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SZ-Serie: Bier von hier, Folge 11:Willkommener Hausfreund

Moritz Hottenrott kann gar nicht genug bekommen von Craft-Bier: Seit zwei Jahren stellt er zusammen mit Braumeister Andreas Wagner in Ottobrunn die Craft-Biermarke "Hausfreund" her.

(Foto: Claus Schunk)

Moritz Hottenrott und Braumeister Andreas Wagner haben in Ottobrunn die gleichnamige Craft-Biermarke gegründet. Gebraut wird nur, was ihnen selbst schmeckt.

Mit den Aromen von Hopfen und Malz zu jonglieren, das ist die Leidenschaft des Ottobrunners Moritz Hottenrott. Spätestens seit er 2017 mit Braumeister Andreas Wagner die Craft-Biermarke "Hausfreund" gegründet hat, ist er immer auf der Suche nach neuen Biervariationen. Allerdings stets unter Beachtung des Reinheitsgebotes, das sei die Bedingung, um die Anlagen der Brauerei Camba Bavaria nutzen zu dürfen, bei denen die Ottobrunner ihr Bier im Lohnbrauverfahren herstellen lassen.

Die Braustätte im Chiemgau scheint der passende Partner für eine ambitionierte Craft-Biermarke. Nicht nur setzt sie selbst auf innovative Biersorten, auch sind die Sudhäuser nicht zu groß. Zehn Hektoliter entstehen pro Gärvorgang. So können die Biere in mehreren verschiedenen Sorten und je nach Bedarf gebraut werden und bleiben dennoch frisch. Hottenrott weiß, Bier verändert sich im Laufe der Zeit, "vor allem hopfige Biere bauen ab".

Die Frische spielt besonders bei hopfenlastigen Bieren also eine bedeutende Rolle. Starke, malzige Biere wie Imperial Stouts "entwickeln sich sehr schön", sagt der 38-Jährige. Die Röstaromen des Malzes nehmen über die Zeit zu. Das brachte Wagner und Hottenrott auf die Idee, im kommenden Winter eine Art "Jahrgangsbier" aus ihrem Stout zu machen, ähnlich einem guten Wein.

Es ist dem Ottobrunner allgemein ein Anliegen, das Produkt "Bier" aufzuwerten. Durch verschiedene Aromahopfen und Spezialmalze will er die Angebotsbreite der Marke groß halten. Zusätzlich soll es, ähnlich wie beim Wein, passende Anlässe für verschiedene Sorten geben. Das kräftige Stout als Genießerbier, bei dem man sich abends vor dem Kamin auch mal eine Flasche zu zweit teilen könne. Das fruchtige IPA, also India Pale Ale, das oft als die Referenzdisziplin für Craft-Bierbrauer gilt, eigne sich als Begleitung zu asiatischer oder scharfer Küche.

Und das leichtere Helle als Durstlöscher, perfekt für Sommertage am Badesee. Hottenrott hat selbst keine bestimmte Lieblingssorte. "Es kommt eben auf die Gelegenheit an." Allerdings würden Wagner und er auch ausschließlich Biere brauen, die den beiden schmecken, nur so könnten sie sagen, an welchen Stellschrauben sie noch drehen müssten. Sauerbiere zum Beispiel treffen nicht den persönlichen Geschmack des 38-Jährigen. "Aber auch die haben ihre Berechtigung."

Moritz Hottenrott ist ein Verfechter großer Biervielfalt. So findet er, dass nicht jeder jedes Bier mögen müsse. Es gebe durchaus auch Sorten, die eher etwas für ein kleines Kennerpublikum seien. Dennoch sei für praktisch jeden Geschmack etwas dabei. Selbst für Leute, die sonst keine Biertrinker sind oder dem Craft-Bier kritisch gegenüber stehen und es als Modehype abtun. "Das muss jeder für sich entscheiden", sagt Hottenrott dazu nur.

Hausfreund ist der Name einer Craft-Biermarke, die aus Ottobrunn stammt.

(Foto: Claus Schunk)

"Aber probieren geht bekanntlich über studieren." Seiner Erfahrung nach ist das größte Problem nämlich, dass viele sich gar nicht darauf einlassen, Craft-Biere zu versuchen. Wer ein bestimmtes Bier nicht möge, der solle einfach einer anderen Sorte eine Chance geben. Oder sogar derselben Sorte, aber von einer anderen Brauerei, denn durch die Aromen verschiedener Hopfenarten könne man selbst innerhalb eines Typs große Geschmacksunterschiede erreichen.

Dass er auf andere Brauereien verweist, ist keine Besonderheit in der Craft-Bier-Szene, wie Hottenrott sagt, generell ist das Konkurrenzdenken hier kein Problem. Eher hilft man sich gegenseitig aus, gibt sich Tipps für neue Hopfensorten oder teilt Knowhow und Anlagen. Dass andere Firmen ausgegrenzt oder Personal gezielt abgeworben werde, habe Hottenrott noch nie mitbekommen. "Die Szene ist eher wie eine große Familie", beschreibt er das Miteinander. Sonst würde es auch schwer für die noch im Wachstum befindliche Branche, sich gegen die traditionellen Brauereien durchzusetzen. Generell hat das Craft-Bier in Deutschland einen schwereren Stand als etwa in Polen, England oder den USA. Das könne aber auch daran liegen, dass in Deutschland bereits mit den klassischen Bieren nicht nur eine hohe Qualität, sondern auch eine recht große Bandbreite zur Verfügung steht.

Das macht es auch dem Hausfreund schwer, Partner in der Gastronomie zu finden. Doch Hottenrott hat das Ziel, dem Hausfreund bald ein eigenes Zuhause zu geben, in einem eigenen Lokal. Bis dahin laufe weiter viel über den Handel oder über Bierfeste. Das Braukunst-Live-Festival 2018 war der Startschuss für den großen Markt. Mittlerweile hat das Hausfreundbier einen jährlichen Umsatz von etwa 400 Hektolitern. Einige Sorten sind dabei immer erhältlich, allerdings ist es dem Craft-Bier eigen, dass es sich immer weiterentwickelt, stetig neue und innovative Sorten herausbringt.

Das ist der größte Unterschied zu klassischen Bieren, wie Hottenrott findet. Das, wofür das "Craft", also Handwerk, im Namen steht. Man experimentiere mehr mit den Zutaten, spiele mit verschiedenen Hopfen- und Malzarten, dem Brauwasser, mit den Brauverfahren. Meist verwenden sie für das Hausfreund regionale Produkte, aber nicht ausschließlich. Für das IPA-Bier nutzen die Brauer fünf verschiedene Hopfenarten aus den USA. Um sich inspirieren zu lassen, trinkt Hottenrott ständig andere Biere, wahrscheinlich mehr als das eigene.

Er sagt, wer einmal auf den Geschmack von Craft-Bieren gekommen ist, sei meist angefixt. Der wolle immer mehr versuchen, alle Facetten erkunden. Als Hottenrott mit seiner Frau noch in Belgien wohnte, kam er zum ersten Mal bewusst mit Bieren in Kontakt, die jenseits der deutschen Standardbiere lagen. Sein in den USA lebender Bruder hat ihm immer besondere Sorten mitgebracht. Als er mit Frau und drei Kindern nach Ottobrunn zog und den Braumeister Wagner kennenlernte, beschloss der studierte Volkswirt, sich selbständig zu machen und Bier zu brauen. Eine eigene Brauerei wäre schön, irgendwann einmal, doch die würde einen deutlich höheren Ausstoß verlangen und eine Menge Kapital. Jetzt wollen sich Hottenrott und Wagner vor allem auf die Herstellung ihres Bieres konzentrieren.