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Umstrittenes Verkehrsprojekt:Große Koalition für den Südring

Grünwald, Burg, Hausmeisterserie, Ausblick über das Isartal,

Befürworter eines Ringschlusses der A 99 gibt es im südlichen Landkreis kaum. Dort wird befürchtet, die idyllische Landschaft wie in Grünwald könnte massiv Schaden erleiden.

(Foto: Angelika Bardehle)

Geht es nach CSU und SPD in Sendling-Westpark, sollen die Planungen für die Vollendung der A 99 im Landkreis München wieder aufgenommen werden. Der Vorstoß dürfte dort Widerstand wecken.

Aus der Landeshauptstadt kommen neue und klare Signale, die auch im Landkreis Gehör finden dürften. CSU und SPD im Bezirksausschuss Sendling-Westpark fordern, die 2010 vom damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer gestoppten Planungen für den Autobahn-Südring wieder aufzunehmen. In einem gemeinsamen Antrag, der in der Juli-Sitzung des Stadtviertel-Gremiums beschlossen wurde, setzen sich die beiden Fraktionen dafür ein, den Ringschluss der Autobahnen um die Stadt und durch den südlichen Landkreis zu vollenden.

"Es kann nicht sein, dass der Mittlere Ring für alle Zeiten eine Europa-Autobahn bleibt - mitten durch München mit bis zu 150 000 Kraftfahrzeugen pro Tag und mit mehr als 100 000 Autos auf der A 96 durch Hadern und Sendling", heißt es zur Begründung im Antrag der CSU. Doch nicht nur die Stadt spürt den immer stärker zunehmenden Duck. Auf der A 99 im nördlichen und östlichen Landkreis München sind tagtäglich bis zu 160 000 Fahrzeuge unterwegs. Ismanings Bürgermeister Alexander Greulich (SPD) wird nicht müde, auf diese Problematik hinzuweisen: "Wir ersaufen im Verkehr."

Die SPD in Sendling-Westpark begründet ihren Vorstoß so: Im Stadtbezirk Sendling-Westpark endeten zwei Bundesautobahnen, und die Verbindung zwischen der A 8 Richtung Salzburg sei nur über den Mittleren Ring gegeben. Der Ringschluss im Süden würde den Stadtbezirk deutlich entlasten. Berechnungen zufolge könnten die Straßen im Viertel vor dem Lärm und den Abgasen von etwa 20 000 Fahrzeugen pro Tag bewahrt werden.

SPD gegen Eingriffe in Waldflächen

Die Münchner Sozialdemokraten pochen jedoch darauf, dass ein solches Projekt der Natur nicht schaden dürfe, sie lehnen "Eingriffe in die Waldflächen kategorisch ab". Diese Grünflächen leisteten einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz, dienten als Naherholungsgebiete und seien zudem wichtige Frischluftschneisen für die Stadt. Deshalb komme für den Südring nur die bergmännische Bauweise in Betracht. Selbst an den notwendigen Autobahnkreuzen solle man sich weitgehend um "unterirdische Lösungen unter größtmöglicher Rücksichtnahme auf die Natur" bemühen.

Erste Überlegungen für einen Ringschluss um München gab es schon in den Dreißigerjahren, doch der Zweite Weltkrieg machte diese Pläne zunichte. Später gab es immer wieder Vorstöße für den Bau. Zwei Mal wurde dieses Projekt in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen und wieder gestrichen. Trotzdem wurde 2006 eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, deren Abschlussbericht im Frühjahr 2010 vorgestellt wurde. Darin wurde der Lückenschluss als "grundsätzlich sinnvoll und realisierbar" bezeichnet. Die zwei Trassen, die zur Realisierung empfohlen wurden, sahen einen Tunnel unter Krailling und dem Würmtal vor sowie eine Untertunnelung des Isartals einschließlich Grünwald und Pullach. Die Kosten wurden damals mit etwa 1,2 Milliarden Euro beziffert, was Horst Seehofer dazu bewog, das Vorhaben zu stoppen. Vor der Landtagswahl im vorigen Herbst ploppte das Thema erneut auf. Die Freien Wähler forderten eine Entlastung des Münchner Nordens. Zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, dass der Südring frühestens 2030 in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen werden kann. In diesem Frühjahr brachte die Rathaus-CSU den Südring aufs Tapet und forderte seine Realisierung.

Widerstand in Pullach und Grünwald

Dagegen wehren sich vor allem die Gemeinden im südlichen Landkreis - allen voran Pullach und Grünwald. Zu den vehementesten Gegnerinnen des Ringschlusses gehört Pullachs Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund, aber auch Bayerns Sozialministerin Kerstin Schreyer (CSU) aus Unterhaching ist gegen eine neue Trasse im südlichen Landkreis.

Ihr Parteifreund, der Haarer Landtagsabgeordnete Ernst Weidenbusch (CSU), hat Anfang des Jahres eine weitere Variante ins Spiel gebracht, von der er sich verspricht, einen Kahlschlag im südlichen Landkreis verhindern zu können - ein Südring light gewissermaßen. Weidenbusch hat eine Tunnellösung unter der Landeshauptstadt von der A 96 am Luise-Kiesselbach-Platz im Westen bis zum Beginn der A 995 am McGraw-Graben im Osten als Ringschluss der A 99 vorgeschlagen. Ganz ohne Südring. Weidenbusch hat angeregt, die etwa sieben Kilometer lange Verbindung ohne Zu- und Abfahrten zu bauen, damit der Verkehr schneller fließen könne. Kritik kam damals unter anderem aus dem Bezirksausschuss Sendling-Westpark.

Und auch in einem anderen Bezirksausschuss war der Ringschluss bereits Thema. Im Gremium in Obergiesing-Fasangarten wurde die CSU-Forderung nach einer Wiederaufnahme der Planungen vor knapp zwei Monaten abgelehnt. SPD und Grüne stemmten sich mit vereinten Kräften dagegen. Sie sehen die Natur- und Naherholungsgebiete im Perlacher und im Grünwalder Forst durch dieses Projekt massiv gefährdet. Mit ähnlichen Argumenten verweigerten auch die Grünen in Sendling-Westpark ihre Zustimmung zu dem Antrag von CSU und SPD. "Dieser Antrag ist wenig visionär und etwas naiv", kritisierte Günther Sinapius von den Grünen den Vorstoß.