bedeckt München 19°

Nachtleben:In einer Baulücke an der Amalienstraße versteckt sich "Der Kiosk"

In nur drei Wochen wurde der Kiosk zwischen zwei Häusern zusammengezimmert, die Zwischennutzung bleibt, bis hier neue Wohnungen gebaut werden.

(Foto: Robert Haas)

"Ey, wie cool ist das denn?", spricht eine Frau in ihr Telefon, während sie die Amalienstraße in der Maxvorstadt entlang läuft. "Hier hat ein Kiosk aufgemacht." Roberta hört das und lacht. "Das passiert hier die ganze Zeit", sagt die Studentin, die sich wie ihre Kollegen nur mit Vornamen vorstellt. Sie steht in einem mit Holz verkleideten Lkw-Container und reicht Bier und Rhabarberschorle über die Theke. Vor allem abends stehen hier Studenten und junge Berufstätige mit einem kühlen Getränk in der Hand an einer der weiß lackierten Öltonnen. Über ihren Köpfen ist ein weißes Sonnensegel gespannt, von dem die goldenen Buchstaben K, I, S und K baumeln. Das O ist schon verloren gegangen.

Die Bude, die schlicht "Der Kiosk" heißt, existiert seit dem 20. August und wird wahrscheinlich schon in einigen Monaten wieder schließen. Der Laden steht in einer Baulücke zwischen den Hausnummern 91 und 95. Wenn hier die Arbeiten für neue Wohnungen beginnen, muss der Kiosk weichen. Vier junge Münchner, die sich Nachtkollektiv nennen, betreiben ihn. Mit Zwischennutzungen kennen sie sich aus, es ist bereits ihr drittes Projekt dieser Art.

Aperol Spritz für 2,80 Euro

Angefangen hat es für die drei Männer und eine Frau mit einer Bar, die - nach demselben Muster wie der Kiosk - schlicht "Die Bar" hieß. Darauf folgte "Die Brauerei", ein Club in einer, genau, Brauerei. Beide Läden waren im vergangenen Sommer für einige Wochen geöffnet. "Wir haben dadurch Lust auf Pop-ups bekommen", sagt Konstantin, einer der vier Inhaber vom Nachtkollektiv. Über mehrere Bekannte sind sie an den Eigentümer des Grundstücks an der Amalienstraße gelangt und konnten mit ihm eine Zwischennutzung ausmachen. "Die Ecke ist ja allein schon wegen der ganzen Studenten interessant", sagt Konstantin. Gemeinsam haben sie überlegt, was sich in der Baulücke umsetzen lässt. Den Kiosk haben sie dann selbst in nur drei Wochen zusammengebaut. "Wir wollten noch die letzten Sommerwochen mitnehmen", erklärt Konstantin.

Einrichtung und Auswahl sind entsprechend minimalistisch: Auf den fünf Regalbrettern stehen Chips und - zur Freude aller, die in den Neunzigerjahren jung waren - Center-Shocks-Kaugummis. Hubba Bubba darf natürlich auch nicht fehlen. Ein ganzer Kühlschrank ist für Schokolade reserviert, zwei weitere für Getränke. Das Bier kostet zwei Euro und stammt aus der Brauerei Broy, einem Münchner Start-up, das direkt und nicht über Händler verkaufen will. Einer der Gründer gehört zum Nachtkollektiv. Auch das Radler kostet zwei Euro, Weinschorle und Aperol Spritz gibt es für 2,80 Euro. Hinzu kommen Spezi, Schorlen und Limo. Und ein Kiosk wäre natürlich kein Kiosk, wenn es nicht zumindest eine kleine Auswahl an Zigaretten geben würde.

Bis Konstantin und seine Kollegen den Kiosk wieder schließen müssen, haben sie einiges geplant: Derzeit beantragen sie bei der Stadt Genehmigungen für Livemusik. Außerdem überlegen sie, einen Foodtruck aufzubauen, aus dem sie Pizzastücke verkaufen könnten. Und zur Weihnachtszeit vielleicht eine Art Christkindlstand? Das Kollektiv plant auch, etwas Eigenes aufzumachen, etwas von Dauer. Was genau, steht noch nicht fest. "Wir haben jetzt ja schon einige Sachen ausprobiert", sagt Konstantin.

Szene München Münchens Späti-Misere auf einen Blick

Kiosk-App

Münchens Späti-Misere auf einen Blick

Eine App will alle Kioske auflisten, die spätabends noch Bier verkaufen. Für München ist die Auswahl erwartungsgemäß eher übersichtlich - aber das ist eine Chance.   Kolumne von Elisa Britzelmeier