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Kommunalwahl in Taufkirchen:Hoffnungsvolle Herausforderer

Für den Chefsessel im Taufkirchner Rathaus gibt es fünf Bewerber.

(Foto: Claus Schunk)

Der von der CSU nominierte parteifreie Bürgermeister Ullrich Sander muss sich gegen vier Gegenkandidaten durchsetzen. Deshalb könnte es zu einer Stichwahl kommen - und da rechnen sich vor allem Matteo Dolce von der SPD und der Grüne David Grothe gute Chancen aus.

Die Podiumsdiskussion ist soeben zu Ende gegangen, nun stellen sich die fünf Bürgermeisterkandidaten noch für ein Erinnerungsfoto zusammen. Doch wer soll wo stehen? Es wird gelacht, geschäkert, Platz getauscht - offenkundig in bester Stimmung. Es ist dies ein Moment der trauten Eintracht im Wahlkampf um den Chefposten im Taufkirchner Rathaus. Ein seltener Moment, muss man sagen. Denn auch wenn Angriffe unter der Gürtellinie in den zurückliegenden Monaten weitgehend ausblieben, so wurde doch heftig diskutiert, gezankt und mitunter auch attackiert - nicht zuletzt im Gemeinderat, wo die Sitzungen oftmals in Marathondebatten ausarteten.

Ganz vorne saß dabei jener Mann, den nun also vier Herausforderer im Amt ablösen wollen: Ullrich Sander, der 2014 als parteiloser Kandidat der CSU antrat und sich in der Stichwahl mit 57 Prozent der Stimmen gegen Rosemarie Weber (SPD) durchsetzte. Der 56-jährige Verwaltungswirt, der zuvor Geschäftsleiter im Feldkirchner Rathaus war, ist seither sechs Jahre im Amt - "sechs erfolgreiche Jahre", wie er im Wahlkampf stets betont.

"Ich glaube, dass da mehr politische Aktion geht", sagt der SPD-Kandidat

Sander schreibt sich auf die Fahnen, dass er vieles angestoßen und erreicht hat - vom Bau der gemeindlichen Wohnungen am Riegerweg über den Ausbau der Kinderbetreuung bis hin zu einem neuen Image der Gemeinde, mitsamt neuem Logo und neuer Homepage. Vor allem aber habe er die Lage im Rathaus wieder in geordnete Bahnen gelenkt, sagt Sander, nachdem dort bei seinem Amtsantritt eine "riesige Verunsicherung" geherrscht habe.

Dass der Bürgermeister das Rathaus befriedet hat, das sprechen ihm auch seine Herausforderer nicht ab. Ansonsten jedoch fällt ihre Bilanz nach sechs Jahren Sander deutlich kritischer aus. "Der Bürgermeister hat die Verwaltungsseite im Griff, aber mir hat er zu wenig Engagement gezeigt, was die Einheit im Gemeinderat angeht", moniert Matteo Dolce (SPD). "Und dass sich Herr Sander einmal in eine politische Sachfrage reingehängt hätte, habe ich sehr selten gesehen." Und dann merkt Dolce noch an: "Ich glaube, dass da mehr politische Aktion geht. Für mich würde der Job des Bürgermeisters nicht um 17 Uhr aufhören."

Derlei Kritik am Rathauschef hat man von dem 30-Jährigen eher selten gehört. Vielmehr ist Dolce bei seinen zahllosen Wahlkampfauftritten - er ist hier fraglos der fleißigste Kandidat - stets bemüht, möglichst wenig über den Bürgermeister und möglichst viel über das üppige Wahlprogramm seiner Partei zu sprechen. Auch einige SPDler haben diesen Stil als zu soft empfunden. Doch zum einen entspreche das eben seinem Naturell, sagt Dolce. Zum anderen habe er sich bewusst entschieden, auf politische Inhalte zu setzen statt auf Attacken gegen den Amtsinhaber.

Angriffslustiger gibt sich im Wahlkampf der zweite Herausforderer, dem neben dem SPD-Mann am meisten Chancen auf eine Stichwahl eingeräumt werden. David Grothe von den Grünen holte 2014 zwar bloß 7,3 Prozent der Stimmen, diesmal jedoch dürfte er auch dank des Höhenflugs seiner Partei deutlich besser abschneiden. Der 33-Jährige hat im Gemeinderat und auch bei Veranstaltungen kaum eine Gelegenheit ausgelassen, den Bürgermeister zu kritisieren.

Dieser fahre mit Investoren wie der in Taufkirchen sehr präsenten Firma Rock Capital einen "Kuschelkurs", bemängelt Grothe. Überdies sei bei Verhandlungen mit Grundstücksbesitzern, etwa am Riegerweg, "zu wenig herausgekommen für die Gemeinde". Auch beim Klimaschutz tue der Bürgermeister zu wenig, moniert Grothe. Er wolle als Rathauschef den Ausbau der erneuerbaren Energien forcieren und Taufkirchen zur "fahrradfreundlichsten Gemeinde im Landkreis" machen.

"Bei fünf Bewerbern spricht natürlich viel für eine Stichwahl."

Wahl 2014

Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei) gewählt in der Stichwahl mit 57,3 Prozent

Gemeinderat (24 Sitze)

CSU 8 Sitze

SPD 5 Sitze

FW 4 Sitze

Grüne 3 Sitze

ILT 3 Sitze

FDP 1 Sitz Wahlergebnis

CSU 35,2 Prozent

SPD 23,0 Prozent

FW 14,7 Prozent

Grüne 13,6 Prozent

ILT 11,2 Prozent

FDP 2,3 Prozent

Für Grothe wie Sander ist es der zweite Bürgermeisterwahlkampf. Gar schon zum dritten Mal tritt Michael Lilienthal von den Freien Wählern an, der 2014 beachtliche 15,8 Prozent der Stimmen holte. Der 65-Jährige machte im Vorfeld keinen Hehl daraus, dass er lieber einen jüngeren Bewerber für seine Gruppierung ins Rennen geschickt hätte. Doch weil sich offenbar niemand fand, warf Lilienthal abermals seinen Hut in den Ring - vor allem auch, um den Positionen der Freien Wähler im Wahlkampf mehr Präsenz zu verleihen.

Der Anwalt wirbt auf Plakaten damit, "Klartext" zu reden, was er im Gemeinderat und bei Veranstaltungen auch tut. Das kommt bei vielen Bürgern gut an - wiewohl Lilienthals mitunter undiplomatische Gangart auf einige auch verstörend wirkt. Am wenigsten Hoffnungen auf einen Wahlsieg darf sich Maike Vatheuer-Seele (FDP) machen - und das, obwohl die 48-Jährige im Wahlkampf äußerst präsent und umtriebig ist. Die Sozialwissenschaftlerin hat der Taufkirchner FDP neues Leben eingehaucht, was sich - so ihre Hoffnung - auf die Zusammensetzung des neuen Gemeinderats auswirken wird, wo ihre Partei zurzeit bloß ein Mandat innehat.

Zu dritt sitzen dagegen die Vertreterinnen der Initiative Lebenswertes Taufkirchen in dem Gremium. Die ILT stellt diesmal aus Mangel an einem Bewerber keinen Bürgermeisterkandidaten. Das hat ihre Gemeinderätinnen freilich nicht davon abgehalten, bei Sitzungen oftmals als schärfste Kritikerinnen von Bürgermeister Sander aufzutreten. Dieser klammert auch ausdrücklich die ILT-Fraktionschefin aus, wenn er sagt, dass es bislang ein "sehr fairer Wahlkampf" gewesen sei.

Mit Blick auf den 15. März sagt Sander: "Bei fünf Bewerbern spricht natürlich viel für eine Stichwahl" - einerseits. Andererseits gibt sich der Bürgermeister betont selbstbewusst: "Bei all dem, was ich bewegt habe, und bei dem Zuspruch, den ich erfahren habe, könnte es auch im ersten Wahlgang knapp reichen." Sowohl Dolce als auch Grothe setzen dagegen darauf, in die Stichwahl einzuziehen. Und dann, so sagen SPD- und Grünen-Kandidat unisono, "ist alles möglich".

Alle Berichte, Reportagen und Analysen zur Kommunalwahl unter www.sueddeutsche.de/thema/Kommunalwahl_im_Landkreis_München.

© SZ vom 28.02.2020
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