Konzerthaus im Werksviertel:Was heißt hier Redimensionierung?

Konzerthaus im Werksviertel: Die Baulücke des Konzerthauses im Werksviertel.

Die Baulücke des Konzerthauses im Werksviertel.

(Foto: Stephan Rumpf)

Kulturausschuss des Landtags fordert mehr Informationen zu reduzierten Konzerthausplänen. Ministerium soll bis Ende Mai liefern.

Von Susanne Hermanski

"Was ist genau der Unterschied zwischen einem Konzerthaus und einem Konzertsaal?" Die Gretchenfrage stellte die SPD-Abgeordnete Katja Weitzel stellvertretend für die Opposition an diesem Mittwoch im nach der Wahl neu zusammengesetzten Kulturausschuss des Landtags. Auch seitens aller anderen Parteien ist das Informationsbedürfnis groß darüber, wie die entsprechende Passage im Koalitionsvertrag von CSU und Freien Wählern denn nun zu verstehen sei. In dem Papier steht, dass weiterhin ein "Konzertsaal" im Werksviertel gebaut werden soll, und dieser der Weltbedeutung der Münchner Orchester angemessen sein müsse, das Projekt aber aus Kostengründen "redimensioniert" werden soll.

"Ob Saal oder Haus - man sollte sich nicht am Wort festhalten", sagte Michael Piazolo (FW), bis zur Kabinettsumbildung gerade noch für Minister für Unterricht und Kultus, jetzt Vorsitzender des Kulturausschusses. "Das Thema ist für ganz Bayern wichtig. Ich will diesen Konzertsaal und habe in der Vergangenheit schon Unterschriften dafür gesammelt", sagt er. Eine neuerliche Standortdebatte lehnt er strikt ab. Die "viel zu langen Planungsabläufe" seien jetzt schon das zentrale Problem des Projekts und Ursache für die Summe von 1,3 Milliarden veranschlagten Kosten. Man müsse jetzt "zügig, noch in dieser Legislaturperiode" im Werksviertel loslegen, und das zu einem "vernünftigen Preis".

Andere Wege, wie eine Beteiligung des Freistaats an der Sanierung der Philharmonie im Gasteig oder eines späteren Ausbaus von dessen Interimsstätte "Isarphilharmonie", stießen beim Gros der Abgeordneten auf Ablehnung. Erstmals wurde im Rahmen des Landtags auch Kritik laut an der für ihre niedrigen Kosten sonst so viel gepriesenen Isarphilharmonie. "Der Backstage-Bereich ist so eng, dass man mit einem Kontrabass da kaum durchkommt", sagte Sanne Kurz (Grüne). Die Möglichkeiten ihn zu heizen, wären schlecht, was für ein Interim akzeptabel sei, für eine Dauerlösung aber nicht.

Kurz hielt vielmehr ein flammendes Plädoyer für den Erhalt von bestimmten Elementen der Planung fürs Werksviertel-Konzerthaus. Dazu zählt die kulturpolitische Sprecherin der Grünen die Räume, die für die Education vorgesehen seien. Aber es müsse auch ein Konzerthaus entstehen, das sich mit Kulturbauten in anderen Weltmetropolen messen lassen könne. Ferner forderte Kurz stärkeres Engagement und Begeisterung seitens der Staatsregierung für das Projekt. "Dann werden sich auch mehr private Spender finden, die gerne mit einsteigen", sagte sie und zitiert Bastian Schweinsteiger, der kürzlich auf seinem Social-Media-Kanal schrieb: "Ich finde, dass die Zeit heute mehr denn je für dieses Projekt spricht. Gerade weil wir so viele Krisen zu meistern haben und so viele neue Herausforderungen in unserem Land haben, sollten wir Stärke zeigen und uns etwas zutrauen."

Auch Robert Brannekämper (CSU) sprach von den "funktionalen Schwächen" der Isarphilharmonie, deren Nebenräume die Qualität "der Nebenräume eines Pfarrsaals von St. Nikolaus" irgendwo auf dem Land hätten. Das wiederum rief seinen Parteifreund Winfried Bausback auf den Plan, um die übliche Lanze für mehr Kultur in der ländlichen Region zu brechen. Er sitzt für den Bezirk Unterfranken im Landtag. Am Ende forderte aber dann doch der gesamte Ausschuss einstimmig einen Bericht der an der Planung beteiligten Ministerien. Abgegeben werden soll dieser bis spätestens Ende Mai 2024. Ende Januar wird aber bereits Kunstminister Markus Blume vor den Ausschuss treten, um Genaueres über seine Sicht auf das "Abspecken" der Konzerthauspläne zu erläutern.

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