Was läuft im Jazz:Heimische Talente und internationale Stars

Was läuft im Jazz: Federleichte Verbindung: Alexandra Lehmler bildet zusammen mit dem französischen Star-Vibrafonisten Franck Tortiller das Duo "Aerial".

Federleichte Verbindung: Alexandra Lehmler bildet zusammen mit dem französischen Star-Vibrafonisten Franck Tortiller das Duo "Aerial".

(Foto: Felix Groteloh)

Die Unterfahrt bietet fast täglich die Asse der Szene - von Franck Tortiller über Atrin Madani bis Ethan Iverson.

Von Oliver Hochkeppel und Michael Zirnstein

Wer internationalen Spitzenjazz sehen will, hat es in München recht einfach: Er muss nur in die Unterfahrt gehen, da bekommt er solchen nahezu täglich geboten. Der seit 46 Jahren bestehende Jazzclub ist seit Langem nicht nur die erste Münchner Adresse für das mit dem Begriff "Jazz" immer unzureichender beschriebene Musikgeschehen, sondern auch eine der besten Europas.

Nehmen wir die laufende Woche. Sie beginnt mit einem Blick in die Zukunft, mit zwei traditionell hier durchgeführten öffentlichen Abschlusskonzerten des Jazzinstituts der Musikhochschule nämlich. Zwei Tiefton-Asse sind es an diesem Dienstag (30. Januar): Susi Lotter, die schon oft in der Unterfahrt zu erleben war, wird mit zwei Formationen auf Kontra- und E-Bass antreten. Im Quartett geht es in Richtung Funk und Fusion, mit der Band Aiken mehr zu Modern-Swing und Neosoul. Der auf sie folgende Lukas Kranjc hat ähnliche Einflüsse und zelebriert mit seinem Quintett Funkjazz aus der Feder seines Saxofonisten Tom Förster und des E-Bass-Gottes Marcus Miller.

Deutsche Talente sind auch danach am Start. Der Berliner Sänger Atrin Madani steht in der Tradition großer Crooner wie Frank Sinatra, Mel Tormé oder Tony Bennett. Er nimmt aber gerne moderne Pop-Klassiker wie David Bowie, Nick Drake oder Coldplay als Vorlage und ist damit schon so erfolgreich, dass ihn keine Jazz-Agentur, sondern der Pop-Platzhirsch DEAG vertritt (31.1.). Und dann ist da noch der Münchner Saxofonist und Flötist Nico Theodossiadis mit - auch klanglich - griechischen Wurzeln, der seine Band einfachheitshalber Nico Theo Quartett nennt (3.2.).

Mit dem Februar wird es aber auch wieder international. Die deutsche, aber gut mit der Pariser Szene vernetzte Saxofonistin Alexandra Lehmler kommt im federleichten - "Aerial" heißt ihr gemeinsames Album - Duo mit dem französischen Star-Vibrafonisten Franck Tortiller (1.2.). Ein richtiger Hammer ist dann der Auftritt des amerikanischen Pianisten Ethan Iverson, der fast 20 Jahre lang, bis 2017, der Kult-Band The Bad Plus vorstand und jetzt sein neues Trio mit dem Bassisten Thomas Morgan und dem Schlagzeuger Kush Abadey präsentiert (2.2.).

Was läuft im Jazz: In der Tradition der großen Crooner wie Frank Sinatra: Atrin Madani.

In der Tradition der großen Crooner wie Frank Sinatra: Atrin Madani.

(Foto: Martin Bauendahl)

Die Unterfahrt ist freilich nicht nur die erste, sondern auch fast die einzige Münchner Adresse. Die Jazzbar Vogler an der Rumfordstraße ist immerhin noch ein Revier für die Locals. Stammgäste sind der Pianist Arno Wahler (30.1.) und die Grammy-nominierte Sängerin und Pianistin Karen Edwards (3.2.). Wie auch die Pianistin und Sängerin Andrea Hermenau, die aber an der Seite von Lisa Wahlandt mit dem Brazilian Nights Quartet mit Patrick Scales und Christian Lettner diesmal etwas Besonderes anbietet (2.2.). Noch außergewöhnlicher ist wohl das Duo des Saxofonisten Hugo Siegmeth mit Münchens Piano-Eminenz Tizian Jost (1.2.).

Im Schnitt zweimal in der Woche ist noch der Nightclub im Bayerischen Hof beim Jazz-Reigen dabei. Die nächsten Gäste sind die Cellistin Ruth Maria Rossel mit einem außergewöhnlichen, von Visuals, Loops und Electronics unterlegten Solo (30.1.), das Multitalent Julia Nagele alias Jules mit ihrem Indie-Jazz-Quintett Listentojules (31.1.) und das Wiener Jazz-Chamäleon Ulrich Drechsler mit gleich zwei ganz unterschiedlichen clubbigen Trio-Projekten nacheinander (6. und 7.2.).

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