bedeckt München 20°

Inhabergeführte Geschäfte:Der Teppich als Statement

Kavousi

Im Geschäft von Danya Kavousi ist es gemütlich, was natürlich an den vielen Teppichen liegt.

(Foto: Andreas Gebert)

Seit 25 Jahren führt Danya Kavousi den Orientteppichladen am Fuße des Dombergs. Damit angefangen hat ihr Vater, der sich mit aus der Heimat Iran importierten Teppichen das Studium in Freising finanzierte. Die Kunden schätzen die persönliche Beratung, die Unikate und die Handarbeit.

Von Birgit Goormann-Prugger, Freising

"Teppiche, das war ja früher eigentlich richtig spießig", sagt Danya Kavousi. Was Muffig-Verstaubtes für alte Leute sozusagen. Doch das habe sich geändert, mittlerweile gehörten zu ihrem Klientel auch viele jungen Kunden, erzählt die 52-Jährige, die seit 25 Jahren das Geschäft "Orientteppiche Kavousi" in Freising führt. "Die jungen Leute bauen sich ein Haus, da wollen sie den Boden erst freilassen, dann merken sie, dass sie es gemütlicher haben wollen, auch wegen der Akustik und dann kaufen sie einen Teppich, der gerne auch ein bisschen stylish sein darf ", erzählt Danya Kavousi.

Gegründet wurde das Geschäft, das nach Zwischenstationen in der Ziegelgasse und an der Gartenstraße heute im ehemaligen Magistratsgebäude der Stadt aus dem 17. Jahrhundert an der Bahnhofstraße zu finden ist, von ihrem Vater, Ali Kavousi, vor bald 60 Jahren. "Mein Vater studierte damals in Weihenstephan Landwirtschaft und um sich ein bisschen Geld fürs Studium zu verdienen, hat er aus seiner Heimat Iran Teppiche mitgebracht und hier verkauft". Aus diesem Zuverdienst ist schließlich eine Freisinger Tradition geworden. Ali Kavousi, heute 85 Jahre alt, hat sich aus dem operativen Geschäftsleben mittlerweile zurückgezogen. Präsent ist er dennoch, sitzt auf einem Stuhl im hinteren Bereich das Ladens und begrüßt die Besucher mit einem freundlichen Nicken. Und dann sind da auch noch Fanny und Seemann, die beiden Hunde von Danya Kavousi, die zufrieden in ihrem Körbchen schlummern.

Kavousi

Gegründet wurde Kavousis Laden vor bald 60 Jahren von ihrem Vater Ali (Bild), den man auch heute dort noch antrifft.

(Foto: Andreas Gebert)

Das Handwerk des Teppichknüpfens stirbt langsam aus

Im Laden selbst sieht es aus wie in einem großen Wohnzimmer, nicht ganz aufgeräumt vielleicht, wegen der vielen Teppiche, die übereinander liegen oder in Ecken zusammengerollt stehen, aber sehr gemütlich. Fast möchte man hier einziehen oder sich zumindest auf einem Teppichlager ein bisschen ausruhen, so wie Fanny und Seemann in ihren Körbchen.

Die Kavousis stammen aus Shiraz einer Stadt im Iran. Seit über 1000 Jahren werden dort von den Nomaden Teppiche geknüpft. Doch leider sterbe das Handwerk langsam aus, bedauert Danya Kavousi. "Es gibt immer weniger Teppichknüpfer. Im Iran herrscht Schulpflicht und die jungen Leute wollen dann alle studieren und keine Teppiche mehr knüpfen". Nach Shiraz reist Danya Kavousi auch heute noch oft, bespricht mit den Teppichknüpfern neue Muster oder Farben und kauft dort auch die persische Wolle, die man für die Restauration von Orientteppichen benötigt. Auch das gehört zum Angebot des Geschäftes.

Danya Kavousi arbeitet dafür mit einem Restaurator zusammen, auch die Reinigung von Teppichen wird angeboten. Und wer sich nicht sicher ist, welcher Teppich sich und im Wohnzimmer oder im Gang am besten macht, den besucht Danya Kavousi auch zuhause und bringt gleich ein paar Exemplare mit, die man probeweise auslegen kann. "Der Teppich muss für den Gang ein Statement machen", sagt Danya Kavousi dann beispielsweise und rät bei einem sehr langen Gang von einem stark gemusterten Teppich ab. "Das wirkt sonst noch länger". Personal hat Danya Kavousi nicht, nur ihre Mutter hilft an zwei Nachmittagen in der Woche aus.

"Ein langsames Geschäft"

Für mehr Angestellte sei der Laden wohl auch zu klein und die Leute wollten sowieso nur mit ihr reden. "Unikate und Handarbeit", das sei das, was ihre Kunden schätzen würden, erzählt Danya Kavousi weiter. "Die gehen nicht in ein großes Möbelhaus mit Teppichlager, das sind andere Leute".

Ihre Kunden kämen nicht nur aus Freising, sondern aus dem gesamten Münchner Norden. "Viele kommen auch bei mir vorbei, weil sie vorher auf dem Domberg waren, einen Kurs belegt haben, Kalligrafie oder so etwas und dann bei mir die Schaufenster gesehen haben." Dort entdecken sie dann auch die Accessoires im Angebot, Gartenmöbel aus Frankreich, Schals oder den Silberschmuck einer spanischen Künstlerin. Neuerdings führt sie auch Teppiche aus Afghanistan, die von Frauen geknüpft werden.

Mit Freising ist Danya Kavousi zufrieden. "Ich bin gerne hier, ich finde, es wird auch viel zu viel gejammert, Freising ist doch schön, und es gibt auch viele andere, tolle Geschäfte, die von Inhabern geführt werden". Den großen Innenstadtumbau mit den vielen Baustellen nimmt Danya Kavousi gelassen. Vieles bekomme sie an der Ecke zur Domberggasse nicht mit. An ihrem Beruf mag Danya Kavousi, dass es "ein langsames Geschäft ist". Die Kunden nähmen sich Zeit für einen Besuch bei ihr und rauschten nicht einfach mal schnell vorbei. Und manch einer zückt dann sein Handy und zeigt Danya Kavousi ein Foto, von einem Gang ohne Teppich...

© SZ vom 06.11.2018/nta

Inhabergeführte Geschäfte
:"Kasdandlerin" aus Leidenschaft

Marianne Lang betreibt in der Freisinger Innenstadt seit 1997 einen Käseladen. Über 150 Sorten hat sie im Sortiment. Mit den Baustellen in der Innenstadt hat sie sich abgefunden, aber vor der Moosachöffnung graust ihr, denn dann verschwindet der Laden hinter Brettern

Von Petra Schnirch

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite