Heimische Tierwelt Paradies für Wiesenpieper und Doppelschnepfe

Der Unterhachinger Landschaftspark hat sich in den 20 Jahren seines Bestehens zu einem wichtigen Rastplatz für bedrohte Vogelarten entwickelt

Von Iris Hilberth

Der Eisvogel ist zurzeit wieder am Hachinger Bach unterwegs. Dort ist er im Winter immer mal wieder anzutreffen, manchmal fischen die auffallenden Tiere mit dem kobaltblau bis türkisfarbenen Gefieder auch zu zweit in dem Gewässer, das sich bei Unterhaching durch den Landschaftspark schlängelt.

Markus Dähne hat sie schon oft dabei beobachtet. Der 44-jährige Hobby-Ornithologe ist fast täglich in diesem Gebiet unterwegs, allein sein Arbeitsweg nach Neubiberg führt ihn morgens und abends über den ehemaligen Flugplatz, der vor 20 Jahren der Natur zurückgegeben wurde. Viele seltene Vogelarten hat Dähne schon gesichtet.

Während der von Markus Dähne einmalig gesichtete Steinadler offenbar nur mal einen Ausflug ins Hachinger Tal gewagt hatte, kann man die Rohrweihe während ihrer Zugzeiten im April und September regelmäßig den Landschaftspark überfliegen sehen.

(Foto: Markus Dähne/Bund Naturschutz)

Er hat in den vergangenen Jahren Tausende von Fotos gemacht und führt Buch darüber, ob die Wasserralle, der Wiesenpieper, der Fichtenkreuzschnabel oder die Doppelschnepfe im Hachinger Tal vorbeigeschaut haben. Und er sagt: "Viele Tier- und Pflanzenarten, die auf der Roten Liste stehen, haben im Landschaftspark ihren Lebensraum."

Markus Dähne beobachtet fast täglich die Vögel.

(Foto: Markus Dähne/Bund Naturschutz)

Die Gemeinde Unterhaching hatte 1997 das 126 Hektar große Areal des ehemaligen Fliegerhorsts gekauft, um es als Naherholungsgebiet und als Naturlebensraum zu erhalten. Hochwertige trockene Wiesen, kleinflächiger Magerrasen, Brachflächen, Gebüsch und Streuobstwiesen bieten Tieren, vor allem auch Vögeln, seither die notwendigen Voraussetzungen, die ihnen anderswo längst abhanden gekommen sind.

Natur im Garten

Damit auch in Privatgärten mehr auf Artenvielfalt geachtet wird, erwägt der Landkreis München, in eine Beratung einzusteigen. Landrat Christoph Göbel (CSU) sagte am Donnerstag im Kreis-Umweltausschuss, neben den Bauern müssten nach dem Erfolg des Volksbegehrens "Rettet die Bienen" auch die Bürger die Frage beantworten, "was sie auf ihren eigenen Flächen tun". Er könne von Gartenbesitzern berichten, die zwar das Volksbegehren unterschrieben hätten, auf ihrem eigenen Grundstück aber wachse nur Rasen, der ununterbrochen von einem Mähroboter bearbeitet werde. Der Landkreis gibt seit 2018 Saatgut für Blühstreifen in der Landwirtschaft aus. Göbel regte Ähnliches auch für Privatleute an. hilb

Bestes Beispiel ist die Feldlerche. Sie ist zum Vogel des Jahres 2019 ernannt worden, weil ihr Bestand alarmierend zurückgegangen ist. Zwischen 1990 und 2015 ist die Anzahl der Tiere in Deutschland laut Naturschutzbund (Nabu) um mehr als ein Drittel gesunken. Die Feldlerche gilt mittlerweile als gefährdet. Im Landschaftspark brüten noch Paare.

Dähne kann einige Vogelarten aufzählen, nach denen man anderswo schon seit vielen Jahren vergebens Ausschau hält, die aber in dieser grünen Lunge zwischen Unterhaching, Neubiberg und Ottobrunn gern gesehene Gäste sind: die Sumpfohreule kommt jedes Jahr, die Bergfinken sind gerade wieder aus Skandinavien da, der Gelbspötter schätzt die dichten Gebüsche, der stark gefährdete Raubwürger nutzt die Dornen von Pflanzen, um seine Beute aufzuspießen, und der Stieglitz bevorzugt die Samen von Disteln.

Sogar ein Steinadler ist vor einiger Zeit mal über dem Gebiet gekreist. "Ich konnte das erst nicht glauben und habe zu Hause die Fotos ganz genau angeschaut und mit dem Bestimmungsbuch verglichen", sagt Dähne. Bilder einiger dieser Vögel aus dem Landschaftspark sind von Montag an in einer Ausstellung von Bund Naturschutz und Umweltamt Neubiberg im Foyer des Unterhachinger Rathauses zu sehen.

Der Landschaftspark hat sich in seinem 20-jährigen Bestehen zu einem Paradies für selten gewordene Arten und zu einem wichtigen Rastpunkt für durchziehende Vögel entwickelt. Seit dem Jahr 2000 zählt das Gebiet zum landesweiten Biotopverbund "Bayern Netz Natur" und ist im Sinne des Biotopen-Schutzprogramms als regional bedeutsam eingestuft.

Zugleich lastet aber auch auf dem Landschaftspark der Druck des boomenden Landkreises und der stetig wachsenden Bevölkerung. An schönen Tage nutzen viele Menschen die alte Landebahn und die Wiesen drumherum als Naherholungsgebiet. "So lange sie nur auf der Bahn und auf den Wegen bleiben, ist das in Ordnung", sagt Gertraud Schubert von der Unterhachinger Ortsgruppe des Bundes Naturschutz. Sie weiß aber auch, dass viele sich eben nicht an das Betretungsverbot der Wiesen während der Brutzeiten halten. "Vor allem die Hunde und die Kitesurfer sind ein Problem", sagt Schubert.

Gleichwohl hofft sie, dass mit dem Volksbegehren "Artenvielfalt" auch mehr Bewusstsein in der Bevölkerung für den Schutz und den Erhalt gefährdeter Arten geschaffen wurde. "Ich merke schon, dass das Thema präsenter ist", so Schubert.

Dennoch sei noch viel Aufklärung und Überzeugungsarbeit notwendig, um die Leute zum Umdenken zu bewegen. "Vielen fällt der Schwund an Vögeln schon auf, aber dann greifen sie doch wieder zum Laubsauger oder Laubbläser und die Insekten gehen voll drauf." Überhaupt reagierten viele Menschen auf Insekten immer noch mit einer gewissen "Hysterie".

Volksbegehren Hochburg der Bienenretter
Volksbegehren

Hochburg der Bienenretter

Im Landkreis München haben sich 26,5 Prozent der Stimmberechtigten für das Volksbegehren eingetragen - das ist landesweit der zweithöchste Wert. In Baierbrunn und Oberhaching hat sich sogar jeder dritte Stimmberechtigte ins Rathaus bemüht, um sich für mehr Artenschutz einzusetzen.   Von Irmengard Gnau, Michael Morosow und Helena Ott

Bei ihren regelmäßigen Führungen für Kinder am Hachinger Bach stellt sie immer wieder fest: "Vögel sind hübsch, Kröten schon nicht so nett und gegen Insekten sind heutzutage alle allergisch." Sie versucht dann zu erklären, dass auch Wespen sehr wichtig seien, dass sie die Brut der Blattläuse an ihre Jungen verfütterten. "Jedes Viecherl hat seine Aufgabe", sagt sie.

In den kommenden Wochen wird Schubert Schulklassen die Ausstellung "Vogelvielfalt im Landschaftspark" zeigen und die Zusammenhänge erklären.

Schubert kann sich erinnern, dass es vor einigen Jahren in den Gärten noch Kleiber, Baumläufer und sogar Rotschwänzchen gegeben hat. Auch der Zaunkönig war noch da. "Sie sind alle weg", bedauert sie und appelliert an die Gartenbesitzer, statt nur Rasen zu pflegen oder Kieselsteinen zu verteilen, auch Blumen blühen zu lassen und nicht zu oft zu mähen. "Ringelblumen, Lichtnelken, Mohn und Boretsch" empfiehlt sie. Bei Blumen aus dem Supermarkt müsse man aufpassen, die hätten oft keinen Nektar, seien aber mit Gift behandelt.

Ob man Gartenvögel bis ins Frühjahr hinein füttern soll, darüber herrscht geteilte Meinung. Schubert selbst bietet den Tieren nach der Schneeschmelze nicht nur Nistkästen, sondern weiterhin auch Futter an, "allerdings keine Körner mehr, sondern ungesalzene Erdnussbutter mit Mehlwürmern und Insekten, das wird auch als Fertigfutter verkauft. Vögel brauchen zur Aufzucht ihrer Jungen Insekten."

Die Ausstellung "Vogelvielfalt im Landschaftspark" mit Bildern von Markus Dähne wird vom 18. Februar (Eröffnung 18 Uhr) bis 8. März im Rathaus Unterhaching und in der Ökoschule im Umweltgarten Neubiberg vom 6. bis 10. Mai gezeigt.