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Kraftwerk in München:In einem Punkt zu spät dran

Mit der Idee, eine 3-D-Show zu machen, kommen Kraftwerk nun allerdings ein bisschen spät. Seit Jahren werden dreidimensionale Filme produziert und ziehen ein Massenpublikum an. Sogar die regionale Brauerei in dem beschaulichen Ort Aying, ein paar Kilometer südlich von München, führt inzwischen zum Abschluss von Führungen den Besuchern einen kurzen Imagefilm in 3-D vor, in dem Biergläser und Bottiche räumlich erscheinen.

Allerdings bieten die Musiker von Kraftwerk künstlerisch deutlich mehr als der Brauereibesitzer aus Aying. Beim Konzert schweben Raumkapseln bis über die Köpfe der Zuschauer, abstrakte Gegenstände fegen die Musiker beinahe von den Pulten und als bei "Autobahn" die Zeile erklingt "Jetzt schalten wir das Radio an", erscheint eine Hand im Cockpit des Wagens und dreht am Regler. Bei "Neonlicht" werden grelle Reklameschilder einer nächtlichen Stadt eingeblendet, bei "Vitamin" purzeln überdimensionale Tabletten durch den Raum und bei "Mensch-Maschine" wird ein Computer gezeigt. Die Songs sind aber auch denkbar leicht zu bebildern.

Währenddessen stehen die Musiker unbeeindruckt da und drehen an den Knöpfen. Wie Maschinen, wie schon immer. Ralf Hütter, der als Einziger seit Beginn bei Kraftwerk dabei ist, singt die Textzeilen ins Mikrofon, spricht allerdings während des ganzen Konzertes kein einziges Wort in Richtung Publikum. Kein Hallo, kein Danke, kein "Ihr seid großartig". Weil Maschinen, die machen sowas nicht.

Nach jedem Lied erklingt dennoch ein enthusiastischer Applaus, der durch die alte Kongresshalle hallt, als wäre gerade eine Jahrhundertaufführung an der Bayerischen Staatsoper zu Ende gegangen. Viele rufen Bravo. Wenige dagegen tanzen während der Songs exzessiv, was sicherlich auch an den 3-D-Brillen aus Pappe liegt, die leicht von der Nase oder den Ohren rutschen.

Nach mehr als zwei Stunden verlässt einer nach dem anderen die Bühne. Erst bleiben noch drei, dann zwei, dann nur noch Ralf Hütter. Als auch er verschwunden ist, geht der Sound noch ein wenig weiter. "Music non stop". Der Auftritt ist kein gewöhnliches Konzert, er ist Kunst. Konserviert in einem Museum dürften Kraftwerk also durchaus funktionieren. Vielleicht liegt die Zukunft der Band sogar eher in einem Kunsthaus als auf einer Konzertbühne. Die Pionierarbeit kann somit erneut beginnen.

Kraftwerk spielen an diesem Donnerstag um 20 Uhr sowie um 24 Uhr noch einmal in der Alten Kongresshalle, offiziell sind beide Konzerte ausverkauft, es gibt allerdings noch Restkarten an der Abendkasse. Die Ausstellung "Kraftwerk 3D-Video-Installation" ist vom 15. Oktober bis 13. November 2011 im Lenbachhaus (Kunstbau) zu erleben.

Impressionen vom Kraftwerk-Konzert

Die Roboter sind zurück