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Pep Guardiolas Hose:Unheil Naht

Bayern München - FC Porto

Verursacht fast mehr Aufruhr, als das 6:1 gegen Porto: Guardiolas geplatzte Hosennaht.

(Foto: Marc Müller/dpa)

Vor jedem Spiel schiebt Pep Guardiola seinen Modelkörper mit Bedacht in einen schicken Super-Slim-Anzug. Was der sonst so pedantische FC-Bayern-Trainer allerdings vergaß: Er muss sich in dem teuren Zwirn auch noch bewegen können.

Glosse von Michael Neudecker

Der Fußballtrainer Karsten Wettberg hat einmal ein Interview nur mit einer Unterhose bekleidet gegeben, einer Unterhose in dunklem Farbton und engem Schnitt, der Eingriff an den Rändern von heller Farbe betont. Es waren die frühen Neunziger, nicht die Glanzphase in der Unterwäschen-Historie. Mit Abstand betrachtet sah es aus, als trüge Wettberg eine lächerlich geschrumpfte Lederhose ohne Hosenbeine.

Das Bild der Wettberg-Unterhose ist ein wesentlicher Bestandteil der deutschen Sportfolklore geworden, wenngleich sie freilich nicht die einzige Unterhose ist, die einem unverzüglich vor das geistige Auge fliegt, wenn man an Fußball denkt; zu nennen wäre etwa auch die Ribéry-Unterhose anno 2010 (Rosa-Braun-Pünktchen-Kreuzchen-Muster).

Selbiges dürfte nun also auch der Pep-Unterhose anno 2015 widerfahren, die hervortrat am Dienstagabend, als der Anzughose des Münchner Trainers Guardiola inmitten wilden Gefuchtels und Gehüpfes die Seitennaht platzte. Die geplatzte Naht war auch am Tag danach ein Riesenthema und mit ihr einhergehend die Unterhose, kommt ihr doch schon deshalb ein herausragender Platz in der Geschichte zu, weil sie, anders als andere Unterhosen, gar nicht richtig zu sehen war.

Aber ein bisschen halt doch, was in den gelegentlich hyperventilierenden FC-Bayern-Nachbetrachtungen zu Bildzeilen wie "Deutlich zu sehen: Peps eng anliegende, dunkelblaue Unterhose" führte. Selbstverständlich reagierte auch das Internet, selbstverständlich mit eigenem Hashtag: #Hosengate.

Männer in Unterhosen

Männer, die in Unterhosen Fußballer trainieren, scheinen auf seltsame Weise ein großes öffentliches Interesse hervorzurufen, wobei #Hosengate, das muss man sagen, für mehr steht als den bloßen voyeuristischen Blick auf ein paar Quadratzentimeter Dunkelblau. Es geht um die ganz große Hosengeschichte, um die Vergangenheit Guardiolas als Model für den spanischen Designer Antonio Miro; um die Sache mit einem so hochpreisigen wie trendigen Ausstatter, dessen Anzug Guardiola einmal bei einer Pressekonferenz trug, obwohl er den Anzug des Klub-Sponsors hätte tragen müssen; überhaupt um die auffallende Mode-Affinität des Fußballtrainers. Hat nicht seine Frau eine edle Mode-Boutique in der Innenstadt Barcelonas?

Guardiola selbst empfand die Aufregung naturgemäß als nicht ganz so erheiternd, für ihn war die Sache noch am späten Dienstagabend damit erledigt, dass er im Fernsehstudio mit einem umgebundenen Pullover erschien, der das Loch, nun ja, kaschieren sollte. Neue Hose im Habfinale, viel mehr wollte er nicht dazu sagen, was schade ist, denn zurück bleibt so ein irritierender Gedanke.

Pep Guardiola, der akribischste unter den Akribischen, der pedantischste unter Pedanten, er, der sich vor jedem Spiel in seine Kabine zurückzieht, um seinen Modelkörper mit Bedacht in einen schicken Super-Slim-Anzug zu schieben - Guardiola hat ausgerechnet bei der Frage, wie er sich der Welt zeigt, einen wichtigen Aspekt vergessen. Wenn er in seinem Anzug rausgeht auf den Rasen, muss er sich darin auch noch bewegen können.

© Süddeutsche.de/dayk

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