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Tradition:Wieder ein 1. Mai ohne Baum

Die Burschenvereine müssen das große Event erneut verschieben, denn ein Aufstellen ohne Fest kommt für sie nicht infrage. Nun hoffen alle, dass die Brauchtumsfeierlichkeiten 2022 möglich sind.

Von Daniela Bode, Ismaning

Schon vor mehr als einem Jahr waren Daniel Sigl und andere Mitglieder des Burschenvereins Ismaning im Wald unterwegs und haben den passenden Baum ausgesucht. Im vorigen September bekam der Verein eine neue Hütte. "Es war geplant, sie fürs Stüberl aufzustellen", sagt Sigl, Erster Vorsitzender des Vereins. Doch aus der Maibaum-Wachhütte, die Mitte März samt vielen Treffen hätten beginnen sollen, wurde nichts.

Auch ein Maibaum wird in Ismaning heuer nicht aufgestellt - wie in so vielen anderen Kommunen im Landkreis. Es ist bereits das zweite Jahr, in dem die Corona-Pandemie den Brauch unmöglich macht.

"Wir haben schon einen Haufen Arbeit reingesteckt", sagt Sigl. Außer einen Baum mussten sie auch einen neuen Platz für die Wachhütte suchen. Dann kamen im Oktober der Lockdown und die Kontaktbeschränkungen. "Wir haben dann abstimmen lassen und beschlossen, den Baum gar nicht umschneiden zu lassen", sagt der 30-Jährige. Denn ihn rauszuziehen, geschweige denn zu bearbeiten, das wäre mit so wenigen Personen gar nicht möglich gewesen. Deshalb habe man entschieden, dass Maibaumaufstellen auf 2022 zu verschieben, sagt Sigl.

Daniel Sigl, Vorsitzender der Ismaninger Burschen, freut sich auf das kommende Jahr. Der Stammtisch, den der Verein aus dem alten Maibaum hat anfertigen lassen, wird versteigert. Das höchste Gebot liegt schon bei 1000 Euro.

(Foto: Robert Haas)

So machen es auch andere Burschenvereine, die in diesem Jahr mit der großen Feier dran gewesen wären wie die in Putzbrunn und Grünwald. "Wir haben lange überlegt, ob wir es machen", sagt Stefano Primerano, Erster Vorsitzender des Burschenvereins Putzbrunn, und dann dagegen entschieden. "Auch wenn gelockert worden wäre, wäre es nie so gewesen wie normalerweise. Denn gerade die Zeit vor dem Maifest, in der viele zusammenhelfen, den Baum zu bearbeiten, dann zu bewachen und in der gesellschaftliche Abende für die ganze Ortschaft stattfinden, das ist es ja, wovon der Brauch lebt. Auch ein Ersatz in anderer Form oder ein Aufstellen per Kran wäre für sie keine Option gewesen. Abgesehen davon, dass auch dies mit den erlaubten zwei, drei Personen nicht möglich gewesen wäre. "Dann warten wir lieber noch und freuen uns auf nächstes Jahr", sagt auch Benjamin Gast, Chef des Burschenvereins Grünwald.

Die neuen Mitglieder kennen noch keine Feste

Trotz der Enttäuschung tragen die Vereine es mit Fassung. "Natürlich sind wir traurig", sagt Sigl. Doch er sieht nicht Schwarz. "Die Arbeit ist ja nicht verloren", sagt er. Was die Hütte angeht, findet er es gar nicht schlecht, dass sie sie in Ruhe einmal aufbauen und das Holz arbeiten lassen können. Auch hätten sie mehr Zeit, schöne Deko zu sammeln. Ein Pferdegeschirr etwa haben sie schon. Um die Vorfreude der Ismaninger auf das Fest im nächsten Jahr zu steigern, haben sich die Burschen eine nette Aktion überlegt: Aus dem alten Maibaum haben sie traditionsgemäß eine Tischplatte anfertigen lassen, die sie in der Wachhütte als Stammtisch verwendet hätten. Für sie läuft bis zum 1. Mai eine Versteigerung, für die man in einen Briefkasten am Gestell des Maibaums am Kirchplatz ein Gebot einwerfen kann. Der Gewinner wird am 1. Mai online bekanntgegeben. Das höchste Gebot liegt schon bei mehr als 1000 Euro. Ziemlich schade findet Sigl es aber für die neuen Mitglieder. "Sie wissen gar nicht, was den Verein ausmacht", sagt er. Die Feste, das Arbeiten davor, die spannenden Jahre für sie kämen erst noch.

Primerano geht es nicht anders. "Es ist natürlich sehr, sehr schade", sagt der 26-Jährige. Sie hätten zwar noch nicht so viel Arbeit in die Vorbereitungen gesteckt. Aber auch mit Blick auf den Nachwuchs, der seit ein paar Jahren ohnehin schwer zu finden sei, bedauert er die Situation. "Beim Maibaum waren immer drei, vier Junge dabei, denen gefallen hat, was wir machen, und die dort ihren Weg zur örtlichen Tradition gefunden haben", sagt er. Auch deshalb setzt er große Hoffnungen aufs nächste Jahr.

Ein Bild aus 2020, das auch in dieses Jahr passt: Die Taufkirchner Burschen Julius Ammereller und Simon Hinterholzer auf ihrem alten Maibaum.

(Foto: Claus Schunk)

Der Blick in die Zukunft hilft auch den Grünwalder Burschen. "Einerseits sind wir enttäuscht", sagt Benjamin Gast. "Ich habe aber das Gefühl, wir hangeln uns durch, weil wir wissen, dass unser geliebtes Dorffest und der Maibaum wieder stattfinden werden." Während all die gesellschaftlichen Ereignisse ausfallen, bleibt der Vorstand über die Online-Plattform Zoom in Kontakt. Dort werden sie wohl auch um den 1. Mai herum "eine Art Trauerveranstaltung" abhalten, wie Gast es nennt. Auch die Putzbrunner und die Ismaninger Burschen werden sich an dem Tag wohl online zusammenschalten. Genaues ist nach Angaben der jeweiligen Vorsitzenden noch nicht geplant.

Das große Ereignis auf 2022 zu verschieben, ist für die Vereine offenbar eine passable Lösung. Nur, die Reihenfolge wird etwas durcheinander kommen. Denn eigentlich stellen die Gemeinden im Turnus von fünf Jahren einen neuen Maibaum auf. "Schöner wäre es, wenn man im Rhythmus bleiben könnte", sagt Primerano. "Es ist ja alles eingespielt und man hat Vereine, zu denen man gerne hingeht, wenn sie ihre Maifeier haben."

Das Problem werden die Faistenhaarer Burschen nicht haben, obwohl sie bereits 2020 mit dem Maibaum dran gewesen wären und das Fest wegen der Pandemie nicht feiern konnten. Denn sie stellten ihren Baum laut Zweitem Vorsitzenden Jakob Hofer im vergangenen Oktober noch per Kran auf. Weil sie den Baum schon 2019 geschlagen hatten, kam eine Verschiebung nicht in Frage.

Ohne großes Fest werden die Vereine auf viel Geld verzichten müssen. "Natürlich plant man mit den Einnahmen", sagt Sigl. Doch in finanzielle Schwierigkeiten bringe sie das nicht. Einerseits würden sie stark von der Gemeinde unterstützt. Und: "Das Fest verschiebt sich ja bloß." Auch die Putzbrunner sehen es besonnen. "Wir kommen über die Runden", sagt Primerano.

© SZ vom 26.04.2021/belo
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