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Coronavirus im Landkreis München:Alles im grünen Bereich

Der Deininger Weiher bei Straßlach-Dingharting ist bei Jung und Alt sommers wie winters sehr beliebt.

(Foto: Claus Schunk)

Ob Isar, Deininger Weiher oder Schleißheimer Schlosspark - Ausflugsziele in der Nähe sind aktuell sehr beliebt. Doch auch wenn sich dort viele Menschen begegnen, bewegt sich laut Polizei und Landratsamt noch alles im Rahmen der Pandemie-Verordnungen.

Von Iris Hilberth und Bernhard Lohr, Straßlach/Oberschleißheim

Der Deininger Weiher gilt vielen im Münchner Süden als Inbegriff der Naherholung. Im Sommer gleichermaßen wie im Winter. Im Lockdown wird er aus dem Blickwinkel des Homeoffice und aufgrund des Gebots, nicht wegzufahren, noch mehr denn je zum Sehnsuchtsort: Wochenende, die Sonne scheint, das bisschen Schnee verspricht eine Winterlandschaft - und alle wollen raus. Der Parkplatz war am Samstag und Sonntag voll am südlichen Ende des Landkreises kurz hinter Dingharting. Die Menschen tummelten sich auf der Eisfläche, am Kiosk des Gasthauses gab es warme Getränke, Pommes und Flammkuchen. Aber dürfen die das? Ja, sie dürfen. Die Polizei Grünwald sagt: "Es war alles im Rahmen."

Der Deininger Weiher zählt zu den Orten im Landkreis, bei denen die Beamten regelmäßig vorbeischauen, ob bei der Menge der Besucher schon eine kritische Anzahl erreicht wird, die in Corona-Zeiten tunlichst vermieden werden soll. Ob die Leute genügend Abstand halten oder ob man sie besser wie etwa am Nymphenburger Kanal wegen Überfüllung nach Hause schickt. Die Polizei sagt, das sei bisher noch nicht notwendig gewesen. Auch die Verpflegung "to go", die das Gasthaus den Wintergästen anbietet, sieht man in der Inspektion in Grünwald nicht als Problem. Deswegen kämen die Leute nicht hierher, "das ist höchstens ein angenehmer Nebeneffekt", so die Beamten. Der Wirt weist mit einem Schild darauf hin, dass der Verzehr von Speisen und Getränken vor Ort verboten sei. "Bitte halten Sie sich daran."

Auf den Schlittenbergen ist viel los

"Beliebte Ausflugsgebiete sind zurzeit allerorten stark frequentiert", bestätigt das Landratamt. Dass sich hin und wieder jemand bei der Polizei meldet, dem das Getümmel an Hotspots der Erholung, an Seen oder auf Rodelhügeln zu viel wird, kommt durchaus vor. "Es gibt null soziale Distanz und niemand trägt eine Maske", lauten dann die Beschwerden. "Kürzlich sind die Kollegen dann mal rausgefahren zur Eierwiese in Grünwald", so ein Beamter der örtlichen Polizeiinspektion. "Ja, es ist viel los auf den Schlittenbergen", sagt er, als problematisch werde dies aber noch nicht gesehen. Auch an der Isar sei gerade im Winter noch genügend Platz für alle Spaziergänger und die wenigen Radfahrer zu dieser Jahreszeit. Der Fluss zählt nur im Sommer zur Problemzone. Auch die Kollegen aus dem Hachinger Tal melden "keine Vorkommnisse" in ihrem Gebiet.

Im Norden des Landkreises bietet sich ein ähnliches Bild. Auch dort hat die Polizei ein Auge auf Orte, an denen sich Menschen in diesen Tagen ballen könnten. Doch problematische Situationen mit größeren Ansammlungen gab es nach Aussage von Stefan Schraut, dem Leiter der Inspektion in Oberschleißheim, bisher nicht. Die Leute seien weit überwiegend vernünftig. Beliebte Spazierwege am Schleißheimer Schloss oder an der Regattastrecke seien "weitläufig", sodass dort die Abstandsregeln eingehalten werden könnten.

Die Polizei zeigt Präsenz

Die Ausgangsbeschränkung bis 21 Uhr werde vorbildlich beachtet. Später am Abend, so der Eindruck, sei nur noch die Polizei unterwegs und vielleicht mal ein Rettungswagen. Aktuell achtet die Polizei besonders darauf, ob sich durch die Neuerung, wonach Geschäfte nach der Methode Click-and-Collect" Waren ausgeben können, mehrere Menschen vor Ladentüren begegnen. Doch auch da, sagt Schraut, erwarte er sich keine Auffälligkeiten.

Die Lage sei ruhig und auch ruhiger als noch beim ersten Lockdown. Im Frühjahr habe es mehr Hinweise aus der Bevölkerung wegen mutmaßlicher Corona-Verstöße gegeben. Dennoch agiert die Polizei in Oberschleißheim nach der Devise, Präsenz zu zeigen. Viele Menschen, so Schraut, wünschten sich dies gerade in unsicheren Zeiten wie jetzt.

Problematischer als eine Überfüllung ist bei der Freizeitgestaltung unter freiem Himmel derzeit noch das dünne Eis, auf das sich manche begeben. Zwar soll es in den kommenden Nächten noch mal kräftigen Frost geben, Temperaturen bis zu minus 15 Grad sind Ende der Woche angesagt. Bis dahin aber warnen die Kreiswasserwacht München und das Rote Kreuz vor dem Betreten der zugefrorenen Seen. "Vielerorts sind die Eisflächen noch nicht tragfähig. Das heißt die Eisdecke ist zu dünn und es besteht Lebensgefahr", teilen die Rettungskräfte mit. Aufgrund der niedrigen Wassertemperaturen verliere ein ins Eis eingebrochener Mensch innerhalb kurzer Zeit das Bewusstsein und laufe Gefahr zu ertrinken. Das Landratsamt stellt klar: "In all unseren Erholungsgebieten ist das Betreten von Eisflächen grundsätzlich verboten." Dies sei über eine entsprechende Beschilderung bekannt gemacht.

© SZ vom 12.01.2021
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