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Haar:Impfspritze für 81-Jährigen verweigert

Coronavirus - Impfungen Berlin

Bürokratische Hürden machen das Impfen mitunter kompliziert.

(Foto: dpa)

Der Mann bekommt trotz Termins kein Vakzin, weil er im vermeintlich falschen Impfzentrum ist. Nun entschuldigen sich das Landratsamt und der zuständige Malteser Hilfsdienst.

Von Iris Hilberth, Haar

Noch ist der Corona-Impfstoff rar, und wer einen Termin für eine Immunisierung erhält, weiß sich glücklich zu schätzen. So war es auch dem 80-jährigen Vater und dem ein Jahr älteren Schwiegervater von Lisa Schubert gegangen. Beide leben im Landkreis München, aber nicht in einem Altenheim und müssen daher zusehen, einen der derzeit noch wenigen Termine in den drei Impfzentren zu buchen. Sie waren daher beide froh, als die Online-Registrierung für diesen Montag geklappt haben sollte. Doch dann kam für einen der beiden die große Enttäuschung kurz vor dem Pieks: Eine Mitarbeiterin im Impfzentrum Haar schickte den 81-Jährigen wieder nach Hause und beschuldigte ihn zudem, für die Verschwendung von Impfstoff verantwortlich zu sein.

Die Sache ist reichlich kompliziert und ein Beispiel dafür, dass mitunter übertriebene Bürokratie selbst in einer Pandemie oft noch alles problematischer macht, als es eh schon ist. Lisa Schuberts Vater wohnt in Neubiberg. Damit ist das vom Malteser Hilfsdienst betriebene Impfzentrum Haar die richtige Adresse für ihn. Der Schwiegervater hingegen kommt aus Siegertsbrunn, also sind die Johanniter in Oberhaching für ihn zuständig. Das hatte Lisa Schubert aber erst nach der erfolgreichen Online-Buchung für beide Senioren in Haar bemerkt.

Um nun aber nicht umsonst mit dem 81-Jährigen dorthin zu fahren, versicherte sie sich zunächst beim ärztlichen Dienst, ob sie den Termin nun canceln müsse. Dort habe sie Antwort bekommen, dass die Impfung schon in Ordnung gehe, da der Schwiegervater schließlich impfberechtigt und Landkreisbürger sei. Vorsichtshalber rief sie aber noch im Impfzentrum Haar an. Auch dort habe man ihr versicherte, dass man 80-Jährige nicht einfach wegschicke. Doch genau dies ist nach der Ausweiskontrolle an der Anmeldung geschehen.

Wie Lisa Schubert berichtet, habe man ihnen in Haar zu verstehen gegeben, dass die Terminbestätigung und die Auskünfte wertlos seien. Zuständig für den Schwiegervater sei "die Konkurrenz" in Oberhaching, und der 81-Jährige nun Schuld an der Verschwendung einer Impfung. "Die Dame sagte uns, sie habe an diesem Tag schon jemanden weggeschickt", so Schubert, die nicht nur empört darüber war, wie mit den Senioren umgangen wurde, sondern auch darüber, dass offenbar aus bürokratischen Gründen heraus wertvoller Impfstoff weggeschüttet wird. "Ich bin wirklich fassungslos", schrieb sie an Landrat Christoph Göbel (CSU) und bat darum, diese Regelung zu überdenken.

Dem Landratsamt ist der Vorfall unangenehm. "Dass der Herr abgewiesen wurde, ist sehr bedauernswert und nicht im Sinne des Landratsamts. Für die Situation vor Ort möchten wir uns in aller Form entschuldigen ", teilt Behörden-Sprecherin Christina Walzner mit. Die Kollegen aus dem Gesundheitsamt hätten bereits mit der betreffenden Mitarbeiterin ausführlich gesprochen. Selbstverständlich solle kein Landkreisbürger, der einen Termin in einem Impfzentrum reserviert hat, abgewiesen werden. Das Gesundheitsamt habe bereits mit den Verantwortlichen in den Impfzentren Kontakt aufgenommen und gebeten, die Mitarbeiter vor Ort für derartige Situationen zu sensibilisieren. Auch sei die frei gewordene Impfdosis selbstverständlich nicht weggeworfen, sondern anderweitig "verimpft" worden.

Dies bestätigen auch die Malteser, die den Vorfall nach Angaben ihrer Sprecherin Julia Krill "sehr bedauern". Das sei unglaublich schief gelaufen, "und es tut uns sehr leid", sagt sie. Krill verweist allerdings auch darauf, dass täglich bis zu tausend Telefonanrufe in dem Testzentrum einliefen und immer wieder Personen, die nicht impfberechtigt seien, versuchten, an Termine zu kommen. "Bisher war die Vorgabe des Landratsamts, nur Personen aus den zugewiesenen Gemeinden anzunehmen. Ein Spielraum war nicht da", sagt Krill.

Es komme immer mal wieder vor, dass Impfstoff übrig bleibe, auch wenn jemand wegen Krankheit gerade nicht geimpft werden könne. "Es wird aber auf keinen Fall Impfstoff weggekippt", stellt sie klar, "da geht kein einziger Tropfen verloren." Zwar gebe es keine Wartelisten von Interessenten, die bei der Registrierung noch nicht zum Zug kamen. Doch werde der übrig gebliebe Impfstoff für Personal bei den Rettungsdiensten verwendet. Dem 81-Jährigen aus Siegertsbrunn soll nun laut Landratsamt ein neuer Impftermin angeboten werden. Bis zum Dienstagabend allerdings war dies laut Schubert noch nicht geschehen.

© SZ vom 13.01.2021/vewo/van
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