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Coronavirus im Landkreis München:Ein großer Schritt

Besichtigung Impfzentrum Unterschleißheim am Volksfestplatz. Betreiber: Bayerisches Rotes Kreuz âÄ" Kreisverband München

Landrat Christoph Göbel und Bürgermeister Christoph Böck (vorne Mitte und rechts) bei der Eröffnung der BRK-Station, in der noch die Möbel fehlen.

(Foto: Florian Peljak)

Pünktlich auf den Tag genau sind die drei Impfzentren im Landkreis einsatzbereit. In jedem von ihnen sollen schon bald 350 Menschen pro Tag gegen das Coronavirus immunisiert werden. Wer wo wann an der Reihe ist, muss allerdings noch geklärt werden.

Von Bernhard Lohr, Unterschleißheim/Haar

Der Teppich ist ausgerollt. Nur dass er in diesem Fall weiß ist und aus PVC besteht. Und bevor darauf die ersten Landkreisbürger trockenen Fußes zu der Impfstation auf dem Unterschleißheimer Volksfestplatz gehen, schreitet darauf erst einmal der Landrat großen Schrittes hinauf zum Eingang der Containeranlage. Flankiert von Mitarbeitern des Roten Kreuzes (BRK) mit ihren orangefarbenen Westen verkündet Christoph Göbel (CSU) Dienstagnachmittag, dass alle drei Impfzentren im Landkreis aufgebaut worden sind. "Die ganze Gesellschaft wartet darauf, dass es eine Perspektive gibt." Die existiere jetzt mit den Impfzentren, rechtzeitig zum neuen Jahr.

Besichtigung Impfzentrum Unterschleißheim am Volksfestplatz. Betreiber: Bayerisches Rotes Kreuz âÄ" Kreisverband München

Landrat Christoph Göbel und Bürgermeister Christoph Böck (vorne Mitte und rechts) bei der Eröffnung der BRK-Station, in der noch die Möbel fehlen.

(Foto: Florian Peljak)

Was das BRK in Unterschleißheim innerhalb von wenigen Tagen und Wochen vor allem organisatorisch hochgezogen hat, haben in ähnlicher Form die Malteser in Haar und die Johanniter in Oberhaching gestemmt. Man sei bereit, heißt es von allen Seiten, wobei die Offiziellen an diesem Tag der Übergabe der Einrichtungen viel von der großen Verantwortung reden und von der Herausforderung, vor der man stehe. Eine möglichst große Zahl der 370 000 Einwohner im Landkreis soll zügig gegen das Coronavirus geimpft werden können. Das größte Manko ist noch: das Fehlen von Impfstoff und Vorgaben, welche Bevölkerungsgruppen wann an der Reihe sind. Am Dienstag erhärteten sich Nachrichten, wonach noch vor Weihnachten eine Zulassung des Impfstoffs kommen könnte.

Haar, das neue Corona Impfzentrum direkt neben der Teststation,  Foto: Angelika Bardehle

Sobald der Impfstoff in der Tasche ist, fahren Markus Bauer, Wolfgang Baumüller und Ulrich Rubner (von links) von der mobilen Malteser-Einheit los.

(Foto: Angelika Bardehle)

350 Personen sollen dann täglich in jeder der drei Stationen geimpft werden können. An jeder ist zusätzlich eine mobile Einsatzeinheit angegliedert, die mit mehreren Teams loszieht, um etwa in Senioren- und Pflegeheimen Bewohner und auch Pflegepersonal mit dem Serum zu versorgen. Das Ziel ist, dass jede der drei Einheiten wöchentlich weitere 350 Personen impfen kann. Wer wo wann an der Reihe ist, wird eine Rechtsverordnung klären. Ines Neupert, am Gesundheitsamt ärztliche Leiterin für die Impfzentren, sagte am Dienstag, man müsse jetzt zügig handeln, obwohl vieles noch unklar sei. Und man bewegt sich dabei in bisher unbekannten Dimensionen. Für 130 000 Landkreisbürger, vorerst sogar bis ins Würmtal, ist nur die Station in Unterschleißheim zuständig.

Besichtigung Impfzentrum Unterschleißheim am Volksfestplatz. Betreiber: Bayerisches Rotes Kreuz âÄ" Kreisverband München

Für 130.000 Landkreisbürger, vorerst sogar bis ins Würmtal, ist nur die Station in Unterschleißheim zuständig.

(Foto: Florian Peljak)

Anders als in Unterschleißheim können die Malteser in Haar weitere Räume in ehemaligen Kasernengebäuden an der Wasserburger Straßen nutzen, wo sie in Nachbarschaft bereits im Auftrag des Landkreises die größte Teststation im Landkreis betreiben, bei der alleine am Montag mehr als 1300 Personen ohne Termin getestet wurden. Die Johanniter bauen ihre Station etwas verzögert gerade im Kolpingring 16 in Oberhaching auf. Etwa 35 Personen, Ärzte, Assistenten, Rettungssanitäter, werden in den Impfzentren jeweils arbeiten, in denen an allen drei Standorten nur Menschen aus dem Landkreis mit Termin an die Reihe kommen. Karl-Heinz Demenat, Vorsitzender des BRK-Kreisverbands München, sagte am Dienstag, man leiste echte Pionierarbeit. "Für jede Organisation ist es das erste Mal." Man habe von Grund auf ein Konzept entwickeln müssen. Laut BRK-Projektleiter Volker Ruland wird es auch schon bald die Möglichkeit geben, sich über eine zentrale Softwarelösung anzumelden, um dann zu gegebener Zeit per SMS oder E-Mail über den Termin benachrichtigt zu werden. Der Impftermin soll nach Kriterien wie etwa dem Alter vergeben werden, die bei der Anmeldung abgefragt werden. Und es soll, so hieß es am Dienstag, gleich auch den Termin für die Impfauffrischung mit dazu geben. Eine Schwierigkeit wird laut Ruland sein, kranke, ältere, alleinstehende Personen zu Hause erreichen. Dabei setze man auf die Hausärzte. Auch telefonisch soll es möglich sein, sich Impftermine im jeweiligen Impfzentrum zu organisieren. Die Einrichtung von Fahrdiensten schließt Ruland zumindest nicht aus, damit Ältere zum weißen Teppich auf dem Volksfestplatz gebracht werden können. Aber man setze auf die mobile Einheit, sagt er. Man ist bereit, aber vieles ist noch im Werden wie die Station auf dem Volksfestplatz, in der noch die Möbel fehlen. Sie soll später um zwei Module erweitert werden.

Besichtigung Impfzentrum Unterschleißheim am Volksfestplatz. Betreiber: Bayerisches Rotes Kreuz âÄ" Kreisverband München

Bis zu 350 Personen täglich sollen in der Station einmal geimpft werden können.

(Foto: Florian Peljak)

Laut Alexander Brandstaeter, dem Leiter der Malteser-Station in Haar, ist der Betrieb einer Impfstation komplexer als der einer Teststation. Wer einen Termin hat und symptomfrei ist, betritt in Haar eines der zehn Impfzimmer, wo nach einem Aufklärungsgespräch der Arzt die Nadel setzt. Im Anschluss muss jeder zwischen fünf und 30 Minuten in einen Ruheraum, um etwaige körperliche Reaktionen beobachten zu können. Und wenn neue, weitere Impfstoffe zugelassen würden, werde sich die Handhabung ändern, sagt Brandstaeter. Flexibilität ist Trumpf. Er warte jeden Moment auf die Info über die Software, sagt Brandstaeter am Freitag um 15.30 Uhr. Der Tag sei noch nicht vorbei.

Er wisse noch, wie er im Oktober dem Landrat in einer Handynachricht ein Impfzentrum auf dem Volksfestplatz vorgeschlagen habe, sagt Unterschleißheims Bürgermeister Christoph Böck (SPD) am Dienstag. Jetzt kann dort, wie Landrat Göbel hofft, womöglich schon zwischen den Jahren das Impfen beginnen.

© SZ vom 16.12.2020/lb
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