Café Joon

Es ist nicht leicht, sich in der Maxvorstadt durchzusetzen mit seinem Frühstück, denn das Viertel ist voller netter kleiner Läden, und das Publikum ist einen gewissen Standard gewöhnt. Das "Joon" führt nun seit zwei Jahren ein betriebsames Leben in der Theresienstraße nahe Augustenstraße. Es lässt sich also guten Gewissens behaupten, dass sich die Cafébar hier etabliert hat. Und das auf eine unaufgeregte Art und Weise.

Denn das "Joon" hieß früher noch "Giulia" und trat ohne große Ankündigung auf den Plan, es hat sein Aussehen mit dem neuen Konzept auch nicht allzu sehr geändert. Man muss ihm zugestehen, dass es ein besonders schönes Aussehen hat; wie ein Wohnzimmer aus einem besonders stilvollem Einrichtungsblog sieht es aus, ein gemütliches gelbes Sofa, ein selbstgebauter Tisch aus hohlen Betonteilen, wie man sie von Baustellen kennt; ein gemusterter Teppich auf dem Boden und Holzlatten an der Wand.

Die Cafébar ist klein und schmal und kann deswegen leicht übersehen werden; das ist aber nicht so schlimm, weil sowieso nicht endlos Platz ist. Auch die Tische darin sind klein; man ergattert meist trotzdem einen, ohne zu reservieren oder anzustehen.

Was gibt es da und was kostet das?

Es gibt Rundumversorgung von früh bis spät. Die Drinks sind gut, wie auch Pasta und Salate von der Tageskarte, aber uns interessiert das Frühstück, das unter der Woche bis 12 Uhr und am Wochenende bis 18 Uhr serviert wird. Dieses wird im Joon à la carte bestellt - und die Karte lässt wenige Wünsche unerfüllt, ohne überbordend zu sein.

Es gibt zum Beispiel Obstsalat (4,50 Euro) und Bircher Müsli mit Obst (4,70) für gesundheitsbewusste Frühstücker und auch ein hausgemachtes Knickerbocker Müsli mit Mango, Marmelade und Honig (4,90); außerdem gegrillte Sandwiches (5,90), etwa mit Fenchelsalami, Brie und Rucola; für die süße Fraktion Pancakes mit Ahornsirup, Nutella oder Puderzucker (5,90) und Eier in verschiedenen Variationen. Als Rührei mit allen möglichen Extras zum Beispiel, als Strammen Max (6,90), oder, sehr beliebt: Die "Stulle Avocado". Ein Bauernbrot mit Avocadocreme mit zwei pochierten Eiern darauf (7,50). Die Küche versteht ihr Handwerk, so dass auch Menschen mit der Fähigkeit, selbst ein Ei in die Pfanne zu schlagen, hier nicht enttäuscht werden. Der Kaffee wird eigens für das "Joon" geröstet; ein Cappuccino kostet 2,80 Euro.

Wer geht da hin?

Hauptsächlich schöne Maxvorstädter, von denen mindestens die Hälfte einer Modezeitschrift entsprungen scheint. Nichtsdestotrotz ist die Atmosphäre nicht herablassend cool, sondern nett entspannt, wie Frühstück bei guten Bekannten. Viele Pärchen sind da, weil die Tische ideal sind für zwei, auch wenn sie sich natürlich zusammenschieben lassen. Freundinnen, die sich zum Frühstück treffen. Nachbarn, die noch schnell einen Cappuccino trinken, bevor sie sich ins Auto schwingen und an den See fahren.

Manchmal verirrt sich auch ein Kind mit an den Tisch, das bekommt dann einen Kindercappuccino, manch einer kommt auch allein und studiert die Zeitung zu seinen Pancakes. Draußen gibt es drei schmale, eng beieinander stehende Tische, die an schönen Tagen die begehrtesten Plätze sind. Auch wenn dann das Schaufenster ganz offen steht, für maximale Freiluftstimmung.

Wie viel Zeit bringt man mit?

Das "Joon" ist keiner dieser Läden, wo dem Gast nach dem letzten Bissen mit der Frage "Darf's noch was sein?" der Teller weggerissen wird. Man darf also in Ruhe in den Tag starten und sich dabei auch an den ausgelegten Zeitschriften bedienen, wenn einem keine bessere Hälfte gegenüber sitzt.

(Theresienstraße 114, 80333 München, Mo. u. Di. 9 bis 23 Uhr, Mi. bis Sa. 9 bis 1 Uhr, So. 9 bis 20 Uhr, Tel. 089/41550941)

So sieht es im Café Joon aus. Von Laura Kaufmann

Bild: Stephan Rumpf 18. Oktober 2017, 18:322017-10-18 18:32:16 © sz.de/kbl/ebri