Lesung von Pep Guardiola:Erst schwere Krankheiten führten ihn zu seiner wahren Profession

Zurück zu Marti i Pol, der von seinem 14. Lebensjahr an über drei Jahrzehnte Fabrikarbeiter war und den erst schwere Krankheiten zu seiner wahren Profession führten. Guardiola beginnt die Lesung mit einem handfesten, ja, kommunistischen Gedicht: Gegen die Mächtigen, gegen das Joch der Arbeiter, für Widerstand, gegen Unterdrückung.

Marti pflegte sozial engagierte Lyrik, die in Deutschland "Literatur der Arbeitswelt" genannt wurde. Es ist ein in Vergessenheit geratenes lyrisches Genre, das - auf Deutsch gelesen von dem Schauspieler Thomas Loibl - trotz allem noch berührt. Zwar ist es irgendwie drollig, wenn da auf dem Podium ein Millionär sitzt. Aber Pep ist das ja auch eher zufällig geworden. Weil seine Leidenschaft dem Fußball gehört. Das Geld, so scheint es jedenfalls, kam eher zufällig.

Guardiola und Loibl wechseln nach der Arbeiterprosa zu erotischen Gedichten, die von Brüsten, Hüften und brennenden Geschlechtern handeln. Schließlich ist die "Lust ein weiter Horizont", wie Marti i Pol einst dichtete. Seine Gedichte handeln in dieser Phase seines Lebens aber auch vom Alleinsein, Ferne, Einsamkeit, Sehnsucht und Verzauberung. Wie das eben so ist in der Liebe. Ohne Schatten kein Licht. Die Poesie des wohl am meisten vertonten Lyrikers Kataloniens ist filigran und deftig zugleich. Und wunderschön in Verbindung mit dem Klang der katalanischen Sprache.

Gewidmet Guardiola und seiner Frau Cristina Serra

Es folgen Werke aus den achtziger Jahren, nach dem Ende der Franco-Diktatur, einer Zeit voller Aufbruch: "Lasst uns erneut aufstehen!", "Alles liegt vor uns - und alles ist möglich." Der Fußballleser schließt mit Gedichten aus einem sehr traurigen Buch, mit dem Marti i Pol den Tod seiner Frau versuchte zu verarbeiten und dem "Buch der Einsamkeiten", das er einst Guardiola und seiner Frau Cristina Serra widmete. Für Pep war diese Widmung eine Überraschung, "aber manchmal hatte er solche Ideen".

Wenn Guardiola daraus liest, dann kann man sich vorstellen wie er am Bett seiner schönen Frau kniet und ihr diese Gedichte vorliest. Aber vielleicht ist das auch nur eine romantische Vorstellung. Im Grunde genauso unwichtig, wie die eingangs gestellte Kleiderfrage. Banal und nichtig. Nun, Pep ist ein großer Lehrmeister. Auch außerhalb der Fußballarenen.

Kurz vor 21.30 Uhr ist die Lesung dann schneller vorbei als ein Fußballspiel. Schade, denn 90 Minuten hätten auch hier kaum genügt. Doch am Mittwochmorgen um 8 Uhr beginnt in der Säbener Straße wieder das Training

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