CSU München-Land:Nur noch zweite Liga

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Winterklausur der CSU-Landesgruppe im Bundestag

Kalt erwischt: Die CSU-Größen Kerstin Schreyer und Florian Hahn aus dem Kreisverband München-Land spielen in Söders Personalspielen keine so große Rolle mehr.

(Foto: dpa)

Mit Söders Personalentscheidungen gegen Kerstin Schreyer und Florian Hahn verliert die Landkreis-CSU mächtig an Einfluss in der Partei.

Kommentar von Lars Brunckhorst

Florian Hahn ist, wie sein bisheriger Buddy Markus Söder, ein Fußballfan, und so wie diesem sind auch dem CSU-Kreisvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten aus Putzbrunn Fußballvergleiche nicht fremd. In den Reden beider spielen Bayern beziehungsweise der Landkreis München in der Champions League. Man tut Hahn also keinesfalls Unrecht, wenn man konstatiert, dass er seinerseits fortan nur noch in der zweiten Liga spielt. Statt von seinem vermeintlichen Mentor am Mittwoch beim großen Kabinetts- und Partei-Revirement etwa mit dem Posten des CSU-Generalsekretärs bedacht worden zu sein, bleibt für den demnächst 48-Jährigen nur der erstmals vergebene Titel eines "internationalen Sekretärs" übrig. Dabei hatte Hahn annehmen dürfen, sich als stellvertretender Generalsekretär schon für Höheres warm gelaufen zu haben.

Ja so ist das, wenn man sich der Freundschaft Markus Söders sicher zu sein glaubt. Ähnliche Erfahrungen haben schon andere in der Partei gemacht, etwa Ludwig Spaenle, der ehemalige Münchner CSU-Chef und Kultusminister. Obschon Patenonkel von Söders Sohn wurde er eiskalt abserviert. Bitter für Hahn, der einer der ganz getreuen Söderianer war, als dieser Horst Seehofer von Partei- und Regierungsvorsitz verdrängte. Doppelt bitter, weil sich auch andere Träume Hahns durch die Wahlniederlage im September zerschlugen, etwa ein Ministeramt oder zumindest Staatssekretärsposten. Er teilt mithin das Schicksal eines anderen Parteifreundes aus München-Land, der sich auch Zeit seines Politikerlebens für diverse Ämter befähigt hielt: Ernst Weidenbusch. Der Haarer, der gerne Finanzminister geworden wäre, wurde am Ende nicht einmal Chef der Flughafengesellschaft.

Nicht in diese Reihe passt Kerstin Schreyer, wenngleich auch sie am Mittwoch von Söder den Stuhl vor die Tür gesetzt bekam. Die Unterhachingerin war immerhin zweimal Ministerin, als Familienministerin sogar eine gute. Doch mit dem Bau- und Verkehrsministerium wurde die 50-jährige Diplom-Sozialpädagogin nicht warm. Eine Rolle gespielt haben könnte aber auch, dass ihr Anbiederung an Markus Söder stets fremd war. Wie auch immer: Mit dem Abgang von Schreyer und Hahn in die zweite Reihe verlieren die Christsozialen im Münchner Umland massiv an Einfluss in der Partei.

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Parteifreunde im Kreisverband München-Land verhehlen nicht ihre Enttäuschung über die Abberufung von Kerstin Schreyer aus dem Kabinett. Außerdem fragen sie sich, was eigentlich die Aufgabe des neuen "internationalen Sekretärs" Florian Hahn sein soll.

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