anruf-Service an. "Wer sich an Weihnachten gerne mit jemanden unterhalten will, dem vermitteln wir einen Gesprächspartner", sagt Günes Seyfarth. Sie selbst wird den Heiligabend diesmal also im ungewohnt kleinen Kreis verbringen, nur mit ihrer Familie. Und auf den Tisch wird ein bescheideneres Essen als in den Vorjahren kommen. "Meine Kinder wünschen sich Pommes mit Schnitzel und Ketchup - und zum Nachtisch Eis", sagt Seyfarth und lacht. "Und mein Mann und ich werden uns wahrscheinlich etwas Asiatisches kochen."

Weitere Infos zur Aktion stehen auf der Webseite weihnachtenausdertuete.de. Dort können sich sowohl Unterstützer melden als auch Menschen, die eine Geschenktüte oder einen Anruf an Weihnachten erhalten wollen. Alternativ nimmt das Büro des katholischen Pfarrverbands Mariahilf-St. Franziskus Anmeldungen unter der Telefonnummer 089/651 28 66 entgegen.

© SZ vom 05.12.2020/infu
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